Erzählung, Fiktion, Liebe

Rezension: Der Blumensammler von David Whitehouse

In „Der Blumensammler“ von David Whitehouse geht es um Sehnsucht. Um die Sehnsucht nach einem aufregenderen, größeren und bedeutenderen Leben, die Sehnsucht nach Liebe und nach Abenteuer.

Das Buch handelt von Peter Manyweathers, einem ziemlich gewöhnlichen Mann, der von einem auf den anderen Tag eine große Leidenschaft entdeckt. Er ist Putzmann und findet am dreckigsten, unscheinbarsten Ort eine wunderhübsche kleine Blume. Fasziniert von der Schönheit dieser Blume beginnt er sich für Botanik zu interessieren. In einem alten Pflanzenführer in der Bibliothek findet er einen Liebesbrief, in dem ein Liebender seine Angebetete mit den sechs seltensten Blumen der Erde vergleicht.

Fortan kann Peter an nichts anderes mehr denken, als daran diese seltenen Blumen mit den eigenen Augen zu sehen. Eine abenteuerliche Reise um die Welt und vor allem raus aus seinem grauen Alltag beginnt.

Mit jeder Seite wird die Geschichte farbiger und… ja, blumiger! Die Pflanzen, Orte und Personen werden unfassbar lebendig und echt beschrieben. Ich habe über jede einzelne Pflanze nach der jeweiligen Episode im Nachhinein recherchiert und war begeistert, wie detailliert der Autor die Pflanzen vor meinem inneren Auge gezeichnet hat. Auch die atemlose Faszination mit der sie beschrieben werden, war einfach authentisch und völlig ansteckend.

Man kann es sich vielleicht kaum vorstellen, es geht immerhin „nur“ um Pflanzen, aber es ist unglaublich spannend die Reise unseres Protagonisten zu verfolgen. Man erlebt selbst den Sog die nächste, noch schwerer zu erreichende Pflanze unbedingt aufzuspüren zu wollen.

Und auch um Peter herum entwickelt sich eine spannende Geschichte. Er begegnet einem dubiosen Reisebegleiter und einer ganz besonderen Frau. Beide Charaktere ziehen die Handlung (und unseren Protagonisten) in verschiedene Richtungen, sorgen für interessante Konflikte und jede Menge Drama.

Neben dieser üppigen und wunderschönen Geschichte entwickelt der Autor noch einen  zweiten Handlungsstrang, der die Erzählung einrahmt und uns schlussendlich erzählt, was aus Sehnsucht und Liebe entstehen kann.

Ich hatte keine Vorstellung was mich in diesem Buch erwarten würde und wurde mehr als reich belohnt. Ein fein geschriebener Roman, der fast ein literarischer „Krimi“ sein könnte, obwohl es nur um Pflanzen geht. Eines der wenigen Bücher, das ich gern noch einmal lesen würde, weil sich so viel darin versteckt.

Der Blumensammler“ von David Whitehouse, übersetzt von Dorothee Merkel, erschienen im Tropen Verlag, 345 Seiten

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