Drama, Fiktion, Liebe

Rezension: Glückliche Ehe von Rafael Yglesias

„In guten, wie in schweren Tagen“ füreinander einzustehen, auch das bedeutet Ehe. So schön, wie die guten strahlenden Tage sind, so schlimm können auch die schweren Tage sein. Doch sie gemeinsam durchzustehen gibt Kraft. Zum Abschluss unserer Ehe-Woche also nochmal ein zwar sehr trauriges, aber auch sehr kraftvolles und romantisches Buch, bei aller Härte.

„Glückliche Ehe“ von Rafael Yglesias
426 Seiten
22,95 € (Hardcover)
ISBN 978-3-608-93707-7

Margaret und Enrique sind seit knapp dreißig Jahren verheiratet, als Margaret den Kampf gegen den Krebs verliert, an dem sie vor zwei Jahren erkrankte. In wechselnden Kapiteln erzählt das Buch die Geschichte vom Beginn und dem Ende einer Ehe.

Die Geschichten vom Anfang der Ehe berichten vom ersten Treffen, über die ersten Dates und das Auf und Ab der jungen Beziehung. Die Kapitel des Endes der Ehe erzählen eine Geschichte von einem schweren Abschied nach einem Leben, dass man Großteils gemeinsam verbracht hat, von Aufopferung und Liebe am Ende einer glücklichen Ehe.

„Selbst im Sterben, tröstete er sich, gab sie ihm etwas Kostbares: die Zeit, sich anständig voneinander zu verabschieden.“ (S. 73)

Diese Wechsel haben mich beim Lesen sehr mitgenommen. Der Beginn der Ehe so romantisch und zart, dass ich kaum damit aufhören konnte zu Lesen, steht im harten Kontrast zu den Kapiteln über das Ende der Ehe. Margarets Krankheit hat mich mitten ins Herz getroffen und obwohl ich manchmal Pausen einlegen musste, weil ich nicht lesen wollte wie es ihr Seite für Seite immer schlechter geht, steckt auch in diesen Kapiteln eine Menge Trost und Kraft. Wie Enrique seinem eigenen Schmerz zum Trotz liebevoll für seine Frau sorgt, war auf seine Art wunderschön.

„Vielleicht hatten sie ja nicht begriffen, dass sie für ihn schon lange an erster Stelle gestanden hatte, dass sie die Heimat seines Herzens und der Anker seines Denkens war und dass der Kampf darum, sie am Leben zu erhalten, unerlässlich für die Erhaltung seiner eigenen Seele war.“ (S. 138)

Cover und Titel von „Glückliche Ehe“ wirken locker, leicht und sprechen von Glück und Zufriedenheit. Doch auch in einem an sich glücklichen Leben gibt es natürlich Schatten und manchmal auch Leid. So gibt es auch in der Geschichte von „Glückliche Ehe“ Probleme und Streits. Margaret und Enrique waren in einiger Hinsicht ein perfektes Paar und dennoch gab es auch eine Menge Reibungspunkte in ihrem Leben. Diese waren für mich beim Lesen nicht immer leicht hinzunehmen, doch im Verlauf der Handlung wird einem immer deutlicher bewusst, dass der Titel „Glückliche Ehe“ dennoch sehr ehrlich ist. Das Überwinden von Problemen macht eine Beziehung doch um einiges stärker.

„In den neunundzwanzig Jahren seit seinem ersten desaströsen Geschenk war so viel passiert. Waren so viele Illusionen zerplatzt. Hatten sie beide sich als so stark erwiesen. Sie hatte die grausamsten Dinge zu ihm gesagt, die man ihm nur hätte sagen können, und er war zu ihr mehr als einmal noch grausamer gewesen. Sie hatten sich Liebe geschworen, hatten Hass ausgehalten. Als Kinder hatten sie Kinder hervorgebracht, von denen jetzt eins schon ein Mann war und das andere nur zu schnell einer wurde.“ (S. 192)

Glückliche Ehe hat mich ursprünglich wegen seines Titels angezogen. Ich hatte mir eine perfekte Geschichte über eine perfekte Beziehung gewünscht, gewürzt vielleicht mit einem Hauch Melancholie. Bekommen habe ich viel mehr: ich weine so gut wie nie, bei „Glückliche Ehe“ konnte ich es nicht verhindern, die Geschichte hat mich zu sehr mitgenommen. Ich habe geweint vor Glück bei den Liebeserklärungen im Buch und geweint vor Trauer um Margaret.
Zusätzlich hat mich der wunderschöne Schreibstil ständig dazu gebracht, einzelne Passagen mehrmals lesen zu wollen und mich in der Sprache des Buches zu verlieren.

Diese erzählerischen und sprachlichen Qualitäten, zusammen mit einer für jede Beziehung wertvollen Botschaft machen für mich die Bedeutung dieses Buches aus. Ich vergebe 5 von 5 Leseratten für „Glückliche Ehe“.

„Dabei hatte er die meiste Zeit seines Lebens damit verbracht, an die Zukunft zu denken: Die Vergangenheit hatte er immer hinter sich lassen, die Gegenwart möglichst schnell besser gestalten wollen.“ (S. 143)
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