Erzählung, Fiktion

Rezension: Der Himmel über uns von Favel Parrett

Puh. Wo soll ich anfangen? Über dieses Buch zu Schreiben ist wirklich nicht ganz einfach. Einerseits möchte ich ihm nicht Unrecht tun, andererseits ist das mit uns einfach nichts geworden. Ich habe mir Zeit genommen und seine schönen Seiten zu genießen versucht, leider blieb es bei überwiegend arktischer Kälte.

Ein rot-weißer Frachter, die Nella Dan, und seine Sogwirkung auf ein kleines Mädchen stehen im Zentrum der Geschichte. Sobald Isla das Schiff zum ersten Mal erblickt, drehen sich all ihre Träume um seine spannenden Reisen, vor allem die Arktis scheint ihr magisch. In den kurzen Kapiteln des Buches verfolgen wir abwechselnd die Reise des Schiffes Nella Dan in die Arktis und die Träume eines kleinen Mädchens, die ihm folgen.

Kapitel wie Kurzgeschichten, kleine geschriebene Bilder und Szenen, herausgenommen und im Detail betrachtet. Leider ist es scheinbar die immer gleiche Kurzgeschichte, die da erzählt wird. Eine für meinen Geschmack irritierende Mischung: für einen Roman wirken die Kapitel zu lose zusammengestellt, hängen zu frei und ohne gemeinsame Entwicklung im Raum. Für eine Kurzgeschichtensammlung stehen sich die Texte aber zu nah. Natürlich, sind es doch immer weitere Szenen mit den gleichen Figuren und Themen. Ich glaube, das kann man leicht mögen. Bei mir hat dieser Aufbau aber ein recht befremdliches Gefühl hinterlassen. Ich war nur Gast, konnte nie wirklich in die Geschichte eintauchen.

Auch die seltsam namenlose Protagonistin hat mich verwirrt. Auf dem Klappentext und irgendwo im Buch (ich würde schwören es war genau ein Mal) bekommt sie einen Namen: Isla. Sonst bleibt das Mädchen namenlos, seltsam formlos. Eigentlich sind namenlose Protagonisten als “Platzhalter” in einer Geschichte spannend. Hier so ein seltsamer Mittelweg. Eine Verbindung zu ihr entstand bei mir nie.

Warum ich das Buch trotzdem nicht abgebrochen habe? Es ist sprachlich fein und seltsam schön. Kurze, klare Sätze und lange, schachtelige Sätze reihen sich aneinander. Immer durchsetzt von den wenigen Details die es braucht, um dem Bild die richtige Wärme (oder arktische Kälte) zu verleihen.
Außerdem durchbrechen stellenweise kleine Nebenhandlungen wie Perlen die Handlung. Dann geht es um Heimat, Fernweh oder Kummer. Davon habe ich mir mehr erhofft.

Für mich ist “Der Himmel über uns” keine wirkliche Empfehlung. Ein Buch, dessen Lektüre ich nicht bereue aber der ich enttäuschend wenig abringen konnte. Für mich sind das nur eben 2 von 5 Leseratten, ein Buch das wohl eher für Liebhaber meditativer Geschichten und sprachlicher Bilder zu empfehlen ist.

“Der Himmel über uns” von Favel Parrett, übersetzt von Kathrin Razum, erschienen im Piper Verlag, 272 Seiten, 10,00 € (Taschenbuch)

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