Entdeckt, Im Rattenbau

12 Bücher gegen den Krimihunger

Vor Kurzem überkam mich bei eher tropischen Außentemperaturen ein unstillbarer Hunger auf Krimi und Thriller. Ungewöhnlich sollten sie sein, aber vor allem klug und möglichst unblutig.

Ich möchte nicht die üblichen Klischees lesen. Nichts über den Ermittler mit dem obligatorischem Ehe- oder Alkoholproblem und den Psychopathen mit der schweren Kindheit. Ich will nicht lesen, wie er seine Opfer auf noch brutalere Art und Weise tötet als im vorhergehenden Buch der mindestens neunzehnbändigen Reihe.

Stattdessen suche ich Krimis und Thriller mit ruhiger Spannung, interessanten Hintergrundthemen und facettenreichen Figuren. Besonders gern mag ich skandinavische Autoren, andere Länder sind aber natürlich jederzeit willkommen. Je abwechslungsreicher, desto besser.

Nach einer ausgiebigen Suche, habe ich 10 Bücher gekauft, die diesen Ansprüchen hoffentlich genügen. Dazu kommen noch zwei Rezensionsexemplare die genau im richtigen Zeitpunkt eintrafen.
Die meisten Bücher gehören zur #goldenbacklist und sind damit allesamt im Taschenbuch erhältlich oder sogar richtig günstig gebraucht zu finden. Schau dich einfach mal ein wenig um. Gutes Krimifutter muss nicht neu sein.

Winter und Eis, ein wenig Blut und ganz viel Spannung

Die Titel klingen alle nach Winter und Eis, ein wenig Blut und ganz viel Spannung. Ich hoffe für dich ist das ein oder andere dabei!

Blutiges_Eis„Blutiges Eis“ von Giles Blunt
Dieser Thriller spielt in der Nähe von Toronto, mitten im Hinterland von Ontario. Im dichtesten Januarnebel schleppt Ivan Bergeron’s Hund eine ungewöhnliche Beute zu seinem Herrchen: einen menschlichen Arm. Dieser Fund sorgt doch für einige Rätsel in der kleinen Gemeinde. Noch verworrener wird das Ganze, als sich zeigt, dass der Arm (also das Opfer) amerikanischer Staatsbürger war und nicht nur die kanadische Polizei der Sache auf der Spur ist.
Ich liebe Kanada und freue mich auf diesen Krimi daher ganz besonders. Das Buch ist der zweite Teil einer Reihe rund um die kanadischen Ermittler, lässt sich aber auch prima separat lesen.

Hellas Channel„Hellas Channel“ von Petros Markaris
Weiter geht’s mit einem Krimi rund um den griechischen Ermittler Kostas Charitos in Athen. Nein, wir sind immer noch nicht in den nordischen Ländern gelandet (das kommt noch, versprochen!) aber dieses Buch hatte so viel Charme, dass ich es unbedingt auf meine Leseliste setzen musste.
Kostas Charitos wird als spannende Figur beschrieben, hitzig, humorvoll und nostalgisch.
Und, ganz ehrlich: mit Krimis aus dem Diogenes Verlag kann man grundsätzlich nichts falsch machen. Bisher hat mich da noch keiner wirklich enttäuscht und sie entsprechen genau diesem Schema von ruhiger Spannung, nach dem ich so dringend suche.

Der_letzte_Tag_der_Unschuld„Der letzte Tag der Unschuld“ von Edney Silvestre
Ein Mord an einer Frau, der auf den ersten Blick nicht viele Fragen aufwirft (der Ehemann war’s, wer sonst?) und zwei Kinder, die nicht daran glauben und selbst ermitteln. Perfekt! Ich mag diese Art von „Laien-Detektiv-Roman“ und freue mich auf die Sommerferienstimmung in Brasilien, 1961.
Ein Krimi, der ganz leicht zum Geheimtipp werden könnte.
Ich habe mir den Roman ausgesucht, weil der Autor für seinen melancholischen und poetischen Stil bekannt ist und ich das Setting total interessant finde. Natürlich ganz und gar nicht nordisch, dafür auch kein Standardkrimi.

