Drama, Fiktion

Rezension: Schnee im April von Aly Cha

Ob wir wollen oder nicht, manchmal gehen wir unbewusst den Weg unserer Vorfahren.
In einer verschneiten Nacht bringt Miho ihre kleine Tochter Yuki zu ihrer Mutter Asako, diese soll künftig für die Enkelin sorgen. Mit dieser Szene beginnt eine Geschichte voll Verlassen und Verlust aber auch viel Liebe.
Im Verlaufe des Buches verfolgen wir nämlich gleich vier Generationen der Familie. Von der tragischen Liebesgeschichte der Ur-Urgroßeltern bis hin zu Mihos und Yukis Schicksal begleitet uns das Buch über beinahe hundert Jahre.
Dabei ist auch die Geschichte der „Ahnen“ im späten 19. Jahrhundert kein trockener Historienschinken, sondern eine spannende Erzählung. Es finden sich dramatische sowie romantische Abschnitte und immer wieder Bezüge zur japanischen Kultur.
Außerdem werden immer wieder Aspekte thematisiert, die ein gemeinsames Schicksal der Familie zu bilden scheinen. Das Verlassen der Heimat oder der Verlust einer wichtigen Person sind Motive, die in ähnlicher Form mehrmals auftauchen. Dadurch entstehen Momente, in denen die jeweiligen Frauen der Familie auf die Probe gestellt werden. Jede muss für sich Stärke beweisen, jede tut dies auf andere Weise.

Mich haben diese verschiedenen Darstellungen von Liebe und Verlust immer wieder neu berührt. Die Geschichten der verschiedenen Generationen wirkten zum Teil wie einzelne Kurzgeschichten einer Reihe, ergeben ganz am Ende aber ein wunderbares Gesamtbild. Diese Konstruktion hat mir besonders gefallen. Da müssen die einzelnen Geschichten gar nicht laut und auffallend sein, zusammen ergeben sie trotzdem ein tolles Mosaik.

Für mich war zudem die eher ausschweifende Erzählweise in Kombination mit den Bezügen auf die eher stille und zurückhaltende japanische Kultur besonders. Kein „typisches“ Buch japanischer Autoren, aber doch irgendwie charakteristisch japanisch.

„Schnee im April“ ist poetisch ohne zu schwer zu sein, romantisch ohne zu viel Kitsch, unterhaltsam und nicht seicht. Angenehme Lektüre, mit Drama und genau dem richtigen Hauch Hoffnung. Für mich 5 von 5 weltreisenden Leseratten.

“Schnee im April” von Aly Cha, übersetzt von Ursula Gräfe, erschienen im Piper Verlag, 432 Seiten, 9,99 € (Taschenbuch), ISBN 978-3492301121

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2 Comments

  • Reply Martinas Buchwelten August 10, 2016 at 6:14 pm

    Noch ein Buch, das auf meinem SUB vor sich hin staubt…..warum gibt es nur immer wieder neue Bücher, die ich unbedingt lesen möchte? Aber toll, dass es dir so gut gefallen hat, denn dann greife ich doch eher schneller zu um es vom SuB zu befreien.
    LG Martina

  • Reply Literarische Weltreise: Reiseziele gesucht! – The Read Pack März 22, 2017 at 6:58 pm

    […] allem im Laufe des letzten Jahres an viele, auch mal exotischere, Schauplätze gewagt. Ich war in Japan, Indien, Kanada und sogar in der Arktis. Mit jedem besuchten Ziel hat es mich  mehr in den Fingern […]

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