Finger weg!

Alex‘ Shortlist #3 – oder: Wie mich „Kleine Kassa“ zu Fall brachte

Anhand der Leseproben zur Longlist des Deutschen Buchpreises 2014 habe ich mir eine ganz individuelle Shortlist zusammengestellt. Dabei habe ich mich ganz von meiner spontanen Begeisterung für die Leseproben leiten lassen.

„Kleine Kassa“ von Martin Lechner
Residenz Verlag
262 Seiten
22,90 € (Hardcover)

„Kleine Kassa“ schnitt dabei unheimlich gut ab, völlig ohne Hintergrundinformationen oder Erwartungen wurde ich mitten in eine wilde Flucht hineingeworfen. Diese Szene zu Beginn des Buches hat mich sofort gepackt: unser Protagonist Georg rennt um sein Leben, einiges ist schief gelaufen bei diesem Auftrag seines Meisters. Eigentlich sollte er einen mysteriösen Koffer überbringen. Doch er ist zu spät dran und stolpert mittendrin noch über eine Leiche. Plötzlich sieht sich Georg auf der Flucht, er verlässt Job und Wohnung und macht sich auf den Weg.
Anhand des kurzen Einstiegs in das Buch erwartete ich einen spektakulären und vielleicht etwas skurrilen Roadtrip. Da bei solchen Geschichten meist jede Reiseetappe gleichzeitig eine Entwicklung in der dahinterliegenden Haupthandlung bedeutet, war ich gespannt wohin sich Georg entwickeln wird, welche Konflikte da noch auftreten würden.
Als ich dann aber im Buch weiter voran kam, verlor ich immer mehr den Anschluss zum Protagonisten und der Handlung. Georg der vorher noch durch sein einfaches Gemüt irgendwie sympathisch wirkt, wurde mir mehr und mehr zum Rätsel und dreht irgendwann einfach durch. Die Reise an sich scheint ziel- und planlos. Zwar sind einige der Reiseetappen wirklich ganz amüsant zu lesen, die Figuren denen Georg begegnet werden interessant umschrieben und ab und zu gibt’s eine Prise Humor. Die Begeisterung und der Sog, den noch die ersten Seiten versprühten ist bei mir trotzdem völlig verfolgen. Ohne Ziel habe ich mich eher durch die Reise gequält und bin schließlich ganz vom Weg abgekommen. Ich hatte so gar keine Lust mehr auf diese Geschichte!
Das liegt vielleicht auch daran, dass die tollen Metaphern und bildreichen Beschreibungen des Autors, die mich anfangs noch fesselten, irgendwann immer mehr in Richtung Ekel und Perversion abdrehten. Ich habe mich in der Geschichte einfach nicht mehr wohl gefühlt.
Nach zwei Versuchen mit „Kleine Kassa“ lasse ich Georg nun schweren Herzens seinen Weg allein zuende gehen. Schon auf Seite 115 verliere ich endgültig den Anschluss. Eigentlich würde mich immer noch interessieren, wo Georg landet. Ob er mit der Schwarzgeldkasse seines Meisters ein neues Leben anfangen wird und ob die eine oder andere Figur ihm erneut begegnet. Die anstrengende Reise durch diese Geschichte werde ich dafür aber nicht mehr auf mich nehmen.
Für mich persönlich war „Kleine Kassa“ ein Fehlgriff, ein Buch das mich zwar ganz kurz begeistern aber nicht nachhaltig erreichen konnte.

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