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Wie hat das Bloggen mein Lesen verändert?

Ich könnte wohl einiges darüber schreiben, wie das Bloggen mein Leben verändert hat. Wie ich tolle Menschen kennengelernt habe, mich in ein Thema versenken konnte, das mich von Herzen begeistert, und ich auch ein bisschen mutiger geworden bin.
Aber heute möchte ich dir eigentlich davon erzählen, wie das Bloggen mein Lesen verändert hat. Vorsicht, ein kleiner Buchstabe macht den Unterschied!

Ich habe schon immer gelesen. Bis auf eine kurze Phase, während meines Studiums, haben mich Bücher immer begleitet.

Zum Glück hat meine Mama schon früh diese Leidenschaft gefördert. Bücher wurden, wie Lebensmittel, immer gekauft. Bücher gab es nicht nur zum Geburtstag und auch, wenn das Geld gerade knapper war. Auf Urlaub konnten wir gern verzichten, auf Bücher nie.
Und auch die örtliche Bibliothek habe ich quasi leer gelesen. Obwohl diese mit dem Rollstuhl wirklich nicht gut zu erreichen war, hat mich meine Mama immer wieder dort hin gebracht oder, noch häufiger, mir einfach stapelweise Bücher nach Hause geholt.

Früher habe ich mich durch historische Romane und Fantasy gelesen, später dann dramatische Geschichten, das für mich typsische „Familiengeheimnis“ und anspruchsvollere Literatur entdeckt. Das war ungefähr die Zeit, als das Read Pack entstand.

Stapelweise lese ich heute noch

Stapelweise lese ich mich heute noch durch meine Bücher, aber sonst hat sich seitdem einiges geändert.
Ein Buch zu entdecken war jedes Mal ein echter Glücksgriff und großer Zufall für mich. Ich habe Cover und Klappentexte durchforstet, im Buchladen oder der Bibliothek auf gut Glück Romane mitgenommen und mich manchmal durch Zeitschriften, Fernsehen (kennt ihr die Sendung „Lesen!“ noch?) und erste Blogger inspirieren lassen.

Mein Lesen war damals willkürlicher, aber auch ein wenig spannender. Ich habe viel (Sorry!) Mist gelesen aber auch echte Perlen. Diese Abenteuerlust und Zufälligkeit ist verschwunden.

Mittlerweile wähle ich bewusster. Ich weiß wofür die verschiedenen Verlage stehen, kenne meine Lieblingsverlage und beobachte deren Neuerscheinungen genau.
Schon Monate bevor ein Buch erscheint, habe ich es in der Vorschau entdeckt und mir notiert. Wenn ich Glück habe, bietet mir der entsprechende Verlag sogar an das Buch vorab zu lesen. Steht es als Neuerscheinung im Buchladen, hab‘ ich das fast alles schon gesehen.

Ich überlege außerdem oft erst, ob ein Buch zu meinem Blog passt, ob es schon von zu vielen Bloggern besprochen wurde und ich dem Trend nun folgen oder lieber aussetzen sollte.

Früher habe ich gern dicke Wälzer gelesen, je dicker desto besser. Meine liebste Reihe ist nach wie vor „Der dunkle Turm“ von Stephen King. Die wenigsten Teile der Reihe haben weniger als 800 Seiten.
Ich kaufe immer noch mit Vorliebe dicke Wälzer. Aktuell liegt hier Paul Austers „4 3 2 1“, „Eine kurze Geschichte von sieben Morden“ von Marlon James und Stephen Kings „Es“. Drei Schwergewichte, die mich unglaublich reizen. Die Zeit sie zu lesen, habe ich mir bisher nicht genommen.

Kann ich das schaffen?

Seit der Blog besteht, denke ich nämlich länger darüber nach, ob ich ein Buch auch „schaffen“ kann. Wenn ich jetzt an einem Tausendseiter einen ganzen Monat hänge, was könnte ich hier dann wohl schreiben?

Dieses planen und vorbereiten, wirklich jedes Buch nachbereiten und vorstellen, macht eine ganze Menge Arbeit und hat meinem Lesen manchmal den Spaß geraubt. Deshalb habe ich mich davon mittlerweile gelöst.

Der Blog kann und soll kein vollständiges Lesetagebuch mehr sein. Ich blogge deutlich seltener, dafür nur noch Bücher, zu denen ich etwas zu sagen habe. Dafür habe ich diesen Blog schließlich begonnen!
Ich stelle nicht mehr jedes meiner gelesenen Bücher vor, gönne mir Pausen und diskutiere über manche Bücher nur noch auf den verschiedenen Social Media Kanälen.

