Krimi & Thriller, Spannung, Wahre Begebenheit, Zeitgeschichte

Rezension: Natchez Burning von Greg Iles

Im Moment bin ich völlig im Fieber und begeistere mich für Krimis und Thriller, die in irgendeiner Weise einen korrekten historischen Hintergrund in der Geschichte des 20. Jahrhunderts haben. Besonders spannend finde ich dabei zum Beispiel die Rassenunruhen in Amerika in den 1960er Jahren, die Attentate auf JFK und Martin Luther King, sowie deren soziale Folgen. „Natchez Burning“ handelt von genau diesen Themen und hat sich für mich zu einem echten Pageturner entwickelt.

330000xxxIles_Natchez_FIN.indd„Natchez Burning“ von Greg Iles
Rütten & Loening (Aufbau Verlag)
1008 Seiten
22,99 € (Hardcover)

Natchez, Mississippi in den 1960er Jahren. Rassenunruhen und der Terror des Ku Klux Klan sind an der Tagesordnung. Viele Gewalttaten und sogar Morde bleiben ungelöst und ungesühnt.
Als nun, Jahrzehnte später, Viola Turner, eine schwarze Krankenschwester, in ihre ehemalige Heimat zurückkehrt (aus der sie damals floh) werden alte Geister wieder geweckt. Viola wird ermordet. Penn Cage (bekannt aus früheren Büchern von Greg Iles) gerät mitten in den Strudel der Ereignisse: sein Vater wird des Mordes an Viola verdächtigt, ein Reporter zeigt Penn die schockierenden Ergebnisse seiner Recherchen zu diesem Fall… alle Ereignisse drehen sich doch irgendwie um den Mord an drei schwarzen Männern 1960, der Natchez sprichwörtlich in Flammen legt.

Nicht zu viel und nicht zu wenig über die Handlung von „Natchez Burning“ zu verraten fällt mir wirklich schwer. Immerhin sind es 1.008 Seiten auf denen wirklich eine Menge passiert! Keine Seite ist überflüssig, da ist wenig schmückendes Beiwerk sondern schlicht die pure, packende Handlung. In vielen wechselnden Erzählperspektiven werden grob zwei Erzählstränge bearbeitet: einmal die Gewalttaten und Vorkommnisse in der Vergangenheit und später die Dramen, welche nach Violas Tod ausgelöst werden. Ich liebe Bücher, in denen die Geheimnisse der Vergangenheit Stück für Stück aufgeklärt werden. Bei „Natchez Burning“ ist das besonders toll umgesetzt, da einige Lücken der Erzählungen aus der Vergangenheit dann mit den Erkenntnissen der aktuellen Recherchen gefüllt werden. So werden beide Teile der Handlung zu einem nahtlosen, großen Ganzen.
In „Natchez Burning“ arbeitet Greg Iles mit vielen Elementen, die Bücher eigentlich unheimlich anstrengend machen könnten: häufig wechselnde Erzählperspektiven, Szenen, die mitten im Cliffhanger enden, eine große Besetzung an Protagonisten und Nebenfiguren. Was sonst schnell zu viel wird, ist hier einfach perfekt zusammengefügt und so spannend umgesetzt, dass die gut tausend Seiten wie im Flug vergehen. Jeder Charakter wird ausreichend detailliert aber nicht zu ausufernd vorgestellt, die jeweilige Erzählperspektive ist klar zu erkennen und es kommt trotz ständigen Wechseln nie zur Verwirrung. Perfekt!
Selten ist es mir in einem Buch so gut gelungen die verschiedenen Haupt- und Nebenfiguren so gut ihren jeweiligen Erzählsträngen zuzuordnen und ihre Charakteristiken nicht zu vertauschen. Zwar wirken einige Figuren ein wenig einseitig beschrieben, ganz selten sind Handlungen nicht (auf den ersten Blick) nachvollziehbar, aber die Entwicklung innerhalb des Buches ist genial.

Alles im Buch dreht sich um die Frage, wie weit wir einen Menschen wirklich kennen können. Woher können wir wissen, welche Schuld unsere Nächsten mit sich herumtragen? Diese Frage wird immer wieder thematisiert und führt zu vielen verschiedenen, zum Teil verwirrenden, Hypothesen über die Geschehnisse. Leider werden nicht alle diese Hypothesen am Ende schlüssig aufgelöst und in Einklang gebracht. Mein anfänglicher Frust darüber hat sich aber gelegt, als ich erfahren habe, dass „Natchez Burning“ lediglich der Auftakt für eine Trilogie ist. Ich hoffe die fehlenden losen Enden werden dann noch schlüssig verbunden.

Unterm Strich ist „Natchez Burning“ nahezu perfekt, verbindet korrekte historische Details und Beobachtungen zu sozialen Strukturen mit unglaublicher Spannung. Eigentlich würde ich für das Ende noch eine Ratte abziehen, bleibe jetzt aber mutig bei 5 von 5 Leseratten, in der Hoffnung, dass die Nachfolger dieses Buch würdig ergänzen.

Das Buch in einem Tweet: ich habe garantiert noch dutzende tolle Aspekte an „Natchez Burning“ vergessen, jetzt liegt alle Hoffnung im Nachfolger! Warten ist angesagt.

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1 Comment

  • Reply Rezension: Die Toten von Natchez von Greg Iles – The Read Pack November 24, 2016 at 5:36 pm

    […] letzten Jahr habe ich “Natchez Burning” trotz seiner über Tausend Seiten geradezu verschlungen und hungrig auf den nächsten Band der […]

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