Fiktion, Liebe

Rezension: Die Achse meiner Welt von Dani Atkins

Das ich Gedankenexperimente und „was wäre wenn“ in Geschichten sehr mag, hat man bestimmt schon an meinem ein oder anderen Buch gemerkt, vor kurzem ja sogar ganz offensichtlich. „Die Achse meiner Welt“ ist nun von Titel und Richtung deutlich verträumter, bringt aber auch ein echtes Gedankenexperiment mit und hat mir großes Vergnügen bereitet.

„Die Achse meiner Welt“ von Dani Atkins
318 Seiten
9,99 € (Taschenbuch)

Rachel wird bald mit ihrem Studium beginnen und hat ein chancenreiches Leben vor sich, als ein tragischer Unfall ihr Schicksal wendet. Gemeinsam mit ihrem Freund und der Clique sitzt sie beim Essen, als ein Auto in das Lokal rast und ihren Kumpel Jimmy erfasst, während dieser Rachel gerade in Sicherheit bringt. Jimmys selbstlose Tat berührt Rachel, aber es sind nicht nur Schuldgefühle, die sie in ein so düsteres Loch reißen. Sie vermisst Jimmy, kämpft die nächsten Jahre schwer mit den Folgen des Unfalls und trennt sich sogar von ihrem Freund. Fünf Jahre später erleidet Rachel dann erneut einen tragischen Unfall. Als sie erwacht, scheint ihre Welt auf den Kopf gestellt. Jimmy lebt, der Unfall ist so nie geschehen… die Welt scheint sich zurückgedreht zu haben. Was will Rachel nun aus dieser neuen Chance machen?

Bei diesem Buch musste ich die Inhaltsangabe einfach etwas ausufern lassen, weil ich die Geschichte sehr schön und faszinierend finde. Nicht jeder hat natürlich so einen tragischen Fall vor Augen, wenn er an „was wäre wenn“ denkt, aber Gedankenspiele, ab einem bestimmten Punkt in seinem Leben eine gewisse Entscheidung oder auch nur die eigene Haltung zu verändern, hat wohl schon jeder gemacht. So charmant das klingt, für die Protagonistin in „Die Achse meiner Welt“ zeigt sich schnell, dass auch ein gewisser Schmerz darin liegt, aus dem eigenen Leben gerissen zu werden. Gerade diese emotionale Berg- und Talfahrt hat mich total gefesselt.
Der Schnitt in der Geschichte, zwischen den parallelen Realitäten, wirkt recht hart und plötzlich, die Überlegungen, welche Auswirkungen das auf das Leben von Rachel hat, sind dabei aber wunderbar umgesetzt und konsequent weitergedacht. Ich hatte einige eigene Theorien und habe sie wieder verworfen, habe gegrübelt und das Ende dann zwar schon geahnt, war aber trotzdem traurig berührt, als es wirklich wahr wurde.
Das ist insgesamt für mich der größte Pluspunkt des Buches: es kann berühren.
Die Charaktere sind nicht unbedingt außergewöhnlich, die Clique wirkt recht gewöhnlich zusammengestellt: das normale Mädchen, die nette Freundin, die schöne Unnahbare, der Schönling,  der schüchterne aber sympathische Kumpel. Einige der Figuren scheinen, als wären sie aus anderen Büchern irgendwie schon bekannt und können nicht wirklich überraschen. Trotzdem hängt man im Laufe der Geschichte sehr an ihnen und möchte wissen ob (und wie!) es weitergeht. Da kann ich es auch verschmerzen, dass (vor allem zu Beginn des Buches) auch das ein oder andere Gespräch zwischen den Charakteren noch sehr klischeehaft wirkt. Die Entwicklung, die später vor allem bei Rachel, einsetzt hat mich dafür „entschädigt“ und mich das Buch förmlich einsaugen lassen. Ihre fieberhafte Suche nach der Wahrheit und richtigen Entscheidungen hat mich nicht mehr los gelassen. Bei diesem Buch ist es also eindeutig die außergewöhnliche Handlung und weniger die Charaktere, die im Kopf haften bleiben.

Ich vergebe insgesamt 4 von 5 Leseratten für ein Buch, das mir gut gefallen hat und mich trotz einiger kleiner Schwächen überzeugen konnte.

Das Buch in einem Tweet: „Die Achse meiner Welt“ bringt eine Liebesgeschichte durchs Kaleidoskop betrachtet. Nicht ganz unerwartet aber schööön und richtig traurig.
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