Biografie, Lebensart, Ratgeber, Wahre Begebenheit

Rezension: My Berlin Kitchen von Luisa Weiss

“My Berlin Kitchen” wurde mir bei meinem mybook.de Test empfohlen, als ich nach einer fesselnden Liebesgeschichte suchte. Die Autorin betitelt es selbst auch als Liebesgeschichte, aber für mich persönlich ist sie es nicht. Nichtsdestotrotz war es eine sehr gute Empfehlung!

My Berlin Kitchen

“My Berlin Kitchen” von Luisa Weiss, Limes Verlag
384 Seiten
14,99 € (Taschenbuch)

Luisa Weiss wird in Westberlin geboren als Tochter einer Italienerin und eines US-Amerikaners. Sie lebte in Deutschland, Frankreich und den USA und war immer auf der Suche nach einer Heimat. Das manchmal unerklärliche Heimweh konnte sie immer in der Küche kurieren und so ergab sich für jede Lebenssituation das richtige Gericht. Daraus ist jetzt ihre besondere Biografie entstanden.

Die Qualität von “My Berlin Kitchen” lässt sich vor allem daran erkennen, dass ich bereits jedem davon erzählt habe, der fünf Minuten still gehalten hat. Die Kombination aus Biografie, Rezepten und Mutmacherbuch ist Luisa Weiss wunderbar gelungen. In jedem Kapitel beschreibt sie einen Aspekt ihres Lebens, der sie als Person geprägt hat. Dabei springt sie gerne in ihre Kindheit und Jugend zurück, geht beim Erzählen der Zeit von Studium bis heute aber immer chronologisch vor. Jedes Kapitel schließt dann mit mindestens einem Rezept eines Gerichts ab, das sie in dem jeweiligen Kapitel erwähnt hat. Die Symbiose klappt perfekt: Alle Gerichte scheinen wichtig und gut zu sein und kein wichtiger Aspekt ihres Lebens scheint zu fehlen. Man fragt sich ständig, wie dieser perfekte Einklang erreichbar ist.

Dennoch gibt es einen kleinen Wehmutstropfen: Das Buch ist auch die Reise einer ständig zweifelnden jungen Frau auf der Suche nach Heimat. Einigen Lesern kann sie auch etwas lang vorkommen. Auch die manchmal etwas übertriebene Theatralik, mit der sie sich selbst von ihren Entscheidungen zu überzeugen versucht, ist etwas zu viel des Guten. Insgesamt haben mir die Ausflüge zu Luisa Weiss’ Lebensphilosophie (“offene Türen sollte man nicht ignorieren” / “jeder hat sein Glück selbst in der Hand”) aber sehr gut  gefallen und mir erneut denselben Mut geschenkt, wie es beispielsweise “Das große Los” von Meike Winnemuth getan hat.

Dieses Buch ist aber nicht nur interessant (schließlich lernt man viel über die deutsche, amerikanische, italienische und französische Kultur), spannend (schließlich will man wissen, welche Stationen Luisa noch vor sich hat) und spendet Mut, es bietet einem auch noch kulinarische Leckerbissen! Ich habe einige Rezepte schon ausprobiert und habe noch einige vor mir. Die Erbsensuppe à la Luisa Weiss wird aber auf jeden Fall in meiner eigenen bescheidenen, kleinen Rezeptsammlung landen. Noch nie hat Kochen so viel Spaß gemacht! Ich habe gekocht, die besonderen Gerüche genossen und gleichzeitig weiter gebannt Luisas Leben verfolgt. Ein einfacher, aber dennoch besonderer und magischer Abend.

Luisa Weiss hat mit “My Berlin Kitchen” dem wahren Leben ein Denkmal gesetzt: Es ist eine Biografie zwischen Weltgeschehen, der eigenen Familie, der Selbstfindung und lebensbestimmenden Gerichten. Lebensnäher und gleichzeitig allgemeingültiger kann ein Buch nicht sein. Nur eine Liebesgeschichte ist dieses Buch nicht. Für Luisa Weiss ist es das sicher (ich will aber nicht zu viel verraten), aber da verkennt sie meiner Ansicht nach den großen Anteil den sie selber an dieser Geschichte hat. Für mich ist die Liebe in diesem Buch eine schöne Nebenhandlung in der Lebensgeschichte einer beeindruckenden, mutigen Frau.

Deswegen bleibt mir nur eins übrig: 5 von 5 Leseratten zu vergeben und das Buch zum xten Mal unbedingt weiterzuempfehlen!

Das Buch in einem Zwitschern:
“My Berlin Kitchen” ist Kochbuch, Biografie und Kulturstudie zugleich und beschert einem so ganz besondere Stunden. Unbedingt lesen!

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1 Comment

  • Reply Montagsfrage #54 von Buchfresserchen April 13, 2015 at 8:23 pm

    […] würde ich auf jeden Fall “My Berlin Kitchen” von Luisa Weiss, weil es leicht, spannend und ungewöhnlich ist. Es macht daher Lust auf ein […]

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