Erzählung, Fiktion

Rezension: Die vorläufige Chronik des Himmels über Pildau

Ich komme selbst aus einer Kleinstadt. Drumherum viele klein und kleinste Dörfer. Manche nicht mehr als eine Ansammlung von drei oder vier Bauernhöfen. „Die vorläufige Chronik des Himmels über Pildau“ schien da eine schöne Lektüre, die Erinnerungen weckt. Ich muss schon vorab sagen, dass der grandiose Titel mir mehr Hoffnungen gemacht hat, als die Geschichte wirklich halten konnte. Bereut habe ich das Buch trotzdem nicht.
 
Chronik des Himmels über Pildau„Die vorläufige Chronik des Himmels über Pildau“ von Max Scharnigg
Hoffmann und Campe Verlag
304 Seiten
19,99 € (Hardcover)

Die Familie Honigbrod lebt in Pildau, einem ziemlich kleinen Dorf. Eigentlich leben sie nicht mal im Dorf, sondern in einem Einsiedlerhof nebendran, ein Stück weg. Eigentlich weg von allem. Jasper Honigbrod lebt dort zusammen mit seinem Vater und Großvater. Und der Hofstange. Eine seltsame Holzkonstruktion mit der jeder Hof in der  Umgebung den Wolken ein bisschen den Bauch kitzeln und um Gottes Segen bitten möchte. In diesem seltsamen Stück Welt wird Jasper groß, erlebt dies und jenes und eigentlich kaum etwas und macht sich so doch seine ganz besonderen Gedanken.

„Die vorläufige Chronik des Himmels über Pildau“ ist ein sympathisches Buch. Ich mag den Titel (nein, ich liebe den Titel!) und mag die Figuren. Die Charaktere sind wirklich schräg und einzigartig. Skurrile Einsiedler und selbst in der verrückten Umgebung ihrer Geschichte etwas ganz Besonderes. Das man im Verlauf des Buches die Lebensgeschichte sowohl von Jaspers Vater als auch von seinem Großvater erzählt bekommt, lässt sie einem so richtig ans Herz wachsen.
Das war für mich dann zum Teil ein bisschen problematisch, denn es tat mir so leid, dass die Abschnitte der eigentlichen, gegenwärtigen Handlung mich dann so gar nicht fesseln konnten. Da hat man wunderbare, interessante Figuren und was ihnen passiert gerät zu sehr, viel zu sehr, zur Nebensache. Ich weiß, dass dieses Buch nicht durch einen rasanten Spannungsbogen punkten möchte (und auch nicht muss). Die Qualität liegt hier eindeutig in den Figuren und der wunderschönen Sprache und Erzählart der Geschichte. Ich konnte mich auch in den Schilderungen des Hofes und der Beschreibung, wie die Hofstange feierlich angehoben wird, verlieren und sie genießen. Der wirkliche Drang weiterzulesen und der letzte Funke Begeisterung haben aber doch gefehlt.
Der irgendwie kindliche aber auch doch künstlerische Erzählstil der Geschichte hat mir trotzdem wirklich gefallen. Die Gedanken, die sich Jasper zur Welt und zum Hof (was in seinem Fall nahezu dasselbe ist) macht, klingen zu schön, um von einem Kind formuliert worden zu sein. Aber gleichzeitig muss Jasper auch genau so klingen, ein normales Kind in einer solchen Geschichte? Das funktioniert auch nicht.

Ich bin wirklich hin und her gerissen, wie ich dieses Buch bewerten soll. Für mich war es insgesamt leider nur eine mittelmäßige Lektüre, weil es meinen ganz persönlichen Geschmack (und meine Stimmung) nicht treffen konnte. Ich glaube „Die vorläufige Chronik des Himmels über Pildau“ ist eher ein Buch für ruhigere Leser, denen der tolle Aufbau der Geschichte wichtiger ist, als dramatische Spannungsbögen und ausgefeilte Wendungen.
Ich vergebe 3 von 5 Leseratten, weil es für mich ein klares Unentschieden war. Kein Buch, das ich zweimal lesen möchte, aber ein Buch, dass ich auf keinen Fall bereut habe.

Das Buch in einem Tweet: „Die vorläufige Chronik des Himmels über Pildau“ lebt von seinen Figuren, denn sonst ist in Pildau doch ziemlich wenig los.

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2 Comments

  • Reply Lena März 14, 2015 at 4:54 pm

    Der Titel ist ja mal wirklich genial! Das Cover gefällt mir auch wirklich gut.
    Eigentlich schade, dass es eines von diesen Bücher ist, die nur so vor sich hin plätschern. Ich mag lieber Bücher mit Spannung ^^

    Liebe Grüße,
    Lena

    • Reply Alexandra März 15, 2015 at 10:06 am

      Hi,

      ja ich brauche auch eindeutig Geschichten die ein bisschen Spannung oder zumindest eine gewisse mitreißende Entwicklung beinhalten. Wenn die Geschichte so dahinplätschert verliere ich schnell das Interesse und das ist tödlich, wenn ich ein Buch wirklich genießen möchte.

      Viele Grüße
      Alexandra

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