Dystopie, Fiktion

Rezension: Das Jahr der Flut von Margaret Atwood

Eigentlich mag ich Buch-Reihen nicht so gern. Nur einige Wenige habe ich wirklich komplett gelesen. Meist geht mir (oder dem Autor) ja doch vorher irgendwie die Luft aus. Bei der MaddAddam-Trilogie dagegen habe ich eine Sucht entwickelt, die seines Gleichen sucht. Nachdem ich „Oryx und Crake“ beendet hatte, war ich richtiggehend deprimiert. Häufig wollte ich nochmal schnell nachlesen was denn nun mit Schneemensch weiter passiert. Bis mir jedesmal wieder einfiel: „Ach, stimmt. Das Buch ist ja doch zuende!“. Nachdem mir klar wurde, dass diese akute Sucht nur durch mehr von MaddAddam gelindert würde, habe ich schnell weitergemacht mit „Das Jahr der Flut“.


„Das Jahr der Flut“ von Margaret Atwood
Teil 2 der MaddAddam Trilogie
Berlin Verlag
480 Seiten
10,95 € (Taschenbuch) oder 8,49 € (Kindle Edition)

„Das Jahr der Flut“ spielt in derselben Zeitebene wie zuvor „Oryx und Crake“. Das heißt wir beginnen in einer zwar angeschlagenen, aber noch intakten Welt und erleben den Untergang der Gesellschaft noch einmal mit. Diesmal wird die Geschichte aus der Perspektive einzelner Mitglieder der „Gottesgärtner“ berichtet, einer religiösen Gruppe, die sich auf die wasserlose Flut vorbereitet und nach einer eventuellen Katastrophe die Erde befreien möchte.

Das Konzept, in zwei Büchern dieselbe Zeitschiene aus verschiedenen Winkeln zu betrachten ist mir bisher noch nicht begegnet und macht für mich den besonderen Reiz dieses Buches aus. Während in „Oryx und Crake“ quasi hinter den Kulissen berichtet wird, wie es zur Katastrophe kam, wird in „Das Jahr der Flut“ eine ganz andere Seite des Geschehens dargestellt. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft kommen in den Schilderungen der Gottesgärtner noch viel direkter herüber. Anfangs mag man die Gärtner noch belächeln, wie sie auf Hausdächern Kartoffeln anbauen und Notfall-Lager anlegen, später werden ihre Prophezeiungen traurig war. Und alles kommt dabei noch schlimmer, als es selbst die Gärtner erwartet hätten.
Die Gottesgärtner wirken wie ein Haufen gutmütiger und manchmal realitätsferner Hippies. Ihre Glaubensmaximen lehren Friedlichkeit und Zusammenhalt, es wird gemeinsam gearbeitet und möglichst energisch demonstriert. Jedes Kapitel wird durch eine Predigt von „Adam Eins“, dem Glaubensführer der Gruppe, und einem Lied des Blumenblütenchors eingeleitet. Das ist umso spannender, weil man merkt, wie sich auch die Gottesgärtner den wandelnden Bedingungen stellen müssen. Das die Ansprachen von Adam Eins zum Teil sehr skurril wirken und die Glaubenssätze auf Biegen und Brechen den aktuellen Umständen angepasst werden, hat mich besonders unterhalten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich hier eine Metapher auf die skurrile Wirkung, die wohl jede Religion auf Außenstehende hat, findet. Das hat mich neben vielen herzhaften Lachern auch immer wieder zum Grübeln gebracht. Ich hoffe ich interpretiere nicht einfach zu viel in diese Passagen hinein.
Da die Geschichte völlig neue Charaktere begleitet und auch deren Lebensgeschichten wieder wunderbar mit der Gesamtgeschichte verwoben werden, hatte ich nicht erwartet bekannte Gesichter aus „Oryx und Crake“ wieder zu treffen. Umso begeisterter war ich, als sich viele lange vorbereitete Handlungsfäden beider Bücher verbanden und ich immer mehr Beziehungen zwischen Menschen und Handlungssträngen aus beiden Büchern entdeckte. Diese Verwebungen werden zum Ende des Buches hin immer stärker und stärker. Bis „Das Jahr der Flut“ schließlich exakt in derselben Szene mündet, in der schon „Oryx und Crake“ endete und mich vor Spannung kaum zu Atem kommen lies. Ich musste also sofort zu „Die Geschichte von Zeb“ greifen um zu erfahren was weiter passiert.

Ohne Abstriche kann ich sagen, dass „Das Jahr der Flut“ genauso stark wie „Oryx und Crake“ ist, mich von der ersten Seite gefesselt und unterhalten hat und mich dabei ganz nebenbei immer wieder zum nachdenken bringt. 5 von 5 jubelnden, begeisternden Leseratten auch für „Das Jahr der Flut“.



Das Buch in einem Tweet: Zurück auf Anfang in „Das Jahr der Flut“. Mit den Gottesgärtnern erleben wir die Katastrophe erneut. Wieder Spannung & großartige Atmosphäre.

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2 Comments

  • Reply Alesha Linwell Juni 8, 2014 at 9:30 am

    Hi,
    Wieder eine klasse Rezension. Je mehr ich über diese Reihe lese, desto größer wird mein Wunsch, sie selbst zu lesen. Ich schreib den ersten Band direkt mal auf meine Wunschliste!
    Liebe Grüße
    Alesha
    (rogue-books.de)

  • Reply Montagsfrage #84 von Buchfresserchen – The Read Pack Mai 24, 2016 at 9:40 am

    […] Das Jahr der Flut […]

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