2. Weltkrieg, Krimi & Thriller, Spannung, Wahre Begebenheit

Rezension: Perfidia von James Ellroy

Ich liebe Bücher, die mich so richtig fesseln und gern auf 600 oder mehr Seiten eine Geschichte erzählen, die mich nicht mehr loslässt. Einerseits ist „Perfidia“ genau so ein Buch, andererseits ist es leider auch ein Buch, mit dem ich sehr zu kämpfen hatte…

Perfidia„Perfidia“ von James Ellroy
Ullstein Buchverlage
949 Seiten
25,00 € (Hardcover)

Eine japanische Familie kommt am Tag vor Pearl Harbor in einem aufwändig inszenierten, aber offenkundig fingierten, rituellen Selbstmord ums Leben. Sie hinterlassen eine seltsame Botschaft, die vor dem Hintergrund des folgenden Angriffs des japanischen Militärs noch rätselhafter erscheint. Die Ermittlungen in diesem Fall führen zu japanischen Saboteuren, der chinesischen Mafia und auch einer Menge Korruption im Polizeidepartment von L.A.

„Perfidia“ ist wie ein Feuerwerk… oder eher wie eine Maschinengewehrsalve. Ein Einschlag folgt dem nächsten: Mord, Korruption, Gewalt und Hass. All das verbindet sich zu einer explosiven Mischung. Ein Sog, der manchmal wirklich schmerzhaft ist, aber leider nicht die ganze Zeit anhält. In weiten Teilen verhindert der ungewöhnliche und manchmal einfach unglaublich anstrengende Schreibstil das Eintauchen in die Geschichte. Durch die vielen kurzen Sätze (manchmal nur einzelne Wörter) und ewigen Wiederholungen gleicher Satzanfänge (meist genau drei Mal) wirkt die Sprache tatsächlich maschinengewehrartig. Dann holperte und stockte die Lektüre bei mir, der Sog ging verloren. Orientierungslos blieb ich im Text hängen. Das wird verstärkt durch häufig wechselnde Perspektiven und eine unglaubliche Schar an Charakteren. Zwar sind die Perspektiven im Verlauf der Geschichte konsistent, aber die einzelnen Erzählstimmen unterscheiden sich nicht merklich voneinander. Die Orientierung im Text fiel mir dadurch manchmal wirklich schwer. Wenn dann noch einzelne Charaktere mal nur mit dem Vornamen, mal mit dem Zunamen oder wahlweise mit Spitznamen betitelt werden, wird es anstrengend.
„Perfidia“ ist der erste Teil eines neuen L.A. Quartetts von James Ellroy und soll ein Prequel zum bestehenden L.A. Quartett bilden. Figuren die unter anderem in „Die schwarze Dahlie“ auftauchen, treten hier erstmals in Erscheinung. Es sollen sozusagen ihre Wurzeln und Entwicklungen beschrieben werden. Weil die Figuren und die Atmosphäre des Buches mich absolut mitgerissen haben, steht nun „Die schwarze Dahlie“ schon bei mir in den Startlöchern. Ich hoffe, dass diese Lektüre dann auch „Perfidia“ sinnvoll ergänzen wird.
Denn die Atmosphäre von „Perfidia“ ist bei all meiner Kritik fesselnd. Die Geschichte wirkt dreckig und hart, dabei aber nicht platt oder sinnlos gewaltvoll. Das Buch dreht sich um Geheimnisse und private Abgründe und nahezu jeder Charakter trägt mehr als genug Ballast mit sich herum. Diese tollen fiktiven Dramen, verbunden mit authentischen Figuren und den korrekten historischen Abläufen machen eindeutig einen großen Reiz dieses Buches aus!

Insgesamt bin ich schwer hin und her gerissen. Ich habe die Atmosphäre und die düsteren Szenen des Buches absolut genossen, mich aber so manches Mal schwer über die konfuse und abgehakte Erzählweise geärgert. Von mir gibt es für „Perfidia“ daher nur 3 von 5 Leseratten, aber den klaren Wunsch mich näher mit dieser Geschichte und ihren Figuren zu beschäftigen. Für alle, die noch unsicher sind, empfehle ich einen Blick in die Leseprobe: der Stil ist anstrengend, die Geschichte jedoch lohnt sich!

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