Erzählung, Fiktion

Rezension: Picknick auf dem Eis von Andrej Kurkow

„Nicht schon wieder Montag!“ oder „Nicht immer so früh aufstehen!“ hat wohl jeder schon gedacht und dabei vor sich hin geschimpft, statt den Tag einfach zu genießen. Irgendwie finde ich das schade und hab‘ mir aus der Romantherapie ein Buch gegens Nörgeln ausgesucht. Geholfen hat „Picknick auf dem Eis“ nicht wirklich, da hilft wohl tatsächlich nur positives Denken… 😉

kurkow-picknick-auf-dem-eis„Picknick auf dem Eis“ von Andrej Kurkow
Diogenes Verlag
288 Seiten
10,90 € (Taschenbuch)

Viktor ist ein erfolgloser Autor und lebt zusammen mit seinem depressiven Pinguin Micha ziemlich zurückgezogen. Erst als der Verleger der Kiewer Zeitung Viktor eine Arbeit anbietet, kommt Bewegung in sein Leben. Von nun an verfasst Viktor Nachrufe, das Besondere: die Hauptdarsteller seiner „Kreuzchen“ sind noch quicklebendig. Das ist zu Beginn noch immer ziemlich deprimierend, denn die Leute sterben einfach nicht, wieder werden Viktors Texte nicht gedruckt! Als dann aber plötzlich viele seiner „Stars“ nacheinander ums Leben kommen, wird Viktor Angst und Bange… scheint nun tatsächlich die Mafia ihre Finger im Spiel zu haben.
Trotz des morbiden Themas und des depressiven Pinguins ist „Picknick auf dem Eis“ kein typisch schwermütiges Stück russischer Literatur. Zwar kann man Viktor und Micha einen gewissen Hang zum Trübsinn nicht absprechen, aber ihre Geschichte ist doch eine ziemlich komische: der Autor, den weder Misserfolg noch Erfolg so richtig glücklich machen kann, der aber auch kein Händchen für die Liebe hat, muss man einfach mögen. Im Verlauf der Geschichte lernt Viktor eine ganze Reihe skurriler Typen kennen, kommt mir nichts, dir nichts zu Frau und Kind und bleibt doch immer unzufrieden. Das heißt nicht, dass es nicht immer wieder herrlich komische Abschnitte in der Handlung gibt, aber wir beobachten eher einen Pechvogel, als einen Glückspilz.
So amüsant das Setting ist, so unaufgeregt liest sich die Geschichte. Leider ist die Handlung manchmal ein wenig zu ziellos. Die Entwicklungen machten mich als Leser genauso ratlos, wie den armen Viktor. So fehlt es für mich der Geschichte einfach an dem gewissen Extra, etwas mehr an Spannung oder Entwicklung.
„Picknick auf dem Eis“ ist eine schöne Geschichte für Zwischendurch, mehr aber auch nicht. Heimlicher Star der Geschichte ist der depressive Micha, er bleibt einfach im Kopf.

Das Buch in einem Tweet: Ein depressiver Pinguin, ein erfolgloser Autor und die russische Mafia. Die Zutaten stimmen, allein die Spannung fehlt ein wenig.

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