Film

Filmfreitag: Mary & Max – Oder: schrumpfen Schafe, wenn es regnet?

 

Seit wir die Rubrik des Film-Freitag planten, freue ich mich darauf euch von „Mary & Max – Oder: schrumpfen Schafe, wenn es regnet?“ zu erzählen. Ich habe nicht unbedingt den einen Lieblingsfilm, aber „Mary & Max“ kommt sehr nah an „mein Lieblingsfilm“ ran und ich möchte eigentlich jeden/jede Freund/in in meinem Umfeld davon überzeugen, den Film mit mir zu gucken. Für Susi steht dieser Programmpunkt auch noch aus ;).


„Mary & Max – Oder: schrumpfen Schafe, wenn es regnet?“
Produktionsjahr: 2009
Erscheinungstermin DVD/Blu-ray: 02.12.2010
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Spiellänge 93 Minuten
FSK: 12
6,24 € (DVD) oder 15,99 € (Blu-ray)



Bester Animationsfilm im Langfilmwettbewerb AniMovie beim Trickfilmfestival Stuttgart und erhielt den Cristal d’Annecy auf dem Festival d’Animation Annecy für den besten Langfilm.

Mary Daisy Dinkle ist acht Jahre alt und ziemlich einsam. Ihre einzigen Freunde sind die „Noblets“ aus ihrer Lieblingsserie und ihr (etwas zerrupfter) Hahn „Ethel“. Marys Mutter ist eine kleptomanische Alkoholikerin, der Vater arbeitet in einer Teebeutelfabrik und präpariert gern überfahrene Vögel. Gesprächig sind sie Beide nicht. Zu allem Übel hat Mary eine ziemlich dicke Brille und ein unschönes Muttermal, wird von den anderen Kindern verspottet. Kein allzu leichter Stand für eine Achtjährige. Mary hat aber so viele Fragen zum Leben und wünscht sich so dringend einen Freund, dass sie beschließt ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie wählt blind eine Adresse aus dem Telefonbuch und schreibt dem unbekannten „Max“ einen Brief.

Max ist 44, lebt in New York, ist übergewichtig und hat das Asperger-Syndrom. Soziale Kontakte bereiten ihm Unbehagen und bis auf die Treffen seiner „Weight Watchers“-Gruppe verlässt er das Haus so gut wie nie. Marys herzzerreißende Briefe bringen also auch ein wenig Freude und Abwechslung in sein Leben.

Eine Brieffreundschaft beginnt, die sich über viele Jahre entwickelt. Die beiden tauschen ihre Sorgen aus und klären unter anderem, woher Babys in Amerika bzw. Australien kommen oder ob Schafe schrumpfen, wenn es regnet.

„Mary & Max“ ist ein klassischer Knetanimationsfilm, wie etwa „Wallace und Grommit“ oder „Chicken Run“. Anders als diese wirkt aber „Mary & Max“ weniger unbeschwert, die Bilder sind in Sepia- oder Grautönen gehalten und werden nur durch wenige Farbtupfer aufgelockert. Das führt dazu, dass trotz der putzigen Optik der Figuren eine eher melancholische Stimmung übermittelt wird.

 

Trotzdem ist „Mary & Max“ keine Tragödie, sondern bringt eine ganze Menge Unterhaltung, Witz und Phantasie mit und kann einfach von Anfang an begeistern. Ich jedenfalls kenne keinen zweiten Film, der wie „Mary & Max“ eine solche Mischung aus Melancholie und Humor, Wortwitz und bewegender Handlung vereint. Der durchgehend zum Lachen bringt aber auch richtig stark ans Herz geht. Es gibt viele Stellen im Film, die einfach durch ihren komischen Erzählstil und die ulkigen Bilder unheimlich witzig sind, dabei aber so bitter böse oder tragisch daher kommen, dass man fast nicht lachen kann.
Die Geschichte von Mary und Max wird von einem Erzähler begleitet, der aus dem Off über die Geschehnisse spricht und wunderbar die Sichten der beiden ungewöhnlichen Protagonisten aufgreift. Wenn dann Marys Briefe vorgelesen werden, die alleingelassen von der Welt dem Autisten Max ihr Herz ausschüttet, musste ich ganz schön mit den Tränen kämpfen. Dabei sind die Briefe und Gespräche nie mitleidheischend, sondern einfach so ehrlich und unbedarft, dass sie ans Herz gehen.
Dieser Film kommt vielleicht witzig und unscheinbar daher, aber Vorsicht! Er trägt eine ganze Menge Botschaft mit sich und streift dabei so gekonnt eine wahre Flut an Themen: es geht um Einsamkeit und Freundschaft, Liebe (unter anderem um Elternliebe, gleichgeschlechtliche Liebe…). Ganz nebenbei wird dann noch Max Krankheit thematisiert, als Asperger hat er Probleme mit Gefühlen und mit dem Kontakt zu Menschen. Max ist außerdem Jude, und geht (wie gesagt) zu den „Weight Watchers“. Mary beschäftigt sich (gezwungenermaßen) mit Alkoholismus und Depression. Das soll alles in einen Film passen? Ja, es passt. Denn insgesamt geht es doch immer wieder nur um zwei Dinge: Hoffnung und Akzeptanz.

Ich kann es nicht anders zusammenfassen als: ihr müsst unbedingt alle ganz dringend diesen Film anschauen! Und dann möglichst nochmal anschauen, viele Details fallen erst beim zweiten oder dritten Mal ins Auge.

Dieser Filmbeitrag war mir eine Herzensangelegenheit. Logisch, dass ich hier 5 von 5 Kinoratten vergeben muss!

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