Krimi & Thriller, Spannung

Rezension: Schweinezeiten von Gary Victor

Es gibt manchmal Bücher, da stolpert man durch Zufall irgendwie drüber und hat dann das Gefühl, einen kleinen Schatz gehoben zu haben. „Schweinezeiten“ von Gary Victor ist so ein Buch für mich. Das Buch war meine Empfehlung von mybook.de und ist trotz einiger Schwächen eine schöne Entdeckung.

cover_schweinezeiten„Schweinezeiten – ein Voodoo-Krimi“ von Gary Victor
Litradukt Literatureditionen
130 Seiten
11,90 € (Taschenbuch)

Inspektor Azémar kann seine Arbeit bei der Polizei von Haiti nur mit einer gehörigen Portion Zuckerrohrschnaps ertragen. Überall in Port-au-Prince herrscht Armut, Ungerechtigkeit und Korruption. Als ihn sein ehemaliger Kollege um Hilfe bittet, weil er sich in ein Schwein verwandelt (da ist Voodoo am Werk!) und schließlich seine Tochter entführt wird, besinnt sich Azémar an seine Fähigkeiten als Elitepolizist und ermittelt auf eigene Faust.

Lokalkrimis aus Deutschland oder skandinavische Krimis (dazu morgen mehr) sind keine Seltenheit mehr und auch Krimis aus der Provence oder  dem Mittelmeerraum sind mir schon untergekommen. Einen Krimi, der in der Karibik spielt, hielt ich jedoch mit „Schweinezeiten“ zum ersten Mal in den Händen. Dass der Autor Gary Victor aus Port-au-Prince stammt, sorgt dabei für eine ganze Menge Authentizität. Die Mentalität der Menschen und die Stimmung im Hinblick auf Verbrechen und Korruption werden sehr „echt“ beschrieben, viele Begriffe werden im Original verwendet und per Fußnote erklärt. Ab der ersten Seite meint man dadurch mit Azémar im brütend heißen Port-au-Prince unterwegs zu sein.
Trotzdem ist es mir ein bisschen schwer gefallen, mich in die Geschichte von Schweinezeiten völlig einzufinden. Es scheint ein oder mehrere Vorgängerbücher zu geben (ich konnte es nicht genau herausfinden, mein Schulfranzösisch hat mich verlassen) die nie auf Deutsch oder Englisch erschienen sind. Da in der Geschichte aber immer wieder Bezüge zu diesen vorangegangenen Fällen gezogen werden, ist es mir manchmal schwer gefallen den Anschluss zu halten.
Den eigentlichen Fall dieses Buches kann man trotzdem begleiten. Azémar versucht herauszufinden, wer seinen ehemaligen Kollegen zum Schwein machen will, wo seine Tochter geblieben ist und deckt einigen Schmutz in diesen Schweinezeiten auf. Schade für mich war, dass gerade die Voodoo-Aspekte nicht näher erläutert wurden. Dafür dass es ein Voodoo-Krimi sein soll und der Fall damit einiges zu tun hat, hätte dieser Aspekt gern noch eine größere Hauptrolle spielen können.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die wirklich knappe Erzählart. Natürlich hängt die Qualität eines Buches nicht von seiner Länge ab, aber „Schweinezeiten“ war mir schon fast einen Tick zu kurz. Es gab einfach genug Aspekte der Geschichte die noch viel mehr Potenzial geboten hätten und allesamt nur kurz behandelt wurden.

Für mich ist das Buch unterm Strich 3 von 5 Leseratten wert. Es überzeugt durch Authentizität, Handlungsort und Grundhandlung, verschenkt aber bei wichtigen Aspekten viel Potenzial, das hat meine Begeisterung gedämpft.

Das Buch in einem Tweet: Zuckerrohrschnaps, Voodoo und eine Menge Schweine machen „Schweinezeiten“ besonders. Einige Schwächen trüben die Begeisterung dann leider.

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