Erzählung, Fiktion

Rezension: Elf Tage in Berlin von Hakan Nesser

Jetzt ist es offiziell: Hakan Nesser kann nicht nur Krimi, er kann auch Romane. Hakan Nesser ist einfach ein klasse Autor!
Eigentlich war das schon abzusehen, also dass Hakan Nesser auch wunderbar Romane schreiben kann. Denn für einen Krimiautor hat er sich schon immer äußerst intensiv mit seinen Figuren und ihren Situationen beschäftigt. So lesen sich auch Krimis wie „Das zweite Leben des Herrn Roos“ eher wie Romane, sind ungewöhnlich aufgebaut und psychologisch interessant.

Elf_Tage_Berlin„Elf Tage in Berlin“ von Hakan Nesser
Btb Verlag
384 Seiten
18,00 € (Hardcover)

Wie ein defekter Computer fühlt sich Arne Murberg, der nach einem Kopfsprung ins flache Wasser in seiner Kindheit sprichwörtlich „auf den Kopf gefallen“ ist. Er hat Probleme sich zu konzentrieren und kompliziertere Aufgaben zu erfüllen. So eine komplizierte Aufgabe erhält Arne dann aber ausgerechnet am Sterbebett seines Vaters: er soll nach Berlin fahren, seine abgehauene Mutter finden und ihr ein mysteriöses Kästchen übergeben. Ganz allein macht Arne sich auf den Weg und schlägt sich wunderbar in dieser aufregenden Situation.

Schon häufiger hat Hakan Nesser über liebenswerte Eigenbrötler und Außenseiter geschrieben, mit Arne Murberg hat er aber einen seiner schönsten Charaktere erdacht. Arne muss man einfach mögen und wie der „einfach gestrickte“ junge Mann im Verlauf der Geschichte über sich hinauswächst, ist toll zu lesen. Wie das Buch dabei außerdem sprachlich zum Protagonisten passt, ist einfach gelungen. Seine einfachen Sätze und Erkenntnisse sind in eine wunderbar bildhafte, liebevolle Sprache verpackt.
Aus Arnes Sicht wird so die Reise nach Berlin (streng unterteilt in die elf Tage als Kapitel) geschildert. Seine Gedanken und Herausforderungen, Enttäuschungen und Freuden halten das Buch auch ohne wuchtigen Spannungsbogen durchgehend unterhaltsam. Zwar isst Arne überproportional oft (vier Currywürste, einiges an Hausmannskost und diverse Biere), aber

„[…] vielleicht war es ja wirklich so einfach. Man konnte nicht gleichzeitig hungrig und glücklich sein. Und genauso wenig satt und unglücklich.“

Und so versprüht Arnes Reise trotz, in anderem Kontext sicher ein wenig ermüdender, zahlreicher kulinarischer Ausflüge einfach Glück und Freude.
Das liegt auch an der tollen Konstruktion der Geschichte. Irgendwie geht bei Arne trotz manchem Problem doch immer alles gut und er trifft ungewöhnliche und meist sympathische Menschen.
In Arnes Erlebnisse mischen sich außerdem noch zwei Nebenhandlungen, die der Geschichte fast einen Märchenhaften Anhauch verleihen. Das muss man mögen, ich persönlich fand es durchweg gelungen.

So ist “Elf Tage in Berlin” ein absolutes Wohlfühlbuch, spannend geschrieben und emotional mitreißend ohne kitschig zu sein. Ohne Zweifel 5 von 5 Leseratten und die absolute Leseempfehlung!

P.S. Wenn ihr noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, dann ist “Elf Tage in Berlin” sowohl für Leseratten als auch Gelegenheitsleser eine gute Wahl.

Das Buch in einem Tweet: „Elf Tage in Berlin“ hat mich verzaubert und getröstet. Ein Buch, das mit einfachem Charme und Herzlichkeit zu überzeugen weiß.

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