Finger weg!

Abgebrochen: Die alltägliche Physik des Unglücks von Marisha Pessl

Die alltägliche Physik des UnglücksIch kann es nicht fassen. Wirklich. Das ist einfach unglaublich.
Im Dezember habe ich „Die amerikanische Nacht“ verschlungen und konnte auch nach 800 Seiten nicht genug bekommen. Die Bilder der Geschichte jagen mir auch jetzt noch wohlige Schauer über den Rücken und die Handlung war derart authentisch, dass ich mich manchmal frage, ob sie nicht doch „echt“ ist. Voll Begeisterung habe ich mir also den Erstling der Autorin gekauft,  mich auf die tolle Erzählerin und eine hoffentlich wieder spannende Geschichte gefreut…

Und dann?

„Die alltägliche Physik des Unglücks“ beginnt schon nicht ganz so spannend und unvermittelt wie „Die amerikanische Nacht“. Die Geschichte wirkt wesentlich belangloser und gleichzeitig völlig überfrachtet. Zur Handlung selbst kann ich kaum etwas sagen, denn ganz ehrlich: viel passiert nicht. Wir lernen die Hauptprotagonisten (Blue und ihren Vater) kennen und erfahren, dass sie nach vielen Umzügen quer durch Amerika nun in einer neuen Stadt, an einem neuen College, ankommen wollen. In diesem neuen College trifft Blue auf eine Gruppe Studenten, die gemeinsam mit einer Lehrerin eine Art Clique bilden. Eine Clique, die sich selbst furchtbar cool und hipp findet und tolle, pseudo-intellektuelle Gespräche führt. Gähn. Alles ziemlich öde, bis auf einer Party der Lehrerin ein Gast „mysteriös“ ums Leben kommt. Laut Beschreibung des Buches überschlagen sich ab diesem Moment die Ereignisse.

Ich habe es bis zur Mitte des Buches durchgehalten und auf diesen Moment gewartet, in dem das Buch seinen Sog entfaltet. Ich habe stundenlang an anderen Büchern gelesen, aber nach nur wenigen Seiten „Die alltägliche Physik des Unglücks“ war ich jedes Mal unwillkürlich eingeschlafen oder gnadenlos gelangweilt.
Zwar sind Blue und ihr Vater als Hauptprotagonisten noch recht interessant und sympathisch, das Wirrwarr der Collegefreunde und seltsamen Lehrer dagegen sind recht konturlos. Deren Namen habe ich komplett überlesen, wirkliche einprägsame Charakterisierungen bekamen sie alle nicht.
Zusätzlich ist die Erzählart sehr, sehr anstrengend. Die Geschichte wird aus Blues Perspektive berichtet und Anfangs mochte ich ihre altklugen und neckischen Einschübe aus Philosophie und Literatur noch. Später ging mir das ständige Zitieren (von zum Teil erfundener?!) Literatur nur noch auf den Geist. Ein echter Lesefluss kam für mich nicht auf, die Beschreibungen sind zu ausufernd, die Handlung zäh.

Ich kann und möchte das Buch nicht bewerten, weil ich es nicht beenden konnte. Aber allein die Tatsache, dass ich nach über einem Jahr wieder ein Buch abgebrochen habe, einfach aus Frust es nicht beenden zu können, reicht mir schon.

Habt ihr das Buch gelesen? Ist bei euch da ein Funke übergesprungen oder hat die Geschichte auch euch nicht erreicht?

Dies war keine Rezension zu:
”Die alltägliche Physik des Unglücks” von Marisha Pessl
Fischer Taschenbuch Verlag
720 Seiten
10,95 € (Taschenbuch)

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13 Comments

  • Reply Martinas Buchwelten März 29, 2015 at 7:01 pm

    Ich habe das Buch vor Jahren ebenfalls abgebrochen und deshalb hatte ich auch gar nicht den Wunsch ihren neuen Roman zu lesen. Ich fand „Die alltägliche Physik …“ einfach nur langweilig und habe dann gerade mal den Schluss gelesen, der mir eigentlich nichts Neues eräffnet hat…leider!
    Liebe Grüße
    Martina

    • Reply Alexandra März 30, 2015 at 3:44 pm

      Hallo Martina,

      das Ende des Romans noch zu lesen ist tatäschlich eine gute Idee, vielleicht mach ich das noch. Ich hab‘ das Buch als ebook und wenn es mich irgendwann packt kann ich mal einen zweiten Anlauf starten 😀

      Liebe Grüße
      Alexandra

  • Reply Lara März 29, 2015 at 7:47 pm

    Ich habe das Buch auch abgebrochen. Die Mühe, die ich hatte um mich durch die vielen Klammern zu lesen war die langweilige Geschichte einfach nicht wert.
    Lg Lara

    • Reply Alexandra März 30, 2015 at 3:45 pm

      Hallo Lara,

      die Klammer“informationen“ haben mich unheimlich aufgeregt, ich recherchiere eigentlich jeden (!!!) Literaturbezug in Büchern. Wenn in einer Geschichte ein real existierendes Buch genannt wird, schaue ich mir an was es damit auf sich hat. Hier waren reale und offenbar ausgedachte Bücher miteinander vermischt… das sollte wohl komisch sein, wirkte auf mich dann aber nicht mehr komplex und gut ausgearbeitet sondern irgendwie nur noch störend.

