Drama, Fiktion

Rezension: Sehnsucht nach Mill River von Darcie Chan

Über Vorablesen hat mich vor Kurzem „Sehnsucht nach Mill River“ von Darcie Chan erreicht.

„Sehnsucht nach Mill River“ von Darcie Chan
Marion von Schröder Verlag (Ullstein)
400 Seiten
16,99 € (Hardcover)

(eine Leseprobe von Vorablesen findet ihr hier)

In „Sehnsucht nach Mill River“ wird die Geschichte der alten Dame Mary McAllister erzählt. Mary lebt allein und krank in ihrem großen Haus, auf einem Hügel über dem Örtchen Mill River. Der Krebs hat sie deutlich geschwächt und sie möchte ihrem Leben ein Ende setzen, solange sie noch selbst die Möglichkeit dazu hat. Marys Leben war von einem tragischen Ereignis in ihrer Jugend und ihrer grausamen Ehe überschattet. Durch diese Geschehnisse hat sich bei ihr eine ausgeprägte Sozialphobie entwickelt, welche sie zur Gefangenen ihrer Ängste machte. Sie war nicht in der Lage ihr Haus zu verlassen und fremden Menschen zu begegnen. Über ihren einzigen Freund, den Pfarrer des Ortes, nahm Mary Anteil am Leben der Menschen in Mill River und möchte nach ihrem Tod einiges verändern.

Die Geschichte wird erzählt in der Gegenwart kurz nach Marys Tod sowie in Rückblenden auf Marys Leben. Ich hatte das Gefühl, dass die gesamte Handlung sich nur auf einige wenige Ereignisse beschränkt und man an vielen Stellen zu wenig über Mary erfährt. Schade war hierbei vor allem, dass das groß angedeutete Geheimnis um Marys Leben nicht im Laufe der Handlung schrittweise enthüllt wird, sondern im Verlauf des Buches kaum Beachtung findet und erst am Ende plötzlich gelüftet wird (richtig überraschend war es leider trotzdem nicht).

Ich war sehr berührt von der Traurigkeit und Einsamkeit im Leben der alten Dame. Auch die Gefühle der übrigen Charaktere konnte die Autorin gut transportieren. Insgesamt hat jedoch für mich immer etwas gefehlt, das Buch hat mich nicht begeistern können. Zwar bemüht sich die Autorin durch viele individuelle Nebencharaktere und einige Nebenhandlungen Leben in das Buch zu bringen, die Geschichte wirkt dennoch unvollständig.

Mir haben das Thema und die Grundstimmung des Buches gefallen, ich konnte Marys isolierte Situation gut nachvollziehen und finde ihre Sehnsucht nach Mill River nur zu verständlich. Auch die Botschaft sich mit Respekt und Hilfsbereitschaft zu begegnen und Andersartige nicht auszugrenzen wurde liebevoll herausgearbeitet.

Leider ist das Buch insgesamt betrachtet zu wenig mitreißend und wird mir sicherlich nicht lang in Erinnerung bleiben. Die angedeuteten dunklen Geheimnisse wirkten aufgesetzt und haben sich schließlich verflüchtigt. Ich kann dem Buch nur 3 von 5 Leseratten geben. Es war eine angenehme Lektüre in einem leichten Schreibstil und hatte viele gute Ansätze, leider konnte es mich aber nicht begeistern und die Geschichte war sehr unausgereift.

Vielen Dank an Vorablesen und den Marion Schröder Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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