Erzählung, Fiktion

Rezension: Greenwash, Inc. von Karl Wolfgang Flender

Ich habe „Greenwash, Inc.“ schon beim Blick in die Herbstvorschau des Dumont Verlags entdeckt und vorgestellt. Umso mehr habe ich mich gefreut, als mich dieses Buch vor Kurzem als Leseempfehlung überraschend vom Verlag erreichte. „Greenwash, Inc.“ ist nun auch das erste Buch, welches Susi und mich gleichermaßen interessiert, wir beide möchten es lesen und unsere Eindrücke dazu mit euch teilen. Heute starte ich, aus der Sicht des „Normalo“, Susi wird später über ihre Eindrücke aus der Sicht des „Öko“ berichten. Los geht’s!

„Greenwash, Inc.“ von Karl Wolfgang Flender
Dumont Verlag
400 Seiten
19,99 € (Hardcover)

Thomas Hessel scheint die Karikatur des gewissenlosen PR-Menschen zu sein: ständig benebelt von Tranquilizern und Alkohol jettet er um die Welt, um mal hier einen brasilianischen Hersteller von Genmais, da eine indische Wäscherei in grünes (das heißt gutes) Licht zu rücken. Umwelt, Menschen oder „Nachhaltigkeit“ sind im dabei herzlich egal. Nachhaltigkeit ist ein Geschäft, eine Eigenschaft die der Kunde aktuell verlangt und sie wird daher genauso genutzt, wie alle übrigen Werbeversprechen. Dass Thomas im Kampf um immer bessere Werbeeffekte auch sich selbst und die Menschen um ihn herum mehr und mehr zerstört, merkt er kaum.

„Greenwash, Inc.“ behandelt eigentlich Themen, die für ein Sachbuch ganz klassisch wären: die Masche der PR-Unternehmen im Kampf für ein grünes Image ihrer Kunden und das gute Gewissen der Konsumenten. Dieses Thema wird aber derart zynisch, überspitzt und zum Teil bösartig dargestellt, dass es einfach einen viel größeren Sog und stärkere Emotionen weckt, als es ein Sachbuch je könnte.
Dabei lässt sich dieses Buch meiner Ansicht nach für jede Weltanschauung passend interpretieren, die Öko-Kritiker werden sich in den abschätzigen und enthüllenden Aussagen des Hauptcharakters wiederfinden. Aber auch Bio-Verfechter werden bestätigt: böse Unternehmen verleihen sich eine positive Aura, mit „echtem Bio“ hat das ja nichts zu tun. Oder?
Genau zwischen diesen Polen bin auch ich immer wieder hin und her geschwankt, wurde vom Buch zum Nachdenken angeregt und habe zwischen aller Unterhaltung mich und meine Konsumentscheidungen durchdacht.
„Greenwash, Inc.“ bietet eine eigentlich unspektakuläre aber doch mitreißende Geschichte, die durch die eben genannten Konflikte und einen unfreiwilligen, bösen Humor fesselt. Alles ist ein wenig überzeichnet und eigentlich eine Portion zu viel: die Charaktere sind gewollt unsympathisch, die Darstellung der PR-Branche klischeehaft und alles wirkt künstlich. Zwischen diesen Plattitüden scheinen aber immer wieder tolle Erkenntnisse und Kommentare zum dominierenden Hauptthema durch, die dann natürlich mit noch größerer Wucht beim Leser ankommen.
Ich bin hin und her gerissen, frage mich ob ich das Buch nun „richtig“ verstanden habe und ob es da ein „richtig“ eigentlich gibt? Die tolle Verwebung von Stil und Inhalt hat mich überzeugt und die Geschichte regt zum Diskutieren und Nachdenken an, wirklich gelungen!

Das Buch in einem Tweet: „Greenwash, Inc.“ regt mit einer zynischen und böse humorvollen Geschichte zum Nachdenken und Diskutieren an, ob da alles nur Klischee ist?

Previous Post Next Post

1 Comment

  • Reply Petzi November 9, 2015 at 12:54 am

    Ich bin froh, dass ich diese Rezension jetzt gerade entdeckt habe. Ich laufe ja auch schon seit den Vorschauen um dieses Buch rum und habe bereits unterschiedliche Stimmen dazu gehört. Wenn es dir aber gefällt, dann gefällt es wahrscheinlich auch mehr. Unser Geschmack ist ja glücklicherweise sehr ähnlich. 🙂

    Danke für die Rezension.

    Liebe Grüße
    Petzi

  • Leave a Reply

    %d Bloggern gefällt das: