Außeneinsatz, Im Rattenbau

Frankfurter Buchmesse 2018 und meine Messe-Geheimtipps

Es ist immer wieder das Selbe: erst scheint die Buchmesse noch ewig weit hin zu sein, dann ist sie in einem Wimpernschlag schon vorüber.
Vom 10. bis 14.10. hat sich scheinbar die gesamte Bücherwelt hier in Frankfurt versammelt. Über 280.000 Besucher und tausende Aussteller bevölkerten für fünf Tage das Messegelände und feierten die Bücherliebe. Ein Event auf das ich mich jedes Jahr riesig freue.

Trotzdem bin ich persönlich ehrlich gesagt nicht die aller begeistertste Messebesucherin: viele Menschen, enge Stände und viele Bücher/Attraktionen für mich im Rollstuhl über Kopfhöhe. So eine Buchmesse ist da ganz schön anstrengend. Aber die tollen persönlichen Begegnungen, Vorträge, Lesungen und Termine bei wunderbaren Verlagen machen die Messe immer zu einer ganz besonderen Zeit für mich. Ihr macht die Anstrengung doppelt wett!

Der Start bei Diogenes

Meinen Messetag habe ich diesmal mit einem Besuch bei Diogenes begonnen. Wir haben über das Frühjahrsprogramm 2019 und eine tolle Aktion vom Verlag gesprochen (es wird geheimnisvoll, du darfst gespannt sein!). Gleich im Januar geht es mit „Abendrot“ dem neuen Buch von Kent Haruf richtig, richtig gut los. Ich glaube man hat mir meine Freude über diese Ankündigung angemerkt! Die Merkliste wurde auch danach schnell länger und länger. Denn es sind neue Titel von Ian McEwan, Anthony McCarten und Joey Goebel angekündigt. Drei Autoren, von denen ich etliche Bücher gelesen und sehr geliebt habe. Auch über einen neuen Roman von Ingrid Noll und einige ganz neue Stimmen dürfen wir uns freuen.

Bei jedem Termin auf der Messe habe ich meine Gesprächspartner aber nicht nur über die Novitäten befragt, sondern um einen Geheimtipp aus dem aktuellen Programm gebeten. Welches Buch aus dem Herbst muss ich (und meine Blogleser) unbedingt gelesen haben?

Der Diogenes-Tipp fiel schnell auf „Slow Horses“ von Mick Herron. Ein Buch über abgehalfterte MI5 Agenten (eben alte Gäule), die nun nur noch den Müll für die richtigen Ermittlungen durchsuchen dürfen. Einer davon hat bald genug und beginnt auf eigene Faust Nachforschungen im Fall eines entführten Teenagers. London und ein paar alternde Underdogs als Hauptfiguren, das klingt nach einem guten Tipp!

Erstes Date bei Hanser

Als nächstes habe ich den Hanser Literaturverlagen einen Besuch abstatten dürfen. Endlich habe ich nun „meine“ Bloggerbetreuerin einmal live kennenlernen können. Ich habe erfahren, dass Hanser mit einem neuen Imprint demnächst auch broschierte Romane und unterhaltsame Sachbücher veröffentlichen wird. Die erste Auswahl davon sah schon richtig gut aus.
Aber auch hier drehte sich das Gespräch schnell um das Frühjahr 2019 (zugegeben: ich bin von Natur aus neugierig) und auch hier wurde die Merkliste schnell länger. Ein neuer Roman von Hanya Yanagihara steht in den Startlöchern und hat mich gleich neugierig gemacht. Aber auch andere vielversprechende Titel sind auf meiner Merkliste gelandet, hier wird das Frühjahr bunt, abwechslungsreich und auch geographisch spannend für mich.

Die Wahl des Hanser-Geheimtipps war dann gar nicht so einfach. „Die Hochhausspringerin“ von Julia von Lucadou habe ich nämlich schon gelesen, so geheim war das Buch also nicht mehr. Mir wurde deshalb empfohlen nun auch „Lempi, das heißt Liebe“ von Minna Rytisalo eine Chance zu geben. Eine dramatische Liebesgeschichte in Lappland, ungewöhnlich, poetisch und ideal für meine literarische Weltreise. Ein spannender Tipp!

Unterwegs als Fangirl

Als kleine Abwechslung zwischen den Verlagsterminen und dem allgemeinen Rumbummeln habe ich mir noch Vorträge von meinen lieben Sarah und Susanne angesehen und für beide jeweils ein bisschen gefangirlt. Ich freue mich immer noch und immer wieder, welche tollen Menschen ich durch den Blog mittlerweile kennenlernen durfte. Da macht es ehrlich gesagt überhaupt nichts, dass ich nicht ganz die Zielgruppe der Vorträge war (Social Media mach ich ja selbst, ein bisschen), die Referentinnen waren einfach toll.

