2. Weltkrieg, Erzählung, Fiktion, Wahre Begebenheit

Rezension: Der Trick von Emanuel Bergmann

„Der Trick“ von Emanuel Bergmann ist im wahrsten Sinne des Wortes magische Lektüre: ein Buch, dass sich um die bezaubernde Freundschaft zwischen einem unsicheren Jungen und einem alternden Zauberer dreht. Zwei Lebenswege, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber genau im richtigen Zeitpunkt aufeinandertreffen.

Im Buch wechselt die Handlung stetig zwischen zwei Erzähl- beziehungsweise Zeitebenen. Da ist einmal die Handlung in der Gegenwart, der verzweifelte Versuch des Jungen Max einen Zauber für „ewigääh Liebäääh“ von seinem Idol Zabbatini zu erfahren. Max’ Eltern leben in Scheidung, dies scheint sein einziger Ausweg.
Parallel dazu verfolgen wir den Lebensweg des Zauberers Zabbatini zur Zeit des zweiten Weltkrieges;  seine Aufenthalte im KZ, den Kampf ums Überleben.

Ich muss gestehen, dass ich Anfangs die gegenwärtigen Abschnitte deutlich mehr genoss, als die Blicke in die Vergangenheit. Die Handlung in der Gegenwart ist humorvoll und mit genau der richtigen Spur Herz versehen, zu Beginn deutlich eingängiger als die Rückblicke.
Dabei sind es vor allem die Figuren des Romans, die einen wunderbar in die Geschichte führen und lang in Erinnerung bleiben. Der hoffnungsvolle und manchmal etwas leichtgläubige Max und der grantige und bisweilen etwas tattrige ältere Zauberer. Diese Kombination ist nicht ganz neu, packte mich aber in dieser Konstellation und vor dem Hintergrund einer doch eher schweren Thematik trotzdem ganz besonders.

Im Verlauf des Buches konnte ich darüber hinaus auch an den Abschnitten der Vergangenheit von Zabbatini immer mehr Gefallen finden. Ja, auch hier gibt es einige Abschnitte der „üblichen“ Weltkriegsthematik. Der Fokus aber, der auf das Überleben durch Einfallsreichtum und Herz gerichtet ist, war angenehm. Durch diese Teile des Buches wird auch auf den gegenwärtigen Zabbatini ein neues Licht geworfen. So vereinen sich schlussendlich alle Aspekte der Geschichte ganz wunderbar.

Gut gelungen ist auch der sprachliche Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die beiden Zeitebenen unterscheiden sich stilistisch ausreichend (aber nicht zu krass) und schaffen es so, den Leser genau in die jeweils richtige Stimmung zu versetzen.

Es klingt ziemlich abgedroschen zu sagen, dass das Buch sich um die Kraft der Liebe dreht, trotzdem stimmt es irgendwie. “Der Trick” erzählt eine Geschichte von Zauber und auch ein bisschen von Wünschen und Hoffnungen. Diese Aspekte stehen vor beziehungsweise neben der düsteren Weltkriegsthematik und nehmen ihr somit einen Teil der Schwere.

Insgesamt ist „Der Trick“ ein Buch, das ich extrem gern gelesen habe und das in Erinnerung bleibt, das ich aber durchaus ein zweites Mal lesen könnte da es so viele Facetten birgt. Ganz klar 5 von 5 Leseratten.

Das Buch in einem Tweet:

“Der Trick” von Emanuel Bergmann, erschienen im Diogenes Verlag, 400 Seiten, 22,00 € (Hardcover)

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1 Comment

  • Reply Meine Favoriten: der Lovelybooks Leserpreis 2016 – The Read Pack November 14, 2016 at 5:57 pm

    […] habe ich gewählt: “Der Trick” von Emanuel Bergmann und “Vom Ende der Einsamkeit” von Benedict Wells. […]

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