Krimi & Thriller, Spannung

Rezension: Leichtes Opfer von Roger Smith

Der Klett Cotta Verlag bzw. das Tropen Imprint gehören zu meinen liebsten Verlagen, dass es da gute Belletristik gibt, habe ich natürlich demzufolge schon ausgiebig getestet. Auch den einen oder anderen Krimi habe ich dort für mich entdeckt. Einen echten Thriller habe ich dagegen bisher noch nicht ausprobiert. Nun habe ich „Leichtes Opfer“ von Roger Smith gelesen und gemerkt, wie wichtig eine gute, kluge Story für mich ist. Die Spannung in „Leichtes Opfer“ wird nämlich durch eine tolle Konstruktion der Geschichte und ganz besondere gesellschaftliche Strukturen wunderbar ergänzt. Dieses Buch ist kein hohler „der Gärtner war’s“-Thriller mit viel Blut, sondern ein echt harter, echt kluger Thriller.

leichtes_opfer„Leichtes Opfer“ von Roger Smith
Klett Cotta / Tropen Verlag
334 Seiten
19,95 € (Hardcover)

Aus einer eigentlich friedlichen Nacht im sommerlich heißen Kapstadt wird für Michael Lane und seine Ehefrau Beverly ein Alptraum. Von Schreien aufgeschreckt, werden Sie Zeugen, wie ihr Sohn einen brutalen Mord begeht. Aus Angst vor den Folgen beschließt das gut betuchte Ehepaar den Sohn zu decken. Der drogensüchtige Sohn der schwarzen Haushälterin wird zum Sündenbock, ihm schieben sie die Schuld für den Mord in die Schuhe. Doch damit, dass Michaels Sohn der Strafverfolgung entgeht, hat sich die Geschichte der Familie längst nicht zum Guten gewendet.

Atemlos. Anders kann ich nicht beschreiben, wie ich dieser Geschichte gefolgt bin. Die Story klingt nicht ganz neu, sie wird aber unglaublich rasant erzählt und da wo andere Bücher enden, geht es hier erst richtig los. Die Handlung rund um den Mord und dessen Vertuschung wird nämlich im Buch überraschend schnell abgewickelt, die Spannung beginnt damit gerade richtig. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe es nahezu in einem Rutsch verschlungen.
Das Buch handelt von Schuld, Rache, Vergebung und der Spirale von Gewalt und Verbrechen. Es wird aber auch ein spannendes und hartes Bild der Gesellschaft Kapstadts gezeigt. Roger Smith lebt selbst in dieser besonderen Stadt, in der Reichtum und Elend sehr eng zusammenliegen, die Kriminalitätsraten extrem sind und nach wie vor Rassenkonflikte in der Luft liegen. Wie nebenbei und ganz mühelos webt der Autor viele Details zu lokalen Besonderheiten, wie den sogenannten Numbers Gangs, in die Handlung mit ein. Das ganze Buch wirkt dadurch unglaublich authentisch.
Neben der genauen Darstellung der gesellschaftlichen Strukturen Kapstadts und den spannenden Gewissensfragen innerhalb der Handlung, kann das Buch vor allem durch seine Charaktere und Wendungen punkten. Die Figuren sind zwar zum Teil ein wenig einseitig dargestellt, entwickeln sich aber ausnahmslos spannend und bieten interessante Konflikte. Die Geschichte dreht und wendet sich nahezu pausenlos, bleibt durchgehend düster und bildet einen wahren Strudel.
Der Schreibstil von Roger Smith ist zudem prägnant und hart, kommt ohne viele Metaphern und Schnörkel, aber mit genug Atmosphäre daher. Ich möchte unbedingt mehr davon.

Ich habe absolut nichts zu meckern, habe die Lektüre unglaublich genossen und bin vom Detailreichtum und der Konstruktion der Geschichte nach wie vor begeistert, daher ganz klar 5 von 5 Leseratten.

Das Buch in einem Tweet: „Leichtes Opfer“ ist mitreißend und spannend, schockierend und beängstigend authentisch, durch gut recherchierte Hintergründe. Wunderbar!

Wer mehr zu den Numbers Gangs erfahren möchte sollte sich den Wikipedia-Artikel dazu anschauen.
Außerdem bin ich bei meiner Recherche auf das Lied „Cookie Thumper“ der südafrikanischen Band „Die Antwoord“ gestoßen, dort geht es um ein Mitglied der Numbers, dass gerade frisch aus dem Gefängnis entlassen wurde . Es werden typische Gangsymbole und Probleme thematisiert. Den Clip dazu findet man bei YouTube, das ist aber nichts für zarte Gemüter.

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4 Comments

  • Reply Die Leserin April 2, 2015 at 6:27 pm

    Hallo Alexandra!
    Ich hab das Buch vor ein paar Tagen gelesen und stimme deiner Rezension voll zu. Rasant und hart, ja, das ist es. Es ist wie eine Kettenreaktion des Bösen. Toll geschrieben.
    Muss mir wohl noch weitere Bücher von Smith besorgen, denn das war mein erstes von ihm.
    Liebe Grüße, Iris

    • Reply Alexandra April 3, 2015 at 7:50 am

      Hallo Iris,

      schön dich wieder hier zu sehen!
      Es war auch mein erstes Buch von Roger Smith und ich möchte nun unbedingt mehr von ihm lesen. „Leichtes Opfer“ hat mich so geschockt und gefesselt, dass ich sofort alle anderen Bücher stehen und liegen gelassen und bis spät in die nacht gelesen habe! 😀 Das ist immer ein gutes Zeichen.

      Was hast du dir jetzt als nächste Lektüre ausgesucht? Ich bin bei „Natchez Burning“ von Greg Iles gelandet und bleibe damit düster, das Buch ist ein echter Wälzer aber sehr spannend 🙂

      Liebe Grüße
      Alex

  • Reply Die Leserin April 4, 2015 at 9:48 am

    Hallo Alexandra!

    Meine aktuelle Leseliste ist laaaang. Kommt davon, dass ich den letzten Wochen verhältnismäßig wenig gelesen habe.

    Momentan lese ich BOOGIE MAN von Nathan Larson. Da hat mir der erste Band so super gefallen (2/14). Und SPADEMAN will ich gleich anschließen, weil die beiden Bücher immer verglichen werden.

    Greg Iles kenne ich gar nicht. Musste jetzt mal schauen … und freu mich schon auf deine Rezension dazu, klingt nämlich gut die Buchbeschreibung!

    Ganz liebe Grüße dir, Iris

  • Reply Montagsfrage #80 von Buchfresserchen – The Read Pack Mai 24, 2016 at 9:46 am

    […] grausamsten ist zumeist eh die Realität beziehungsweise realitätsnahe Bücher. So ist „Leichtes Opfer“ von Roger Smith ziemlich brutal, ohne im geringsten um Effekte zu […]

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