Und sowieso, die vielen kleinen Vorträge, Diskussionen und Lesungen auf der Messe kann ich nur jedem empfehlen! Ich kann mich nicht unbedingt dafür begeistern den ganzen Tag in Büchern zu blättern. Dann hat die Buchmesse schnell was von einem Buchladen-Besuch bei dem man nichts kaufen darf. Der Input bei diesen Veranstaltungen ist aber unglaublich und inspiriert mich jedes Mal wieder.

Endlich wieder bei Klett-Cotta

Am Nachmittag habe ich dann auch endlich noch dem Klett-Cotta Verlag einen Besuch abgestattet. Ein Verlag, der so fest zum Blog und meinem Bücherregal gehört, dass da ein Besuch immer Pflicht und eine riesige Freude ist. Die Merkliste, die beim Gespräch über die Neuerscheinungen im Frühjahr 2019 entstanden ist, ist dementsprechend lang. Es wird politisch, feministisch und divers, ich freue mich schon wahnsinnig auf diese Titel. Besonders spannend aber wird „Die Mauer“ von John Lanchester, eine hochaktuelle Dystopie über Großbritannien, das nach dem Brexit eine Mauer rund um die Insel zieht.  Ob der Kurs der Abschottung dem Land wirklich so gut tut?

Bei der Frage nach einem Klett-Cotta-Geheimtipp bekam ich erst einen grübelnden Blick und dann zum Glück „Amerika“ von Kai Wieland als Antwort. Im Buch reist ein namenloser Chronist in ein winziges Dorf im schwäbischen Wald, um die Geschichte des Ortes zu schreiben. In Gesprächen mit den Bewohnern kommen dann schnell die kleineren und größeren Dramen und diverse „Leichen im Keller“ ans Tageslicht.
Ich wollte das Buch gestern „nur kurz anlesen“ und habe es mittlerweile verschlungen, dieser Geheimtipp hat für mich voll ins Schwarze getroffen. Die Rezension dazu kommt bald im Blog und ist jetzt schon auf Instagram zu finden.

Nach diesem Termin schwirrte mir endgültig der Kopf vor Neuerscheinungen und spannenden Empfehlungen. Es gibt so viele starke Titel und Themen, dass ich jetzt schon mächtig Lust auf das Frühjahr habe.

Wir sehen uns im März

Den Abschluss des Tages („krönend“ will ich nicht sagen, es war alles an diesem Tag so toll) hat dann für mich noch das Bloggertreffen bei Rowohlt gebildet. Paolo Giordano (ja, genau! Das ist der mit „Die Einsamkeit der Primzahlen“.) hat über sein neues Buch „Den Himmel stürmen“ gesprochen und das Buch auch für jeden Interessierten signiert. Dazu gab es Sekt, Häppchen und noch mal eine Menge nette Begegnungen.

Obwohl ich mir als Souvenir nicht nur Bücher sondern auch einen kleinen Schnupfen von der Messe mitgebracht habe, hat mich dieser Tag wieder sehr beflügelt. Mir Lust auf gute Bücher, aufs Bloggen und Vernetzen gemacht. Ich freue mich jetzt schon auf Leipzig im März und euch alle!

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3 Comments

  • Reply Verena Oktober 15, 2018 at 4:56 pm

    ich war am Samstag auf der Buchmesse und wollte so gerne Miffy sehen, aber ich muss ihn (oder ist das eine sie?) übersehen haben.
    Ich bin eine „schlechte“ Buchbloggerin, denn ich habe alles nur flüchtig angeschaut, mir ein paar Hefte mit Vorschauen und Zeitschriften genommen, keine Bücher mit nach Hause geschleppt und niemanden getroffen, den ich kannte (von den Bloggern (er)kennt mich eh kaum jemand. ). Aber ich habe mir vorgenommen, das mit dem Vernetzen noch mal in Angriff zu nehmen, mehr bei anderen kommentieren und mich einzubringen. Mal schauen, ob das klappt. Ich blogge nun schon seit 2008 über Bücher, aber trotzdem ist mein Blog klein und unbekannt. Naja, das macht ja auch nichts.

  • Reply Janna | KeJas-BlogBuch Oktober 16, 2018 at 12:26 pm

    Ein wunderschöner Bericht und hoffentlich nächstes mal ein Zucker-Date :-*

  • Reply Marius Oktober 16, 2018 at 2:56 pm

    Schöner Bericht, vor allem da du Sachen gemacht hast, die ich auf der Messe diesmal so gar nicht geschafft habe. Mein Fokus lag dieses Jahr auf den Indies. Aber auch alles von Diogenes und Co in deinem Bericht klingt sehr spannend!

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