2. Weltkrieg, Drama, Fiktion

Rezension: Schnee, der auf Zedern fällt von David Guterson

Mit dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 wurde das Verhältnis zwischen Japan und den Vereinigten Staaten von Amerika nachhaltig gestört. Aber nicht nur das Verhältnis der beiden Staaten wurde davon beeinflusst, dieser tragische Tag hatte auch ganz direkt Einfluss auf das Leben der Menschen zu dieser Zeit.

“Schnee, der auf Zedern fällt” ist ein sehr intensives Buch. Es erzählt eine eigentlich recht unspektakuläre Geschichte: ein Lachsfischer kommt allein auf dem Meer unter ungeklärten und irgendwie seltsamen Umständen ums Leben, die Indizien sind zunächst verwirrend, weisen aber schließlich auf einen anderen Fischer hin. Es kommt zum Prozess. Eigentlich ein ganz normaler Kriminalfall, wäre da nicht die Tatsache, dass der ermordete Fischer ein Amerikaner, der Beschuldigte ein Japaner ist. Eine Konstellation die alle Vorurteile und Konflikte vor dem Hintergrund des soeben beendeten Zweiten Weltkrieges in einem kleinen Örtchen ans Tageslicht bringt.

Der Roman ist wirklich fein und sehr intelligent konstruiert. Obwohl er fast ausschließlich im Gerichtssaal spielt, bringen Rückblenden und die verschiedenen Zeugenaussagen ein tolles Panorama des kleinen Ortes zu Tage. Der Roman dreht sich um Liebe und Rassismus, Vorurteile und das Schicksal. Obwohl alle Teilaspekte ganz eng miteinander in Verbindung stehen, hat man dennoch das Gefühl mehr als eine Geschichte zu lesen. Schicht für Schicht ergeben sich andere Dramen.

Mich hat besonders die Verbindung zwischen dem Geschehen im Gerichtssaal und dem im Buch tobenden, titelgebenden Schneesturm berührt. Durch den Schnee abgeschnitten ist die kleine Gemeinde ganz auf sich konzentriert, alles Äußere ist nebensächlich. Dadurch fokussiert sich die Handlung ganz auf die Konflikte zwischen den agierenden Figuren. Diese sind manchmal ganz offen und deutlich, wie im Fall des rätselhaften Mordes, aber auch mal tief verborgen und längst vergessen, wie im Fall einer verbotenen Liebe.
Diese Verwicklungen werden durch den ruhigen und fast zarten Erzählstil des Buches noch zusätzlich betont, bekommen eine besondere Wucht. Trotz der Härter einiger Schicksalsschläge schlängelt sich die Handlung sanft voran und wirkt dadurch um so eindringlicher. Der Autor lässt die Geschehnisse zwischen den Charakteren aber auch die Beobachtungen der Natur und Landschaft ganz detailliert vor meinem inneren Auge entstehen: voll von Farben, Geräuschen und auch Gerüchen.

Ich bin eher zufällig über dieses Buch gestolpert, obwohl der Titel mir schon längst bekannt war, und wurde von seiner Kraft förmlich überrollt. Ein moderner Klassiker, den ich sehr gern gelesen habe!

“Schnee, der auf Zedern fällt” von David Guterson, übersetzt von Christa Krüger, aktuell erhältlich bei dtv Verlag, 512 Seiten, 9,90 € (Taschenbuch)

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2 Comments

  • Reply Martinas Buchwelten Mai 28, 2017 at 6:59 pm

    Hallo!
    Ich habe das Buch schon vor einer Ewigkeit gelesen und auch den Film gesehen, der mit meinem Lieblingsschauspieler Ethan Hawke verfilmt wurde (so habe ich auch das Buch entdeckt). Habe gerade gegoogelt….1999 war das schon…du meine Güte!
    Liebe Grüße
    Martina

  • Reply Neu im Regal: Alles neu macht der Mai – The Read Pack Mai 31, 2017 at 6:01 pm

    […] der ungelesenen Bücher. Rechts der Stapel der gelesenen Bücher, auf dem übrigens glatt noch “Schnee, der auf Zedern fällt” fehlt. Es fehlt auf beinahe jedem Foto ein Buch, ich habe es […]

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