Drama, Fiktion, Jugendbuch

Rezension: Wunder von Raquel J. Palacio

Ich habe dieses Buch völlig unterschätzt. Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, was ich vor der Lektüre erwartete, in jedem Fall: „Wunder“ hat es weit übertroffen.  „Wunder“ erzählt eine Geschichte, die zwar grausam und aber irgendwie auch zu schön ist, um wahr zu sein.

Wunder„Wunder“ von Raquel J. Palacio
dtv Verlag
440 Seiten
9,95 € (Taschenbuch)

August ist zehn Jahre alt, auf Grund eines seltenen Gendefekts ist sein Gesicht schwer deformiert. In seinem kurzen Leben hat der Junge deshalb schon viele Operationen über sich ergehen lassen müssen und konnte nie eine Schule besuchen. Dadurch hat er kaum Freunde. Nun, da August gesundheitlich stabil ist, soll er zum ersten Mal im Leben eine Schule besuchen, andere Kinder kennen lernen und Freunde finden. Wenn das doch alles nur so einfach wäre!

Eigentlich dreht sich „Wunder“ primär um August. Uneigentlich (ich als Blogger darf das sagen, haha!)  geht es aber auch um all die tollen (aber zum Teil auch furchtbaren) Menschen in Augusts Umgebung. Aus immer wechselnden Perspektiven erfahren wir Augusts‘ Geschichte, jede Person hat dabei einen anderen Blickwinkel auf ihn und das Geschehen. Es ist spannend zu erfahren, wie das „entstellte Gesicht“ neben seiner Persönlichkeit immer deutlicher in den Hintergrund gedrängt wird. Denn August wird nicht als tragisches Schicksal, sondern als sensibler, schlagfertiger und witziger Junge portraitiert. Ein Mensch mit dem man befreundet sein möchte.
Zwar unterscheiden sich die verschiedenen Abschnitte der Personen sprachlich nicht allzu deutlich voneinander, ihre Persönlichkeiten und Sichtweisen, Probleme und Freuden jedoch sind toll ausgearbeitet und individuell.

Und trotzdem steckt dieses Buch voll Kummer. Ich habe ein extremes Problem mit Mobbing und Ausgrenzung, die beschriebenen alltäglichen Grausamkeiten konnte ich daher stellenweise kaum ertragen. Diese Passagen zeigen eine der schlechtesten Seiten des Menschen, der alles „andere“ und „unbekannte“ so oft meidet und ablehnt (So auch in anderem Kontext immer wieder traurig zu beobachten.) Gerade für ein Jugendbuch halte ich es aber für wertvoll und wichtig, dies zu thematisieren. Das Buch macht dafür eine tolle Sache mit dem Leser (zumindest mit mir): Stück für Stück wird uns ein Charakter vorgestellt, den man mag und mit dem man mitfühlt. Durchlebt dieser Charakter schließlich die unterschiedlichsten Konflikte, leidet man selbst einfach mit.
So wurde es mir schließlich schlicht und ergreifend egal, dass die Entwicklung im Roman stellenweise zu gut und schön erscheint. Ich wünschte es August.

Da es sich um ein Jugendbuch handelt, ist das Buch sprachlich recht unkompliziert und locker gehalten. Bei mir kam trotzdem keine Langeweile auf. Das lag zum einen an den schon beschriebenen wechselnden Perspektiven und der bewegenden Geschichte, zum anderen an den vielen kurzen Kapiteln. So entsteht in der Geschichte ganz schnell der „nur noch ein Kapitel“-Sog. Weglegen nahezu unmöglich.

Unterm Strich gibt es von mir 5 von 5 Leseratten.

Das Buch in einem Tweet: Längst kein Geheimtipp mehr, aber wer „Wunder“ noch nicht gelesen hat, sollte dies dringend nachholen!

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2 Comments

  • Reply Jess Februar 21, 2016 at 10:56 pm

    Ich gebe zu, ich habe die Rezension nicht gelesen, nur das Fazit – aber nur, weil ich das Buch noch nicht kenne. Und hiermit verspreche ich hoch und heilig, dass ich es mir unbedingt mal demnächst vornehme. Habe es ja ganz kläglich auf dem SuB vernachlässigt… dort liegt es bereits seit einem Jahr…

    Liebste Grüße!
    Jess

  • Reply Neu im Regal: Februar im #jdtb16 Februar 27, 2016 at 4:23 pm

    […] und bewegenden Geschichte belohnt, die mir viel über Mitgefühl und Freundschaft lehrte. Hier gibt es meine Rezension dazu.Von T.C. Boyle wollte ich schon länger mal etwas lesen, mit “Als ich heute morgen aufwachte, war […]

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