2. Weltkrieg, Drama, Fiktion, Finger weg!, Wahre Begebenheit

Rezension: Das Trugbild von Kjell Westö

Ich habe lange bei keinem Buch mehr so viel Energie und Ehrgeiz benötigt, um es überhaupt zu beenden. Ich habe „Das Trugbild“ drei Mal begonnen, mit mir gehadert und es wochenlang liegen lassen. Am Schluss hätte mir die Handlung nicht egaler sein können, ich war nur froh, dass es vorbei war. Und natürlich brauche ich nicht zu erwähnen, dass am Ende leider doch kein großer Wow-Effekt auf mich wartete. Eigentlich hätte ich das Buch abbrechen müssen.

Zunächst hat mich das Setting dieses Romans aber absolut interessiert. Das Buch spielt in Helsinki zur Zeit des Dritten Reiches. Was passierte dort, während in Deutschland der Nationalsozialismus wütet? Wie sieht Europa die Gefahren durch Hitler?
Das Buch versprach politisch zu werden, spannend und vielleicht ein wenig romantisch.

Doch ich habe mich geirrt.

Die Handlung dreht sich um die Anwaltsgehilfin Matilda Wiik. Sie arbeitet in der Kanzlei des Anwalts Claes Thune, welcher regelmäßig seine einflussreichen Freunde zum Salon einlädt. Ausgerechnet in dieser feinen Herrenrunde begegnet Matilda Wiik einem Schatten ihrer Vergangenheit und gerät in eine komplizierte Beziehung.

Eigentlich hatte ich in Matilda eine Femme fatale erwartet oder gar eine Spionin. Was macht sie zum Zentrum dieser Geschichte?  Leider schafft es auch die erwähnte „problematische Beziehung“ zu einem der Freunde Thunes nicht, irgendeine Art von Spannungsbogen im Roman zu entwickeln. Das Geschehen dümpelt dahin und auch die Diskussionen des Salons bleiben eher oberflächlich. Ja, man erkennt eine Spaltung der Gesellschaft. Die Einen wünschen sich einen ebenso „starken Führer“ wie ihn die Deutschen in Hitler gefunden haben, die Anderen erkennen die drohende Gefahr. Das alles bleibt aber eher an der Oberfläche.

Statt interessanter politischer Themen oder einer romantischen Liebesgeschichte gibt es einen Sack voll mehr oder weniger dramatischer Nebenhandlungen, die ausschweifend erzählt werden, aber zur eigentlichen Handlung nur wenig beitragen.

Vielleicht lag es allein am Inhalt, aber auch erzählerisch konnte mich das Buch nicht packen. Es fehlte einfach die Stimmung und die Szenen blieben wie die Figuren  eher statisch, wenig belebt. Für mich blieb “Das Trugbild” daher weit hinter allen Erwartungen zurück.

“Das Trugbild” von Kjell Westö, übersetzt von Paul Berf, erschienen im btb Verlag, 410 Seiten, 10,99 € (Taschenbuch)

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1 Comment

  • Reply Jürgen Albers (@dr_juergen) November 1, 2017 at 8:30 pm

    Liebe Alex,
    vielen Dank für die Rezension. Es zeigt sich wieder einmal, dass ein gerade beliebtes Setting allein kein Erfolgsrezept ist. Der 2. Weltkrieg als Hintergrund hypt ja so ein klein wenig im Moment. Sehr schade, wenn Optionen verschenkt werden. Dabei ist der BTB Verlag doch ein guter, sorgfältiger Verlag?! Komisch…
    Liebe Grüße, Jürgen

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