Erzählung, Fiktion

Rezension: Ein Schmetterling im November von Audur Ava Ólafsdóttir

Den Tag gestern habe ich in Island verbracht… Nagut, eigentlich habe ich auf dem Sofa gelegen und meinen Wintertee getrunken, aber es hat sich so angefühlt als hätte ich mit diesem wunderschönen kleinen Buch eine Reise durch Island unternommen. Da es wunderbar zur kalten Jahreszeit passt möchte ich euch heute also „Ein Schmetterling im November“ vorstellen.


„Ein Schmetterling im November“ von Audur Ava Ólafsdóttir
Suhrkamp Insel Verlag
Verlagsseite zum Buch
355 Seiten
22,95 € (Hardcover)

Den Beginn der Geschichte bildet das Ende der Ehe unserer namenlosen Protagonistin. Der Mann trennt sich von ihr, hat eine Neue und möchte mit dieser ein Kind bekommen. Die Protagonistin selbst wollte keine eigenen Kinder, war mit Arbeit und Mann zufrieden (obwohl auch sie ihn schon betrog) und wirkt nun ziemlich desorientiert. Als sie gerade dabei ist ihr Leben neu zu sortieren, eine Reise plant und alles verarbeiten möchte, stürzt ihre schwangere beste Freundin. Da diese nun ins Krankenhaus muss bleibt es an unserer Protagonistin auf den Sohn der Freundin achtzugeben. Kurz entschlossen nimmt sie den kleinen gehörlosen Jungen mit auf ihre Reise durch Island.
Ich hatte mich schon direkt bei der Leseprobe in diese Geschichte verliebt, der Schreibstil ist fein und detailliert, hat einen gewissen Witz und liest sich unheimlich flüssig. Noch dazu hat die Geschichte mich von Beginn an richtig neugierig gemacht. Ich wollte zu jeder Zeit wissen wohin es mit der Handlung und den Personen gehen wird. Die selbstgewählt kinderlose Protagonistin und der kleine gehörlose Junge mit der dicken Brille sind einfach ein skurriles Paar und mir sofort ans Herz gewachsen.
Die Geschichte wird aus der Perspektive der Protagonistin erzählt und man merkt, wie sich nicht nur ihre Lebenssituation sondern Stück für Stück auch sie selbst sich verändert. Sowohl die ungewöhnliche Situation ihrer Reise als auch ihr besonderer Reisegefährte machen sie zu einer stärkeren Frau. Und obwohl sie keinen Namen hat ist man dieser Hauptfigur einfach nah. Die besondere Stärke dieses Buches ist in meinen Augen gerade diese besondere Atmosphäre der Geschichte. Man meint gemeinsam mit diesen beiden Figuren durch das kalte unwirtliche Island im November unterwegs zu sein. Die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen zusammen mit den leisen und detaillierten Erzählungen über die Erlebnisse der beiden machen alles irgendwie echt.
Ich kann dieses Buch allen ans Herz legen die Lust auf eine ruhige Geschichte über zwei besondere Menschen haben. Ich selbst habe dieses Buch absolut genossen und habe mich in seiner Stimmung einfach wohl gefühlt. Eine Besonderheit noch: am Ende des Buches finden sich die Rezepte der von den Personen verspeisten Gerichte, manche richtig beschrieben, manche witzig gemeint. Insgesamt ein netter Anhang zum Schmunzeln… und den Apfelkuchen werde ich vermutlich wirklich mal probieren.

Insgesamt 5 von 5 Leseratten von mir für diese wunderschöne Geschichte.

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