Erzählung, Fiktion

Rezension: Der Club von Takis Würger

Ihr habt den #indiebookday verpasst? Das ist nicht schlimm, denn schöne Indiebücher kann und soll man das ganze Jahr kaufen und lesen! Ein geeignetes Exemplar dafür ist “Der Club” von Takis Würger. Dieses Buch ist nämlich ein kleines Gesamtkunstwerk und wirklich lohnende Lektüre.

In “Der Club” dreht sich alles um die altehrwürdigen und teils geheimen Clubs an der englischen Universität Camebridge. Der junge Hans Stichler, der seine Eltern früh verlor und in eher einfachen Verhältnissen lebt, bekommt von seiner Tante Alexandra ein Stipendium an der Universität geboten. Als Gegenleistung soll er sich ganz in das Studentenleben einfinden und einem Verbrechen auf die Spur kommen. Hans wird Mitglied im berühmten (und berüchtigten) Pitt Club, erfolgreicher Boxer und verliebt sich Hals über Kopf. In seiner spannenden Zeit in Camebridge lernt er jedoch vor allem, dass Geld manchmal wirklich den Charakter verdirbt.

Obwohl die Geschichte des Buches wirklich interessant und in einer besonderen Kulisse angesiedelt ist, hat mich vor allem die Erzählweise des Buches begeistert. Die verschiedenen Kapitel werden aus den unterschiedlichsten Perspektiven erzählt (da sind Hans, seine Tante und einige andere Studenten), die sie auch wirklich widerspiegeln. Jede Figur hat eine eigene Stimme, Erzähl- und Denkweise. Ein Aspekt, der mir bei dieser Art des Erzählens besonders wichtig und hier besonders gut gelungen ist, denn nur so hat man das Gefühl wirklich verschiedene Charaktere zu verfolgen.

Interessant ist auch, dass alle Figuren ihre Geheimnisse und Schwierigkeiten jeweils nur Stück für Stück verraten oder sogar nie offen aussprechen, sondern lediglich andeuten. Die Abschnitte sind jeweils in der ich-Form erzählt und es ist passend, dass die Figuren sich selbst nicht “erklären” müssen, was sie bewegt. So kommt man sich als Leser weniger als Außenstehender vor, der durch ein Museum geführt wird, sondern als direkter Beobachter.

Ich war von “Der Club” sofort sehr angetan und überrascht. Manche Sätze trafen mich nämlich wie ein Boxschlag, so stark und krass stehen sie plötzlich da in einer eigentlich ruhigen Szene. Gekonnt gemacht und zuträglich für die Spannung in der Geschichte.

Mein einziger Wehrmutstropfen ist dann die doch recht vorhersehbare Auflösung aller Konflikte. Zwar begnügen sich alle Charaktere mit Andeutungen, die Entwicklungen sind schlussendlich aber irgendwie so klassisch, dass sie nicht wirklich überraschen. Dafür steht aber das “drumherum” auch mehr Vordergrund. Die Beschreibungen der elitären Clubs an der Universität, die Denkweise von Macht und Gewalt, werden interessant und authentisch dargestellt.

Für mich war “Der Club” eine gelungene Lektüre, handwerklich sehr gut gemacht und auch wirklich spannend, nur eben nicht ganz so überraschend und innovativ in seiner Entwicklung. Insgesamt 4,5 von 5 Leseratten.

,5

“Der Club” von Takis Würger, erschienen im Kein & Aber Verlag, 240 Seiten, 22,00 € (Hardcover)

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