Erzählung, Fiktion, Horror, Spannung

Rezension: American Gods von Neil Gaiman

Ein „Director’s Cut“ zum Buch ist mir bisher in der Tat noch nicht untergekommen, das war aber auch nur zum Teil ausschlaggebend für meine Neugier. Schon die älteren Editionen von „American Gods“ hatten mich gereizt, nun mit der „Lieblingsversion des Autors“ musste es einfach sein!

American Gods„American Gods“ von Neil Gaiman
Eichborn Verlag
672 Seiten
14,00 € (Taschenbuch)

Kurz bevor Shadow nach zwei Jahren endlich aus dem Gefängnis entlassen wird, verunglücken seine Frau und sein Arbeitgeber tödlich. Statt in sein geliebtes altes Leben zurückzukehren, wird er in eine Welt entlassen, in der für ihn nichts mehr ist wie zuvor. Auf seinem Weg „nach Hause“ trifft er den seltsamen Mr. Wednesday, der ihm einen Job bietet und Shadow aus seiner Ziellosigkeit reißt. Auf einer Reise kreuz und Quer durch die USA lernt er Mr. Wednesday, aber vor allem sein eigenes Land richtig kennen. Er begegnet den alten und neuen Göttern Amerikas und gerät im wahrsten Sinne des Wortes zwischen die Fronten…

„American Gods“ ist eine Mischung aus Krimi / Thriller, Mistery-Roman und Road Trip. Man wird völlig unvermittelt in eine Geschichte geworfen, die so facettenreich und absurd ist, dass es ein wenig dauert sich zu orientieren. Wie Shadow, ein offenkundig ganz normaler Mensch, im Verlauf der Geschichte in so mystische und magische Geschehnisse verwickelt wird, hat mir unglaublich gut gefallen. Genau wie der Protagonist zu Beginn nichts über die Tragweite der Geschehnisse ahnt, tappt nämlich auch der Leser manchmal ein wenig im Dunkeln. Erst Stück für Stück werden die Charaktere „richtig“ vorgestellt und man beginnt unwillkürlich, nach der Bedeutung jeder einzelnen Person zu forschen. Dabei wandern wir von der nordischen zur ägyptischen Mythologie und zurück. Keine Angst, es wird dabei nicht wirklich esoterisch.
In einigen Zwischenkapiteln erfahren wir außerdem, wie die Einwanderer ihren Glauben und damit ihre Götter nach Amerika brachten. Das sind kurze Geschichten, von denen jede für sich spannend und interessant zu lesen ist. Sie stellen Amerika als Schmelztiegel verschiedenster Kulturen und Glaubensrichtungen vor, skizzieren was das Land zu dem machte, was es heute ist.
Leider sind die Abschnitte über die „neuen Götter“ Amerikas nicht annähernd so liebevoll oder detailliert. Diese Charaktere bleiben alle ein wenig im Dunkeln, sind unscharf und mit wenig Details versehen. Bei einer Geschichte die (für mich) vor allem von der Stärke der Charaktere lebt, war das ein echter Wehrmutstropfen.
Der Handlungsverlauf von „American Gods“ ist wohl nicht für jeden Leser optimal: wie schon angedeutet sind die Zusammenhänge anfangs recht nebulös und auch durch die eingeschobenen Kapitel zwischendurch wird es nicht einfacher. Ich persönlich mag diesen Stil und die dadurch sehr abwechslungsreiche Geschichte, für mich war der rote Faden durchgehend noch deutlich genug, um nicht in der Geschichte verloren zu gehen.
Stilistisch hat mich das Buch übrigens völlig gefesselt: die Atmosphäre ist dicht und dunkel, es ist immer ein wenig schmutzig und düster. Die Beschreibungen von Charakteren und Setting sind dafür ideal, manchmal deutlich, zum Teil sehr von Metaphern geprägt. Ich habe das Buch nahezu verschlungen, so völlig war ich in dieser Welt abgetaucht.

Für mich ist „American Gods“ ein ziemlicher Page Turner mit kleinen Schwächen. Die Thematik hat mich unglaublich interessiert und hätte nur noch stringenter verfolgt werden müssen, um es für mich perfekt zu machen. So gibt es von mir schon sehr gute 4 von 5 Leseratten!

Das Buch in einem Tweet: „American Gods“ ist ein wenig: „Odin, Anubis und ein Leprechaun gehen in ne Bar…“ Aber viel düsterer und spannender. Echt abgefahren!

Für eine tolle Rezension zum Hörbuch schaut auch mal bei Ute von Buchstapelweise vorbei, sie zeigt toll die Stärken und Schwächen der Geschichte!

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1 Comment

  • Reply Uwes-leselounge Juli 26, 2015 at 12:37 pm

    Hi Alex,

    das Buch stand schon etwas länger auf meiner WuLi und ich konnte über Rebuy gerade eine ältere Fassung günstig bekommen. Seit ich „Der Ozean am Ende der Straße“ von Neal Gaimann gelesen habe, bin ich von seiner Schreibweise begeistert und freue mich schon auf „American Gods“. Dazu trägt deine Rezension ebenfalls bei. Danke 🙂

    Liebe Grüße,
    Uwe

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