Tod_einer_roten_Heldin„Tod einer roten Heldin“ von Xiaolong Qiu
Von Brasilien 1961 geht es weiter nach China 1990. Dieser Kriminalroman verspricht uns die Metropole Shanghai von einer ganz neuen Seite vorzustellen.
Eine junge Frau wird tot aus einem Fluss geborgen. Doch nicht nur ihr Tod wirft Fragen auf. Die „Heldin der Arbeit“ entpuppt sich als Frau mit Geheimnissen und seltsamen Verbindungen in die chinesische Regierung.
Dieses Buch musste unbedingt auf die Leseliste, weil ich noch nie einen chinesischen Kriminalroman gelesen habe. Mit Keigo Higashino habe ich schon einige Titel aus Japan kennen und lieben gelernt, China ist in dieser Hinsicht aber ein völlig unbeschriebenes Blatt für mich.
Außerdem interessieren mich die Verwicklungen rund um die chinesische Regierung und der Kontrast zwischen oberflächlicher Regimetreue und privaten Geheimnissen.

Nebelsturm„Nebelsturm“ von Johan Theorin
Lass dich nicht vom schrecklichen Cover abhalten! Sorry Piper, aber was habt ihr euch denn dabei gedacht? Die Cover der Krimis von Johan Theorin könnten nicht klischeemäßiger und hässlicher sein. Der Inhalt ist trotzdem toll, wirklich.
„Nebelsturm“ ist nämlich kein typischer Ermittlerkrimi. Es gibt nicht diesen üblichen „Leiche gefunden-Ermittler fragt sich durch die Gegend-Mörder gefunden“-Ablauf. Viel mehr erzählt Johan Theorin einfach spannende Geschichten. Diese enthalten immer auch irgendwie ein Verbrechen, oft auch einen Ermittler. Aber es sind immer die Personen, denen das Unglück geschieht, die im Zentrum der Erzählung stehen. In „Nebelsturm“ ist das eine junge Familie, deren Tochter ertrinkt und deren schlimmste Befürchtungen sich damit bestätigen.
Ich lese Johan Theorin unglaublich gern, weil er flüssig und trotzdem atmosphärisch schreibt. Die Bücher gehören eigentlich zur Öland-Reihe, lassen sich aber jeweils einzeln wunderbar lesen. Ich mag das düstere, ein bisschen mysteriöse seiner Romane sehr gern. Kein anspruchsvolles Lesefutter aber spannend, überraschend, unterhaltsam.

Blutstein„Blutstein“ von Johan Theorin
Alles was ich zu „Nebelsturm“ gesagt habe, gilt auch für „Blutstein“. Leider auch das mit dem Cover.
Johan Theorin ist der einzige Autor, von dem ich gleich zwei Bücher gekauft habe. Ich konnte mich schlicht nicht entscheiden, womit ich anfangen möchte. „Blutstein“ erzählt eine eher magische Geschichte, rund um die Sagen und Mythen des schwedischen Öland, „Nebelsturm“ die klassische Familientragödie.
„Blutstein“ habe ich mittlerweile bereits beendet und kann sagen: ja, leckeres Krimifutter! Sympathische Figuren, die sich durch eine märcnehafte aber auch tragische Handlung kämpfen. Unaufgeregt ohne langweilig zu sein und mit einigen kleineren Überraschungen (auch wenn sich viele Wendungen schon lang absehen lassen) hat mir das Buch einfach Spaß gemacht.