      Leider einfach nicht mein Buch…

  • Reply Anna März 29, 2015 at 7:47 pm

    Hach, wie schade! Aber ich glaub, dann muss ich das Buch auch nicht unbedingt lesen…mir würde es wohl ähnlich wie dir gehen. Da behalte ich lieber Marisha Pessl nur in Verbindung zu „Die amerikanische Nacht“ in Erinnerung und warte, ob sie vielleicht irgendwann ein neues Buch rausbringt 🙂

    Liebe Grüße
    Anna

    • Reply Alexandra März 30, 2015 at 3:47 pm

      Hallo liebe Anna,

      das es mal noch ein Buch wie „Die amerikanische Nacht“ von Marisha Pessl gibt, wäre auch für mich ein Traum. Ein neues wie „Die alltägliche Physik des Unglücks“ brauch ich dagegen gar nicht. Das ist mir noch nie so passiert, dass ein Autor für mich zwei so extreme Bewertungen erreicht. Immer mal was neues 😀

      Liebe Grüße
      Alexandra

  • Reply Mieze Schindler März 29, 2015 at 9:16 pm

    Halllo,
    habe das Buch gelesen und fand es eigentlich ganz gut. Ja, der Anfang war etwas zäh und ich brauchte eine Weile, ehe ich mich in die Geschichte eingefunden hatte, auch das Ende kam mir wirr vor. Ich habe zum Durchlesen auch zwei Anläufe gebraucht. Aber der Schreibstil empfand ich als gelungen. Deswegen hab ich mir den Nachfolger gekauft, aber noch nicht gelesen.

    Jetzt bin ich umso mehr auf ‚Die amerikanische Nacht‘ gespannt.

    Liebe Grüße,
    Linda

    • Reply Alexandra März 30, 2015 at 3:48 pm

      Hallo Linda,

      es wäre spannend ob dir „Die amerikanische Nacht“ nun gefällt, ich habe es sehr geliebt. Oder ob du vielleicht dieses andere gar nicht mögen wirst? Wenn es dir auch gefällt, muss ich vielleicht auch auf einen zweiten Anlauf mit der Physik des Unglücks hoffen. Dann ist es vielleicht einfach kein Buch für jede Stimmung.

      Erzähl mal, wie es dir gefällt, wenn du die amerikanische Nacht beendet hast!

      Liebe Grüße
      Alexandra

  • Reply Alexandra März 31, 2015 at 2:34 pm

    Liebe Alexandra

    vielen Dank für deine ehrliche Meinung zu dem Buch. Ich hatte es auch des Öfteren schon ins Auge gefasst, war mir aber immer unschlüssig ob ich es wirklich kaufen soll. Manchmal sagt das auch schon alles, oder? wenn das Bauchgefühl sich nicht entscheiden kann.
    Nun hat das Bauchgefühl eine Entscheidungshilfe bekommen und ich werde mich lieber erst auf andere bücher konzentrieren. 🙂

    Liebe Grüße und einen schönen Tag wünsche ich dir trotz heftigem Sturm
    Alexandra

    • Reply Alexandra April 1, 2015 at 7:13 pm

      Hallo Alexandra,

      ich hoffe ich habe dich nicht von einem Buch abgehalten, was dich begeistern könnte, aber da wir schon öfter ähnlich getickt haben, würde ich fast glauben du würdest dich zumindest auch ein bisschen schwer mit dem Buch tun. Falls es dich mal doch überrumpelt und das Bauchgefühl gut wird probier vielleicht eine Leseprobe, sonst hör lieber auf den Bauch und lies anderes gutes 🙂

      Liebe Grüße
      Alexandra

  • Reply Hermia März 31, 2015 at 3:45 pm

    Mit ist da genau andersherum gegangen. Die Physik habe ich begeistert verschlungen. Ihr neues Buch fand ich dagegen einfach nur zäh und so übertrieben, das ich mich die ganze Zeit geärgert habe, dafür soviel Geld ausgegeben zu haben. 😉

    • Reply Alexandra April 1, 2015 at 7:15 pm

      Hi,

      ich weiß, dass damals viele wirklich begeistert von der Physik waren, es wurde als grandioser Erstling der Autorin gehandelt und ich habe mich wirklich auf das Buch gefreut. Vielleicht ist das eine Typfrage, ob man eher Mrs Pessls düster-dramatische Ader oder ihre komisch-skurrile Ader mag? 🙂

      Liebe Grüße
      Alexandra

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