Erzählung, Fantasy, Fiktion

Rezension: Alpha & Omega. Apokalypse für Anfänger von Markus Orths

Im Prinzip ist „Alpha und Omega“ ein eindrucksvolles Beispiel für die Theorie vom abnehmenden Grenznutzen. Diese Theorie kommt aus der Wirtschaftswissenschaft und besagt, dass der Nutzen, den ein Subjekt aus dem Konsum eines bestimmten Gutes zieht, beständig kleiner wird. Für einen Durstigen ist das erste Glas Wasser zum Beispiel deutlich befriedigender als das zweite, dritte oder zehnte Glas. So in etwa erging es mir bei der Lektüre mit den vielen Skurrilitäten der Geschichte. Konnte ich mich zunächst für die vielen verrückten Ideen des Autors total begeistern, war ich irgendwann einfach nur noch froh, dass es vorbei war.

Vieles in „Alpha & Omega – Apokalypse für Anfänger“ ist übertrieben und überzeichnet, vermutlich soll es das auch sein. Mir wurde es mit der Zeit einfach zu viel. Ein Mädchen mit drei Gehirndritteln, welches die Welt retten könnte aber eigentlich lieber bei Germanys Next Topmodel gewinnen möchte, ein unsichtbarer Zeitreisender, ein schwuler Buddha, ein hohler Hund und der reichste Mann der Welt sind nur ein Teil des Ensembles, welches „Alpha & Omega“ beherrscht.

Und dann ist da auf einmal das riesige schwarze Loch in der Wüste von Nevada, welches die Welt zu verschlingen droht. Was macht das da und wie bekommt man es wieder weg?

Eigentlich sollte diese Geschichte rund um eine Beinahe-Apokalypse auch einen Blick auf die „absurden Auswüchse der heutigen Zeit“ bieten. In meinen Augen ist das nur zum Teil gelungen. Natürlich verwendet der Autor einige Bezüge zur Popkultur, wie eben das besagte Germanys Next Topmodel, die Nennung derlei Dinge allein macht ein Buch in meinen Augen aber nicht zur Betrachtung unserer Gegenwart.

Auch der zunächst herrlich erfrischende Humor und das Augenzwinkern der erzählenden Stimme, verliefen sich im Verlaufe des Buches im Sande. Sind es zu Beginn der Geschichte noch Ausflüge über die Weltsicht einiger Charaktere, gibt es später einfach nur immer größere Absurditäten. Dabei waren es gerade diese beinahe philosophischen Betrachtungen über „eine ganze Menge Scheiße“, die mich wirklich Schmunzeln ließen. Warum soll nicht auch im Witzigen ein bisschen Wahrheit stecken?

So ist „Alpha & Omega“ erst ganz viel und später nichts so richtig. Das hat bei mir nach erster Begeisterung für großen Frust gesorgt.

Denn wer genau soll das eigentlich lesen?

Für Leser, die echte Science Fiction oder Fantasy mögen, kann es schnell zu skurril und klamaukig werden. Für Leser, die verrückte Geschichten wie zum Beispiel „Willkommen in Night Vale“ mögen, kann es schnell zu ausufernd und platt werden. Nur Leser, die genau auf dem schmalen Grad zwischen diesen Richtungen stehen, werden sehr viel Spaß an diesem Buch haben.

Für mich persönlich ist es trotz anfänglicher Begeisterung einfach keine Leseempfehlung, zu viel Potenzial wurde verschenkt.

“Alpha & Omega. Apokalypse für Anfänger” von Markus Orths, erschienen im btb Verlag, 528 Seiten, 11,99 € (Taschenbuch)

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