Radikal_Musharbash„Radikal“ von Yassin Musharbash
Vor „Radikal“ habe ich größeren Respekt. Es behandelt die aktuellen Angstthemen Terrorismus und Islam. Ich hoffe sehr, dass dabei nicht nur bestehende Ängste und Vorurteile geschürt werden, sondern der Roman differenziert erzählt ist. Da das Buch in Deutschland spielt und von einem Terrorangriff hier in Berlin erzählt, ist mir das besonders wichtig.
Große Hoffnungen setze ich da in den Autor, der Arabistik und Politologie studierte, einer, der es eigentlich wissen muss.
Das Buch sticht aus meiner Krimi-Sammlung etwas heraus. Es ist aktueller, nicht so gemütlich oder hintergründig politisch. Es ist aktuell und realistischer, vielleicht thematisch etwas zu hart für den einen oder anderen Leser (und auch für mich nicht an jedem Tag geeignet) aber hoffentlich eine bereichernde, gelungene Abwechslung.

Grabesgrün„Grabesgrün“ von Tana French
Warum genau ein Grab nun unbedingt grün sein sollte, erschließt sich mir nicht. Aber einige Titel meiner Auswahl zeigen ganz gut, das Krimititel nicht unbedingt die klügsten Kreationen im Buchmarkt sind. Egal.
Für mich ist Tana French eine Geheimwaffe gegen drohende Leseflauten. Die dicken Wälzer sind spannend erzählt und ich liebe das Setting im doch etwas „magischen“ Irland. Die Dubliner Ermittler sind natürlich erstmal genauso tough wie ihre amerikanischen oder britischen Kollegen, aber die Atmosphäre ist doch eine andere.
Und so setze ich mir Tana French auf den Speiseplan, wenn gar nichts mehr geht. Wenn man echte Schmöker lesen möchte und ohne viel wenn und aber in der Geschichte abtauchen will.
Auch „Grabesgrün“ kann neben einem Mord mit den üblichen Geheimnissen rund um eine Ausgrabungsstätte, düsteren Ritualen und Verbindungen bis in die Vergangenheit der Ermittler aufwarten. Was will ich mehr?

Schatten„Der Schatten“ von Melanie Raabe
Längst kein Geheimtipp mehr und doch habe ich Melanie Raabe erst mit ihrem neuesten Roman „Der Schatten“ für mich entdeckt. Ich habe das Buch verschlungen!
Der Protagonistin Norah wird auf der Straße von einer Bettlerin eine seltsame Prophezeiung ausgesprochen „Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Aus freien Stücken. Und mit gutem Grund.“
Der Mann ist ihr völlig unbekannt und doch lösen diese Worte etwas in Norah aus.
Das Buch handelt von Schicksal, Gerechtigkeit und vielleicht ein klein wenig Vergebung. Der Roman hat keinen gerissenen Ermittler oder toughen Agenten als „Helden“ der Geschichte, sondern eine normale, junge Frau. Eine Frau mit Ecken und Kanten, klarer Meinung und einer toll herausgearbeiteten Vergangenheit.
„Der Schatten“ passt perfekt zu diesem Hunger nach Spannung und Geheimnissen, es erzählt rasant (aber nicht platt!) eine Geschichte, der ich in dieser Form noch nicht begegnet bin.

Schwarzer_Winter„Schwarzer Winter“ von Cecilia Ekbäck
Als ich via Twitter nach Krimi-Empfehlungen fragte, wurde „Schwarzer Winter“ gleich mehrmals genannt. Ein Buch, dem nach einhelliger Auffassung zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde.
Die Geschichte spielt in Lappland 1717. In der Nähe des abgelegenen Dorfes Blackåsen finden zwei Mädchen ihren Nachbarn tot im Wald. War es wirklich ein Bär, der den Mann angegriffen hat? Das Setting des Buches verspricht Spannung: ein abgelegenes kleines Dorf im ewigen skandinavischen Winter wird Schauplatz von Verdächtigungen und Misstrauen.
Diese Mischung aus Atmosphäre und Setting haben mich dazu gebracht, dass ich das Buch auf meine Leseliste gesetzt habe. Es klingt nach idealer Lektüre für dunkle Leseabende.

