Erzählung, Fiktion

Rezension: Die Sache mit dem Dezember von Donal Ryan

Von „Die Sache mit dem Dezember“ hatte ich mir ehrlich gesagt mehr versprochen. Das Buch besticht durch seine amüsante Geschichte, die Umsetzung ist aber leider ein wenig zu zäh und zu planlos um wirklich zu fesseln.

Dezember“Die Sache mit dem Dezember” von Donal Ryan
Diogenes Verlag
272 Seiten
19,90 € (Hardcover)

Solange Johnsey gemeinsam mit seinen Eltern in dem beschaulichen irischen Örtchen lebte, war er zwar immer der Dorfdepp, wurde aber bis auf einige Mobbereien weitestgehend in Ruhe gelassen. Als dann zunächst der Vater und anschließend die Mutter versterben ist Johnsey völlig allein, wird weiter gegängelt und hat kaum noch Trost. Erst als gerade Johnseys Grundstück es ist, das ein Konzern erwerben will, um eine riesige Industriestätte zu bauen, wird Johnsey bedeutend. Das ganze Dorf könnte von der Investition gewinnen, aber Johnsey hängt an seiner Heimat…

Ich habe ja eine Schwäche für skurrile Protagonisten. Eigentlich mag ich den Witz und die Tiefe, die häufig gerade durch diese „Dorfdepp“-Charaktere transportiert werden. Johnsey ist mir in dieser Hinsicht von Anfang an wirklich sympathisch gewesen, verliert aber leider im Laufe der Handlung etwas an Charme. Der Protagonist entwickelt sich kaum weiter, wirkt zu extrem, später fast unangenehm. Er allein kann die Geschichte nicht tragen. Da die Handlung an sich auch eher unspektakulär und zum Teil schleppend ist, kam bei mir leider keine echte Begeisterung auf.
Das Buch ist in 12 Kapitel unterteilt, die jeweils die Handlung eines Monats beschreiben. Vom Januar bis zum Mai entwickelt sich die Geschichte recht gemütlich, stellt Johnsey und seine Eltern, sein Leben im Dorf und die alltäglichen Probleme vor. Ab Juni kommt die Geschichte dann in Gang, als Johnsey (besser gesagt sein Hof) zum Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse im Dorf wird, kommt Bewegung in seinen sonst so tristen Alltag. Johnsey wird bedroht, bekommt aber auch endlich einen Freund, scheint nun wirklich Teil von etwas zu sein. Doch so schnell die Spannung und das Leben aufkamen, so schnell vergeht das alles wieder. Von August bis Dezember schleppt sich die Geschichte dahin, trägt zwar eine gewisse Dramatik in sich, konnte mich aber nicht mehr mitreißen.
Sprachlich gefiel mir das Buch zwar, der erzählerische, lockere Ton hat mich sehr direkt angesprochen, der tolle erste Eindruck wurde aber durch einige zu verwirrende Passagen leicht geschwächt.
Einige schöne Momente und gute Ideen in der Geschichte haben es mir sehr angetan, ich hoffte immer auf einen größeren Clou. Hoffte auch ehrlich gesagt immer noch darauf, dass der letzte Funke  überspringen würde. Bei mir hat das insgesamt nicht geklappt. Für jeden positiven Punkt und jede Begeisterung finde ich noch ein “aber”. Für mich macht das unterm Strich mittelmäßig-durchwachsene 3 von 5 Leseratten.

Das Buch in einem Tweet: Das war so ’ne Sache mit dem Dezember, anfängliche Begeisterung über die Idee sind in der schleppenden Geschichte etwas untergegangen.

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