Drama, Fiktion

Rezension: Die Middlesteins von Jami Attenberg

Auf dem wunderbaren Blog der Klappentexterin bin ich das erste Mal über „Die Middlesteins von Jami Attenberg gestolpert. Das Buch ging mir nicht mehr aus dem Kopf und musste sofort von mir gelesen werden. Thematisch reihte es sich seltsam passend ein zu „Großer Bruder“ und „Das Sexleben siamesischer Zwillinge“, von Stil und Blickwinkel ist dieses Buch aber ganz, ganz anders.

Middlesteins„Die Middlesteins“ von Jami Attenberg
Verlag Schöffling & Co.
264 Seiten
21,95 € (Hardcover)

Schlank war Edie nie und Essen war immer ein wichtiger Teil ihres Lebens. Schon als Kind wurde sie mit Leckerbissen getröstet, als Erwachsene tröstet sie sich selbst und beginnt einen verhängnisvollen Flirt mit dem Kühlschrank.

„Essen war aus Liebe gemacht und Liebe aus Essen, und wenn man dafür sorgen konnte, dass ein Kind aufhörte zu weinen, dann war das völlig in Ordnung.“

Edies Hunger scheint grenzenlos, so wiegt sie schließlich 130 Kilo und kämpft mit ernsten gesundheitlichen Problemen. Edie isst dennoch einfach weiter.

„Sie aß, weil sie das liebend gern tat. Sie wusste, dass sie liebend gern aß, dass ihr Herz und ihre Seele satt waren, wenn sie satt war“

Edie war schon immer das beherrschende Zentrum ihrer Familie, doch im Angesicht ihrer Krankheit fühlt sich die gesamte Familie machtlos. Edies Mann verlässt sie, bringt so seine Kinder gegen sich auf und leidet doch auch selbst unter der Trennung. Die Konflikte innerhalb der Familie nehmen, wie Edie, immer größere Ausmaße an.

Die Handlung von „Die Middlesteins“ scheint auf den ersten Blick so alltäglich, dass kaum zu glauben ist, wie dieses Buch fesseln kann. Mich hat die Geschichte trotzdem absolut mitgerissen. Vor allem die Charaktere sind es, die aus dieser scheinbar gewöhnlichen Geschichte etwas ganz besonderes machen. Das Buch ist zugleich ungemein komisch und leise traurig. Alle Mitglieder der Familie kämpfen mit ihren mehr oder weniger alltäglichen Problemen. Die Dynamik innerhalb der Familie, die Konflikte gegeneinander, der Trost füreinander hat mich dabei sehr berührt.

„Du wirst dein Bestes geben“, sagte Rachelle.
„Und wenn mein Bestes total scheiße ist?“, fragte Emily? Sie wischte eine Träne weg, dann noch eine, und als sie schließlich aus dem Zimmer ging, zog sie Rachelles Herz langsam hinter sich her.

Ich habe mit allen Figuren mitgelitten und mochte vor allem Edie unglaublich gern. Sie versprüht trotz ihrer Schwäche und Probleme eine ungemeine Kraft und ist der Kern ihrer kleinen Familie. Auf gewisse Weise kreisen wirklich alle Teile der Handlung um sie.
Das klingt vielleicht alles ziemlich tragisch und tatsächlich war ich manchmal wirklich traurig, gleichzeitig ist das Buch aber auch wirklich komisch und lebt von der zum Teil absurden Situationskomik.

Für mich ist „Die Middlesteins“ ein Buch, das man mehr als einmal gelesen haben kann. Es bietet so viele kleine Details und ist einfach viel zu schnell vorbei. Der wunderbare Schreibstil hat mich außerdem derart gefesselt, dass ich mich auch jetzt beim Schreiben der Rezension sofort wieder festgelesen habe. Flüssig und bildreich, detailliert aber nicht langatmig, genau so ein Stil der mich direkt und unkompliziert im Buch abtauchen lässt.
Von mir ganz klar 5 von 5 Leseratten.

Das Buch in einem Tweet: „Die Middlesteins“ ist eine gewichtige Familiengeschichte, im wahrsten Sinne des Wortes. Humor und Tragik, ein toller Erzählstil. Wunderbar!

Hier geht’s zur tollen Rezension der Klappentexterin.

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