Erzählung, Fiktion

Rezension: Die Erbschaft von Nicholas Shakespeare

Die Vielfältigkeit dieses Autors ist wirklich unglaublich. In “Priscilla. Von Liebe und Überleben in stürmischen Zeiten” erzählt Nicholas Shakespeare eine gefühlvolle Biografie. Sein neuer Titel “Broken Hill” spinnt anhand einer historischen Begebenheit aus dem ersten Weltkrieg eine Metapher über Terrorismus.
“Die Erbschaft” hingegen ist eine moderne Erzählung, ein Roman über Reichtum und die Flucht vor den eigenen Wurzeln. Eine Geschichte, die den altbekannten Spruch “Geld verdirbt den Charakter” aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet und zwei spannende Lebensgeschichten erzählt. Da ist Andy Larkham, Träumer und Verleger, der finanziell nur gerade eben über die Runden kommt. Durch einen großen Zufall erbt Andy eines Tages das Vermögen von M. Madigan, einem Selfmade-Millionär und gegen Ende seines Lebens sehr einsamen Mannes. Von den Möglichkeiten der Erbschaft schier erschlagen, folgen wir Andy auf seiner Reise durch Belanglosigkeiten und der Suche nach dem, was seinem Leben wirklich Bedeutung gibt. Seinem Gönner verpflichtet, macht sich Andy jedoch auch auf die Spuren des Lebens von Madigan, erfährt seine tragische Geschichte und möchte ihn postum mit der einzigen Tochter versöhnen.
Beide Erzählstränge sind tief verwoben und gleichermaßen spannend aber auch bewegend. Der Kniff, eine Geschichte einzig um eine Person kreisen zu lassen, dabei aber gleichzeitig zwei Lebensgeschichten zu erzählen, hat mich wirklich begeistert. Mit jeder Seite der Handlung versinken wir mehr in Andys Entwicklung und tauchen gleichzeitig in Madigans bewegtes Leben ab.

Dabei werden vielfältige Themen verwoben. Die Geschichte dreht sich um die Verfolgung der Armenier durch die Türken, um Eisenerzabbau in Australien und den Mechanismus von Dankbarkeit. Mich persönlich haben sowohl die historischen als auch die zwischenmenschlichen Themen gleichermaßen zum Nachdenken angeregt und dieser Geschichte eine ganz besondere Stimmung gegeben. Anders als in seinen bisherigen Werken lässt Shakespeare mehr Fiktion, Verwicklungen und Drama in seine Geschichte einfließen. Die Handlung und Figuren fühlen sich dabei jedoch genauso “echt” an, wie in seinen Beschreibungen authentischer Ereignisse.

Gut, vielleicht bin ich ein wenig voreingenommen, beeindruckt und von Themen sowie Stil dieses Autors schwer begeistert. Trotzdem glaube ich, dass “Die Erbschaft” ein wirklicher Gewinn für jeden Leser ist. Ein unterhaltsames Buch, ein spannendes und gefühlvolles Buch über den materiellen und emotionalen Reichtum in unserem Leben. 

Das Buch in einem Tweet:

 

“Die Erbschaft” von Nicholas Shakespeare, übersetzt von Hans M. Herzog, erschienen im Rowohlt Verlag, 448 Seiten, 9,99 € (Taschenbuch)

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