Erzählung, Fiktion

Rezension: tschick von Wolfgang Herrndorf

Eigentlich ist “tschick” einer dieser modernen Klassiker, zu denen bereits alles gesagt ist. Wenn ihr das Buch bereits gelesen habt, könnt ihr also lässig weiterklicken und mich hier einfach schreiben lassen. Wenn ihr, etwa im Hinblick auf die aktuelle Verfilmung, das Buch lesen möchtet, interessiert euch vielleicht meine Meinung.

Ich  kann allerdings nicht aus meiner Haut und muss eines gleich vorab sagen: Bei “tschick” verstehe ich die allgegenwärtige Begeisterung nicht so recht. Natürlich gefällt mir das Motiv eines deutschen “Roadmovie” von zwei Jungs allein unterwegs. Es muss schließlich nicht immer Amerika sein. Ihre Reise “auf eigene Faust” spiegelt jugendliche Freiheit, aber auch ein bisschen (Wohlstands-)Verwahrlosung wider. Für Kontraste ist also auch gesorgt. Denn beide Charaktere, so unterschiedlich sie sein mögen, wirken auf sich gestellt und einsam. Diese zwei ziemlich armen Würstchen, die weit weg sind vom idealen, behüteten und integrierten Jugendlichen aber dann miteinander doch eine schöne Verbindung ergeben, haben mir gut gefallen. Das dann daraus ein Abenteuer entsteht, ist auch ganz nett. Aber mehr als “ganz nett” wurde es für mich leider nicht.

In der Geschichte verfolgt der Autor die Reise der beiden 14jährigen sehr direkt und lässt sie derb sprechen, quer denken und eigene Erfahrungen sammeln. Das ist ganz gut gelungen und wirkt alles in allem doch ziemlich “echt”. Im richtigen Alter gelesen, hätte es mir daher vermutlich wirklich gefallen und ich wäre wohl heil froh gewesen, so etwas in der Schule zu lesen (statt immer neuen Weltkriegsdramen).
Die Begeisterung der erwachsenen Leser, die Verblüffung über dieses Buch kann ich jetzt (aus meiner heutigen Sicht) aber leider wirklich nicht teilen. Dafür blieb alles zu sehr an der Oberfläche, das (erwachsene) “Wieso, Weshalb, Warum?” beziehungsweise der Blick hinter die Fassaden der Jugendlichen und ihre Situation fehlte mir und die Handlung wirkte ein wenig eintönig. Wobei das vermutlich zum Trip mit einem Lada durch die Provinz passt.

Ohne das Buch jetzt also inhaltlich oder sprachlich zu analysieren und seine Motive aufzuarbeiten, muss ich rein vom Gefühl her sagen: “tschick” war okay aber mehr nicht. Also 3 von 5 Leseratten, so ein Mittelding: mittelgut, mittelunterhaltsam…

“tschick” von Wolfgang Herrndorf, erschienen im Rowohlt Verlag, 253 Seiten, 9,99 € (Taschenbuch)

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1 Comment

  • Reply Juliana Oktober 14, 2016 at 8:39 pm

    Ich war vor wenigen Tagen erst im Film und fand ihn eigentlich ganz gut, unterhaltsam, aber muss sagen, dass ich jetzt nach deiner Rezi sicher bin, dass ich das Buch nicht mehr lesen muss. Kann mir nämlich gut vorstellen, dass ich es in geschriebener Form ähnlich empfinden würde.

    Viele Grüße
    Juliana

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