Vor Kurzem habe ich mir in einem kleinen Anflug von Größenwahn die Komplettausgabe der „Otherland“-Reihe von Tad Williams auf den eReader geladen. Die vier Bände haben 3.500 Seiten. In Worten: dreitausendfünfhundert! Ich lese seit einigen Wochen jeden Abend einige Seiten darin und freue mich einfach über diese unglaublich phantasievolle Geschichte. Ob ich es hier verbloggen will? Mal sehen!

Mittlerweile stecke ich mir keine Leseziele mehr und möchte wieder dahin zurück, weswegen ich das Lesen so liebe und wofür das Read Pack steht.

Ich möchte über Bücher sprechen, die mich begeistern oder die meine Aufmerksamkeit besonders gefangen haben. Vielleicht möchte ich auch wieder Experimente wagen und daran scheitern. Ich will Bücher genießen, möchte sie dir euphorisch ans Herz legen und abbrechen, wenn es einfach nichts wird.

Das Bloggen hat mein Lesen auch positiv verändert

Das Bloggen hat mein Lesen übrigens auch positiv verändert: ich lese aufmerksamer, achte bewusster auf problematische Darstellungen und Klischees.
Mittlerweile weiß ich auch, welche Bücher ich einem bestimmten Leser empfehlen kann. Ich habe nämlich eine ziemliche Menge an Büchern und Autoren kennengelernt.

Der Kontakt zu Verlagen, Verlags- und allgemein Buchmenschen hat meinen Blick auf Bücher verändert. Warum finde ich ein bestimmtes Buch toll oder unerträglich? Ich kann diese Eindrücke mittlerweile besser in Worte fassen.

Also, ich habe mich manchmal zu tief in die Arbeit gestürzt, aber auch gelernt und mich entwickelt. Alles in allem ganz normal, oder?

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3 Comments

  • Reply Anna Juni 24, 2018 at 4:45 pm

    Ein wunderbarer Beitrag! Sehr spannend, wie sich Deine Gewohnheiten verändert haben!

  • Reply Kerstin Herbert Juni 25, 2018 at 4:33 pm

    Deine Erfahrungen teile ich in großen Teilen. Vor allem seit ich meinen eigenen Blog erst einmal eingemottet habe, merke ich, wie entspannt das Lesen plötzlich ist, wenn man nicht im Hinterkopf hat, dass es wöchentlich zu einer Rezension führen muss. Und ich empfinde es aktuell als sehr befreiend, die Verlagsvorschauen ungelesen löschen zu können. So mache ich derzeit wieder eine Bewegung zurück zur Zufälligkeit, wie du es nennst. Ich lese mehr alte Titel und auch Genre, die man sonst nicht von mir bzw. meinem Blog gewohnt war.
    Aber wenn ich auf ein Buch stoße, zu dem ich Gespächsbedarf habe oder anderen schlicht ans Herz legen will, fehlt mir der Blog dann doch. Ein bisschen versuche ich das durch Instagram auszugleichen, aber so richtig dasselbe ist es doch nicht. Vielleicht findet sich ja mal irgendwann irgendeine Art von Gemeinschaftsblog.

  • Reply Britta Juni 25, 2018 at 5:43 pm

    Schöner Beitrag Alex, in dem ich mich auch an vielen Stellen wiederfinde. Aber ich stresse mich nicht so sehr mit dem Bloggen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir zu zweit sind. Und wenn ich es nicht schaffe, dann postet Laura halt etwas. Vielleicht ist das der richtige Moment zu fragen, was eigentlich aus Susi geworden ist? Irgendwie habe ich mich nie so richtig getraut, mal bei dir / euch nachzuhaken. Ihr habt doch früher auch immer zu zweit gebloggt?
    Über alle Bücher, die man liest, kann man – meiner Meinung nach – gar nicht schreiben. Manches will ich auch einfach mal nur für mich lesen. Aber ich denke dann nicht darüber nach, ob das jetzt ins Bild unseres Blogs passt oder nicht. Manchmal fehlen mir auch zu bestimmten Geschichten die richtigen Worte. Oder ich denke, dass ich dem Roman nicht gerecht werden würde mit meinem Post. Dann genieße ich ihn einfach im Stillen und nur für mich. Andererseits finde ich es toll, mich beim Schreiben intensiv mit den Büchern, die ich lesen, auseinander zu setzen und sie nicht nur einfach ins Regal zu stellen.

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