Erzählung, Fiktion, Spannung

Rezension: Dead Zone von Stephen King

Mit “Dead Zone – Das Attentat” habe ich wieder einen typischen King genießen können: düster, übersinnlich und leise politisch.
Als Johnny nach über fünf Jahren aus dem Koma erwacht, besitzt er plötzlich seltsame Fähigkeiten. Da ist eine “tote Zone” in seinem Gehirn, Assoziationen und Gedanken die er kaum noch erreichen kann, dafür überrollen ihn hellseherische Vorahnungen, wenn er Menschen berührt. Plötzlich kann er Verlorenes auffinden oder Schicksale erkennen im bloßen Bruchteil einer Sekunde. Statt den üblichen Familiendramen überkommt ihn jedoch das Gefühl tiefer Dunkelheit, als er einem Politiker die Hand schüttelt, der für die US-Präsidentschaft kandidieren möchte.

Einige Motive des Romans finden sich auch im wesentlich später erschienenen “Der Anschlag” wieder. Da dies einer meiner liebsten Romane von Stephen King ist, habe ich auch “Dead Zone” besonders genossen. Mit Johnny stellt Stephen King wieder einen Protagonisten vor, der durch die unwegsamen Pfade des Schicksals plötzlich in die Position kommt, die Geschichte zu verändern. Dabei werden Fragen von Moral und Schuld aufgeworfen und die Grenzen zwischen gut und böse wiederholt ausgelotet. Mich hat auch in “Dead Zone” begeistert zu verfolgen, wie sich ein anfangs recht unkomplizierter, konfliktloser Charakter unter der “Last der Verantwortung” verändert.

Dabei ist der Verlauf der Handlung in “Dead Zone” anfangs seltsam ruhig. Zwar entstehen durch Johnnys neue Gabe einige beklemmende Situationen, die einen Vorgeschmack auf das Kommende geben, große Action und Dramen bleiben aber aus. Es scheint ein “herantasten” an die Fähigkeiten und Konflikte des Protagonisten zu sein. Erst als der Politiker Greg Stillson ins Blickfeld kommt, gerät der ruhige Verlauf der Handlung endgültig ins schlingern.
Mich hat übrigens die Figur des Präsidentschaftskandidaten Greg Stillson gerade im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen schwer beschäftigt. Der Politiker wird von seinen Gegnern unterschätzt, nimmt jedoch mit Charme und dummdreisten Parolen schnell eine große Wählerschar für sich ein. Das gerade ein Politiker, der kaum ernst genommen wird und sich eher Marktschreierisch gibt, den Lauf der Welt verändern soll, scheint beinahe eine Warnung…

Für mich ist “Dead Zone” definitiv kein Buch für Leser, die gruselige Effekte oder echten Horror erwarten. Eher ein ruhiger Roman über die Macht des Schicksals und die Grenzen der eigenen Verantwortung. Natürlich nicht als realistisches politisches Drama, sondern stark überzeichnet, unterhaltsam und grotesk. Ich mag das!

Unterm Strich hat mich “Dead Zone” begeistert und im Hinblick auf aktuelle Ereignisse aber auch in Verbindung mit späteren Büchern des King ins Grübeln gebracht, 5 von 5 Leseratten.

“Dead Zone – Das Attentat” von Stephen King, übersetzt von Joachim Körber und Alfred Dunkel, erschienen im Heyne Verlag, 588 Seiten, 9,99 € (Taschenbuch)

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