Blutiger_Winter„Blutiger Winter“ von Tom Callaghan
Schon wieder Winter, diesmal blutig statt Schwarz, aber die Richtung ist klar erkennbar. Der Krimi führt uns in die eisigen Gegenden Kirgisistans und erinnerte mich stark an das großartige „Kind 44“. Tom Callaghan startet mit „Blutiger Winter“ eine Jahreszeiten-Reihe rund um seinen Ermittler Inspektor Borubaew. Zwar klingt der Mordfall in „Blutiger Winter“ blutiger (haha, wer hätte es gedacht) als mir sonst lieb ist, aber die Reihe an sich wird als düste und spannend beschrieben. Außerdem darf es neben so viel Kuschelei auch gern mal ein harter Thriller sein. Solange die Grausamkeiten und Gewalt nicht im Vordergrund stehen und sich der Autor auf die Geschichte konzentriert, kann ich auch daran Gefallen finden.

Opfer_Lemaitre„Opfer“ von Pierre Lemaitre
Als hätte der Klett-Cotta Verlag geahnt, was ich hier plane, erreichte mich vor Kurzem „Opfer“ von Pierre Lemaitre. Zugegeben, der Titel und die Inhaltsbeschreibung klingen etwas brutaler, als ich es sonst gesucht habe, aber die Pressestimmen sind da eindeutig »Vertrauen Sie auf Lemaitre. Er weiß, was er tut.« – Sydney Morning Herald.
Und auch ich selbst habe mich von Lemaitre und seinem Gefühl für Spannung, interessante Hintergründe und die Entwicklung von Figuren bereits überzeugt. Sein Roman „Drei Tage und ein Leben“ hat mich völlig begeistert und vielleicht schafft das auch dieser Thriller.

 

Das war meine aktuelle Liste an Krimis und Thriller. Eine Sammlung, die mich bis in den Herbst und Winter begleiten und hoffentlich für spannende Lesestunden sorgen wird. Hast du etwas für dich entdeckt? Oder fallen dir andere Tipps ein?!

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3 Comments

  • Reply Gabi Juli 29, 2018 at 3:53 pm

    Das neue Buch von Melanie Raabe habe ich schon gelesen und teile Deine Einschätzung.

    Da ich regelmäßig Krimis und Thriller lese, halte ich auch immer gerne Ausschau nach welchen, die vom üblichen Schema abweichen. Da sind mit die beiden Co-Autoren Gallert und Reiter aufgefallen, die als Hauptperson einen Polizeiseelsorger gewählt haben. Er interessiert sich für die menschliche Seite und ist nicht hauptsächlich daran interessiert, den Mordfall aufzuklären. Mit der eigentlichen Ermittlerin verbindet ihn aber eine Freundschaft und irgendwann kommen beide von ihren unterschiedlichen Ausgangspunkten doch zum selben Ergebnis.
    Die beiden schon veröffentlichten Bände (ich hoffe, es wird noch mehr geben) heißen „Glaube Liebe Tod“ und „Tiefer denn die Hölle“. Die würden glaube ich gut in Deine Liste mit hinein passen.

    Liebe Grüße
    Gabi

  • Reply Constanze Matthes Juli 29, 2018 at 9:07 pm

    Ich habe auch Theoriens „Nebelsturm“ und Eckbäcks „Schwarzer Winter“ mit sehr viel Begeisterung gelesen. Ich kann sehr die beiden Romane „Endgültig“ und „Niemals“ von Andreas Pflüger über die blinde Ermittlerin Jenny Aaron ans Herz legen, unglaublich spannend und man lernt viel zum Thema, wie sich blinde Menschen orientieren können. Ansonsten hat mich in letzter Zeit auch Gard Sveens Roman „Der letzte Pilger“ sehr gut gefallen. Viele Grüße

  • Reply Gabi August 1, 2018 at 9:23 pm

    Oh ja, Constanzes Empfehlung von „Endgültig“ und „Niemals“ unterschreibe ich aus vollem Herzen!
    LG Gabi

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