2. Weltkrieg, Horror, Wahre Begebenheit

Rezension: Haarmann von Peer Meter und Isabel Kreitz

Für mich gab es heute zu Halloween ganz besonderen Horror: neben schlimmen Rückenschmerzen hatte ich noch mit einer kaputten Autobremse zu kämpfen und verstecke mich jetzt vor den kleinen klingelnden Gespenstern, weil wir keine Süßigkeiten im Haus haben. Zu all dem Horror passt gut das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte…
Als frischgebackene „Blogmutti“ habe ich endlich eine Ausrede vor mir selbst mal ein bisschen herum zu experimentieren. Ich probiere gern verschiedene Genres und Erzählformen aus, bisher hatte ich mich aber noch nicht an Graphic Novels herangewagt. Das wollte ich ändern. Als Erstling habe ich mir „Haarmann“ von Peer Meter und Isabel Kreitz ausgesucht.

„Haarmann“ von Peer Meter und Isabel Kreitz
Carlsen Verlag
176 Seiten
19,90 € (Hardcover)
Trailer zum Buch auf Youtube

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg verschwinden in Hannover unzählige junge Männer, viele von ihnen waren auf der Durchreise und kamen nie an ihrem Ziel an. Als dann an den Ufern des Flusses Leine immer mehr menschliche Knochen gefunden werden ist schnell klar: ein Menschenschlächter treibt sein Unwesen in Hannover.
Friedrich Haarmann ist ein stadtbekannter Hehler, Kleinkrimineller und Homosexueller. Er saß schon mehrfach in der Psychiatrie und ihm wurde ein „unheilbarer angeborener Schwachsinn“ diagnostiziert. Nun ist er wieder auf freiem Fuß und verdingt sich sogar als Spitzel der Polizei, er „ermittelt“ im Schwulenmillieu der Stadt. Als in den Fällen der vermissten Jungen Haarmann ins Visier gerät wird dies daher von den zuständigen Behörden zuerst noch verworfen. Gegen die unschöne Wahrheit kann sich jedoch irgendwann keiner mehr wehren.
Zur Geschichte von „Haarmann“ ist nicht viel zu sagen. Das Buch basiert auf einem wahren Kriminalfall und erzählt diesen geradlinig und anschaulich. Der Einstieg in die Erzählung wird über die gefundenen Knochen am Flussufer der Leine und die Mutmaßungen der Anwohner gesetzt. Einen schönen Bogen spannt dazu das Ende des Buches das ein Reim des „Haarman-Liedes“ bildet. Dieser Reim wurde damals von der Bevölkerung aus einem beliebten Opernlied umgereimt: „Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Schabefleisch aus dir.“ Die Mutmaßungen und Gespräche der Bevölkerung haben einen großen Anteil im Buch und es war spannend zu verfolgen wie sich diese Gespräche entwickeln.
Die Stimmung im Buch ist durch die detaillierten aber sehr dunklen Schwarzweißzeichnungen passend zur düsteren Geschichte. Alles bekommt einen leicht „schmutzigen“ und dunklen Hauch und hat dadurch das Flair eines alten Schwarzweißfilmes. Das hat wunderbar zur Geschichte gepasst. Auch die Reihenfolge der Bilder hat zum Teil den Eindruck eines Filmes gemacht. Denn neben vielen Abschnitten mit vielen Textpassagen und langen Dialogen gab es tolle Szenenbilder, welche die Geschichte untermalt haben.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, nach der Geschichte wurde in einem separaten Kapitel noch einiges an Informationen zum Fall Haarmann geliefert was die Graphic Novel dann endgültig abgerundet hat. Schöner hätte ich es gefunden, wenn diese Informationen etwas mehr in die Handlung mit eingewoben worden wären. So wie die Mutmaßungen der Bevölkerung hätten sie dort die Geschichte gut ergänzt. Insgesamt vergebe ich 4 von 5 Leseratten. Manchmal ist der wahre Horror schrecklicher als jede erdachte Geschichte.

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