Erzählung, Fiktion

Rezension: Glow von Ned Beauman

„Glow“ hat mich von Anfang an fasziniert, der Titel und das Cover sind hypnotisch, die Beschreibung des Inhalts wahnsinnig! Ich hätte mich vielleicht trotzdem nicht rangetraut, weil „Drogenbücher“ manchmal abdriften in dieses überzogen irrwitzige, gewollt völlig zusammenhangslose des Drogenwahns und das (nüchtern) echt ziemlich anstrengend sein kann. Als mir Karla mir das Buch dann aber nochmal so ans Herz gelegt hat, war ich schnell wieder Feuer und Flamme. Und es hat sich gelohnt!

glow_ned_beauman„Glow“ von Ned Beauman
Hoffmann und Campe Verlag
320 Seiten
22,00 € (Hardcover)

Londons Untergrund ist in Aufruhr: das Gerücht über eine neue Wunderdroge („Glow“) ist im Umlauf, aber kaum einer konnte sie schon testen. Eine seltsame Entführungsserie verunsichert Raver und Junkies gleichermaßen. Und in der ganzen Stadt schnell erbaute und gleich wieder verlassene Lagerhäuser geben Rätsel auf. Zwischen all dem steht Raf, er ist Gelegenheitskonsument und interessiert sich eigentlich für recht wenig: er jobbt als Programmierer und führt den Hund seines Kumpels aus (der wiederum ein illegales Londoner Untergrundradio betreibt). Nie hätte man gedacht, dass Raf sich in eine Verschwörung gegen einen weltweit agierenden Minenkonzern einmischt, dessen zwielichtige Geschäfte bis in den burmesischen Dschungel reichen. Aber natürlich macht er das, für eine Frau…

Die Geschichte von „Glow“ zu erzählen macht einfach Spaß! Ich würde gern noch viel mehr Details, Nebenhandlungen und angesprochene Themen erklären. Ich lasse das aber, weil es doch viel schöner ist, wenn ihr das Buch selbst lest! Dann könnt ihr euch auf ein tiefgründiges, vielschichtiges und vielseitiges Buch freuen. Es gibt wirklich jede Menge Nebenhandlungen, Motive und Ideen, die mich permanent in Atem gehalten haben. Manchmal reichten Andeutungen über Zusammenhänge verschiedener Themen und mein Kopf hat völlig allein weitergesponnen, Verbindungen gesucht. Wahnsinn. Es ist ein Buch, bei dem ich das Gefühl habe, dass man es mehr als einmal lesen muss, um alle Nuancen und Ideen mitzunehmen und die gesamte Geschichte zu greifen.
Manchmal geht es nämlich echt schnell, die Geschichte verwickelt und verzweigt sich und die Situation sieht gleich wieder ganz anders aus. Dieser intelligente Handlungsaufbau hat mir besonders gefallen. „Glow“ war (für mich) dadurch nämlich definitiv kein Buch, bei dem das Ende schon in den ersten Seiten abzusehen war. Da die verschiedenen Themengebiete auf den ersten Blick so gar nichts miteinander zu tun haben, ist die Begeisterung umso größer, wenn sich die Geschichte Stück für Stück verzahnt und dann alles zusammenpasst.
Dazu gehören aber auch die vielen tollen Charaktere, welche alle facettenreich und wirklich interessant beschrieben sind. Niemand ist da nur eine bloße Nebenfigur, alle scheinen wichtig und so detailreich vorgestellt, dass sie unverzichtbar für die Geschichte wirken. Gerade die verschiedenen Nebenhandlungen oder Rückblenden werden dadurch belebt und zu einem homogenen Teil der Geschichte.
„Glow“ ist intelligent* und tiefsinnig, dabei aber gleichzeitig witzig und skurril genug, um nicht allzu schwer daher zu kommen. Eine ideale Mischung für unterhaltsame und interessante Lesestunden.

Ich hab nichts zu meckern und werde immer begeisterter, je mehr ich darüber nachdenke: 5 von 5 Leseratten.

* Einzig die Namen der chemischen Stoffe und Prozesse habe ich überlesen müssen, das ist wie „zu viele Namen in einem Buch“ für mein Hirn nicht erfassbar. Da ich aber nicht vorhabe „Glow“ zu Hause nachzukochen ist das ok!

Das Buch in einem Tweet: „Glow“ ist fesselnd und unterhaltsam, überraschend und tiefsinnig. Kein „gewollt verrücktes Drogenbuch“ aber skurril und anders. Ein Rausch.

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