Film

Filmfreitag: Birdman

Birdman hat alles, was mir an einem Film gefallen könnte: einen abgehalfterten Superhelden, eine Geschichte zwischen Wahn und Wirklichkeit und dieses gewisse, düstere Etwas. Trotzdem hat mich Birdman auf eine harte Probe gestellt. Seine 119 Minuten kamen mir sehr, seeehr lang vor, die Dialoge sind recht ziellos und er hat die für mich furchtbarste Filmmusik, die ich seit langem gehört habe.
Zur Musik zuerst, es tut mir leid. Der Film wird (beinahe) durchgehend von einem Solo-Schlagzeug begleitet, das seine unglaublich nervtötenden, jazzigen aber gleichzeitig irgendwie an Ausdruckstanz erinnernden Jams spielt.

Der Film dreht sich um einen Schauspieler, der sich nach drei sehr erfolgreichen Superheldenfilmen weigert, diese Rolle wieder zu spielen. Stattdessen versucht er verzweifelt sein Lieblingsbuch als Broadwaystück auf die Bühne zu bringen. Er kämpft dabei gegen seinen eigenen künstlerischen Anspruch, schlechte Zweitbesetzungen und Halluzinationen seines Alter Ego (Birdman!) der ihn nörgelnd verfolgt.

Ein Thema des Films ist Kunst und Kritik. Wie können Kritiker das Werk eines Künstlers beurteilen? Sind sie, die so völlig risikolos eine Beurteilung verfassen, berechtigt die Arbeit eines Künstlers damit vor dem Publikum zu verdammen? Und überhaupt: was ist Kunst, wie wird (vor allem Schauspielerei) stark und mitreißend? Wie echt muss Kunst sein?
Spannende Themen, die in den Dialogen zum Teil interessant betrachtet werden, aber auch durch einige (vorhersehbare) Wendungen der Geschichte immer wieder in Frage gestellt werden. Dieser Aspekt des Films hat mich fasziniert und wirklich spannende Fragen aufgeworfen.
Leider sind im Film die zähen und ziellosen Dialoge in der Überzahl. Ein bisschen Vaterkomplex hier, ein wenig Selbstzweifel und Midlife-Crisis da. Das kann auch nicht die wunderbare Emma Stone retten. Ihre Rolle im Film ist im Gegenteil ziemlich unnötig und losgelöst vom restlichen Kontext.

Dagegen geht das zweite Hauptthema des Films beinahe unter. Die Geschichte bewegt sich zwischen Wahn und Wirklichkeit, die Grenzen dessen werden aber nie offen thematisiert. Unser Schauspieler wird von seinem Alter Ego verfolgt (wirklich zu sehen, ist Birdman allerdings nur in einer Szene, in den übrigen hört man nur seine Stimme) und hat scheinbar telekinetische Kräfte. Okay. Ist halt so, etwas draus gemacht wird leider nicht. Er könnte auch mit seiner Katze sprechen, die Differenzen zwischen seiner Wahrnehmung und dem Rest der Welt, spielen keine Rolle.

So hat mich “Birdman” zwei Stunden lang hin und her geworfen. Ein Film den man sich angesehen haben kann, aber nicht muss. Zu viel scheint künstlerisches Experiment am Film zu sein. Ewig lange Kamerafahrten, die ohne einen Schnitt unterbrochen, ganze Szenen abwickeln, sind schön anzusehen, bringen für Dramatik oder Atmosphäre aber keinen großen Gewinn.
Auch das “abgetakelter Superhelden” Image des Films, die Überlegung was nach den großen Kassenschlagern mit den Künstlern passiert, wurde für meinen Geschmack nicht weit genug gebracht. Unterm Strich mittelmäßige 3 von 5 Kinoratten, für gute Ideen und langatmige Umsetzung.

3Kinoratten

Der Film in einem Tweet:

“Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit”, 20th Century Fox Home Entertainment, Filminfo

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