Die Unbehausten – Wem das Dach auf den Kopf fällt
Der Grundgedanke von „Die Unbehausten“ ist tröstlich bedrückend. Kurz: du kannst im Leben alles “richtig” machen und trotzdem unglaublich viel Scheiß erleben. Es gibt einfach keine Garantie. Keine Möglichkeit sich mit Freundlichkeit, Güte, Neugier oder irgendeiner anderen tollen Eigenschaft genau so durchs Schicksal zu wurschteln, dass es dir immer positiv begegnet.
Auf zwei abwechselnden Zeitebenen lernen wir in Barbara Kingsolvers neuem Roman die Bewohner eines Hauses kennen, die dieses Prinzip perfekt repräsentieren. Sie geben sich Mühe, wirklich große Mühe und sind doch irgendwie Gefangene ihrer Umstände. Ein Haus das 1800-schlagmichtot schon genau so zerrüttet und zerfallen ist wie 150 Jahre später. Es knarzt und bröckelt an allen Enden und scheint seinen Bewohnern schon immer nur ganz knapp nicht auf den Kopf zu fallen. Und in diesen historisch baufälligen Mauern erleben sie ihre Dramen.
In der Gegenwart ist es Willa Knox, eine freie Journalistin, deren Familie mit heftigen Schicksalsschlägen, prekären Jobs und dem maroden amerikanischen Gesundheitssystem kämpft. Die Zeitebene in der Vergangenheit stellt uns den Lehrer Thatcher Greenwood und seine Nachbarin, die Botanikerin Mary Treat vor. Beide folgen unangepasst ihren Leidenschaften und sind in der damaligen Gesellschaft nicht gut aufgenommen.
Ich habe diesen Roman begeistert gelesen. Die historischen Verweise sind spannend, stellen reale Begebenheiten und Persönlichkeiten dar, die ich so vorher noch nicht kannte und das dramatische Setting hat mich vielleicht ein bisschen zuuu doll angesprochen ;). Aber irgendwie tut es immer wieder gut Figuren zu lesen, die nicht in einem simplen drei-Akt-Modell all ihre Probleme perfekt lösen können. Vieles fügt sich (wie im Leben) aber manche Dinge bleiben schwer, konfliktbeladen oder provisorisch.
Vielleicht geht’s nur mir so aber diese Mischung aus Schwere und Leichtigkeit, Begeisterung und Bedrückung hab ich bisher selten gelesen und wird mir noch lang im Gedächtnis bleiben.
„Die Unbehausten“ von Barbara Kingsolver, übersetzt von Dirk van Gunsteren, erschienen bei dtv Verlag, 624 Seiten.
Werbung: Wenn du mich unterstützen möchtest, kannst du das Buch (oder beliebige andere) über meine Partner genialokal, Hugendubel, Bücher.de kaufen.




+ There are no comments
Add yours