Humor, Lebensart, Ratgeber

Rezension: Einen Scheiß muss ich von Tommy Jaud

Ich persönlich habe ja aufgehört mir gute Vorsätze fürs neue Jahr zu machen (dieser Post kommt stilecht und tatsächlich weil er noch nicht fertiggestellt war einen Tag zu spät!). Spätestens im Februar sind gute Vorsätze meist sowieso verpufft und echte Änderungen, echte Vorhaben können genauso gut mitten im Jahr starten.
Noch einen (ach was sag ich… unzählige) Gründe gegen gute Vorsätze liefert „Einen Scheiß muss ich“ von Tommy Jaud. Das Buch sagt warum Sport nichts bringt, Ziele unglücklich machen und Unordnung nicht Quell allen Übels ist.

Achtung: dieses Buch ist nichts für Menschen, die sich oder ihren Lebensentwurf allzu ernst nehmen. Ich für meinen Teil glaube, dass auch das Buch nicht zu ernst genommen werden soll und darf! Es ist kein ernst gemeinter Ratgeber fürs Leben, sondern ein Augenzwinkernder „ich muss nicht!“ Mutmacher.

Scheiss_muss_ich„Einen Scheiß muss ich“ von Tommy Jaud
Fischer Verlage
320 Seiten
16,99 € (Klappenbroschur)

Tommy Jaud (in der Verkörperung von Sean Brummel) erklärt in „Einen Scheiß muss ich“ warum man eigentlich viele Argumente gegen die gängigen Konventionen, guten Vorsätze und Vorhaben unserer Gesellschaft auftreiben kann. Er beschreibt warum man weder Sport treiben noch sich gesund ernähren muss, man weder Kinder noch Karriere braucht und generell eigentlich eben „einen Scheiß muss“.
Das ganze wird in einem recht einfachen und beinahe plumpen, aber durchaus  humorigen Stil verpackt. Es bringt einfache Merksätze „Wer keine Ziele hat, kann auch nicht scheitern!“ und so manches Kopfschütteln zustande. Trotzdem habe ich das Buch sehr gern gelesen, denn da kommt noch ein „aber“!
Für mich war „Einen Scheiß muss ich“ unterhaltsame und aufheiternde „Zwischendurch“-Lektüre und hat seinen Sinn darin voll erfüllt. Die Erlebnisse und Beschreibungen des treu-doofen Sean Brummel haben mich gut unterhalten und manche Schlussfolgerung mich schwer nicken lassen (fernsehen statt Sport…). Natürlich ist viel schwarzhumoriges dabei, das man bitte nicht ernst nehmen soll (z.B. die niedlichen Tiere die durch Vegetarier umkommen vs. die hässlichen Kreaturen, welche wir Fleischfresser wegfuttern) aber was mich immer wieder auch zum Lachen oder zumindest Grinsen gebracht hat.
Denn da werden auch einfach viele gängige (gute und schlechte!) Argumente in bestimmten Diskussionen aufs Korn genommen. Das kann am Ende keine Anleitung zum Leben sein, soll aber Mut machen auch mal zu sagen „ich muss nicht“, sich selbst Druck und schlechtes Gewissen zu nehmen. Und diesen Punkt finde ich tatsächlich großartig. Mal kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man lieber allein zu Hause lesen möchte, statt soziale Kontakte zu pflegen. Kein schlechtes Gewissen zu haben weil man doch die Karriere noch antreiben müsste, sich aber im aktuellen Job eigentlich pudelwohl fühlt.
Was man „muss“ und was nicht, sollte man für sich selbst entscheiden und sich nicht durch gesellschaftliches „das macht man so“ dazu gedrängt fühlen. Am Ende hat man sonst Haus, Hund und Jägerzaun und möchte vielleicht doch lieber um die Welt reisen.

Ich wünsche euch allen ein glückliches, gesundes und nach euren Maßstäben erfolgreiches neues Jahr! Erfüllt eure Ziele und lasst euch nicht in fremde Zielvorstellungen drängen. Denn…
„Einen Scheiß müsst ihr!“

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