Spannung ist weiblich – Teil 1


Ungefähr ein oder zwei Mal im Jahr suche ich mir Krimis und Thriller heraus, die ich dann in der nächsten Zeit Stück für Stück lesen möchte. Als ich diesmal durch die Vorschauen blätterte und nach Neuerscheinungen oder frischen Taschenbüchern Ausschau hielt, ist mir ganz extrem bewusst geworden, wie wenig Raum weibliche Autorinnen in diesem Genre bekommen. Geht es um Spannung sind es zu 90% männliche Autoren, die da die “Top Titel” ausmachen. Ich habe also diesmal ganz gezielt nach weiblichen Autorinnen von spannenden Büchern in jeder Form gesucht und mir eine bunte Sammlung zusammengestellt.

Mir ist die mögliche Kritik an einer solchen Aufstellung durchaus bewusst. Schließlich schreibt kein Mensch wegen seines Geschlechts bessere oder schlechtere Bücher. Diese Diskussionen sind Quatsch und wir wissen hoffentlich alle, dass es darum nicht geht.
Warum dann eine solche Liste? Weil es leider kein Quatsch ist, dass Frauen weniger Platz eingeräumt wird in diesem Bereich. Im Verlagswesen allgemein, aber auch besonders in diesem Genre bekommen weibliche (oder nicht binäre) Autor*innen zu wenig Aufmerksamkeit. Und diesen Fakt sehe ich kritisch.

Ich wünsche mir mehr Vielfalt in der Literatur und bin davon überzeugt, dass auch nur eine Vielfalt bei den schreibenden Personen dazu beitragen wird diese Vielfalt zu erreichen. Heute gibt es von mir also eine Sammlung demnächst erscheinender Thriller und Krimis im Hardcover oder als Taschenbuch ausschließlich von weiblichen Autorinnen. Damit ihr die anstehenden Wintertage spannend verbringen könnt, passende Urlaubslektüre findet oder einfach mal wieder so zu einem spannenden Titel greift.

Es gibt nervenaufreibende Spannung und Cozy-Crime, Humor und klassische Ermittlergeschichten. Ich hoffe für jede*n von euch ist etwas dabei und ich würde mich freuen, wenn ihr selbst weitere Bücher zu dieser Liste beitragt. Mit einem eigenen Blogartikel, in den sozialen Netzwerken oder auch nur wenn ihr demnächst nach einem Buchtippp gefragt werdet. Denn #spannungistweiblich!

“Denn du sollst sterben” von Debroah Crombie – warum hab ich noch nie etwas von den Kincaid-James-Krimis gehört? Klassische Ermittlerkrimis in britischer Atmosphäre rund um London, ohne große Gewalt aber mit intelligentem Plot. Das ist genau mein Ding! Ich werde mir also die Bücher von Deborah Crombie noch einmal genauer anschauen.

„Denn du gehörst mir“ von Mary Higgins Clark – wenn es um Spannung geht kann ich Mary Higgins Clarks neues Buch nicht ignorieren, ihre Titel sind immer wieder gutes Krimifutter und in diesem hier geht es um einen Cold Case, Stalking und eine offenbar noch nicht überführte Mörderin. Spannend!

„Mexikoring“ von Simone Buchholz – nach „Blaue Nacht“ und „Beton Rouge“ erscheint der dritte Krimi von Simone Buchholz. Hamburg, bzw. St. Pauli, ist einfach die perfekte Kulisse für raue Krimis. Diesmal bewegt sich Staatsanwältin Riley mitten im Clan Milieu, einem Hotspot der organisierten Kriminalität.

„Long Bright River“ von Liz Moore – mein absoluter Favorit in dieser Liste, ein psychologischer und spannender Roman über zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein können. Streifenpolizistin Mickey und ihre drogenabhängige Schwester Kacey, beide unterwegs auf den gefährlichen Straßen New Yorks. Beide verwickelt in die Suche nach einem gefährlichen Frauenmörder.

„Der Antarktisvertrag“ von Rachel Franklin – eine ganz neue aber in den letzten Jahren zunehmend beliebte Kategorie: die Umweltkrimis. Im Antarktisvertrag geht es um eine junge Meeresbiologin, die auf einem Forschungsschiff in der Arktis beängstigenden Machenschaften auf der Spur ist. Als dann noch ein Mord passiert, scheint die Lage zu eskalieren.

„Das stumme Tal“ von Sophie Reyer – erinnert mich ganz stark an „Tannöd“ und besitzt eine ähnlich dunkle Faszination. Ein einsames Tal in im Österreichischen Wald, ein abgelegener Bergbauernhof auf dem sich eine Tragödie abspielt. Hast du auch gleich Gänsehaut? Ich nämlich schon!

„Die Lügner“ von Kate Weinberg – ist irgendwie kein klassischer Krimi und dann doch. Da aber Literaturwissenschaft und Journalismus eine Rolle spielen, landete es einfach doch sehr weit oben auf der Leseliste. Und immerhin gibt es dann noch eine Leiche, deren Ursprung irgendwie erkundet werden muss. Für mich klingt „Die Lügner“ nach einer tollen Mischung aus Belletristik und Spannung und so nach einem ziemlich guten Einstieg.

„Der Schmetterling“ von Gabriela Ullberg Westin – ist der erste Teil einer offenbar ganz klassischen „nordischen“ Krimireihe. Ein kleiner Ort, ein Mord, ein Ermittler und Verbindungen in eine dunkle Vergangenheit. Ich mag diese Krimis für zwischendurch tatsächlich ganz gern und suche immer nach ungewöhnlichen Umsetzungen in diesem Genre. Ich mag Hakan Nesser sehr, aber wer sagt dass es nicht Autorinnen mit genauso charmanten Ermittlern gibt, die ich nur noch nicht kenne?

„Ein Toter zu wenig“ von Dorothy L. Sayers – hier handelt es sich um eine Neuauflage eines Romans aus dem Jahr 1923 und um eine Krimiautorin, die mit Aghata Christie verglichen wird. Um so schlimmer, dass ich sie noch nicht kannte! Humor und Krimi, wieder britisches Flair (ich bin dafür einfach anfällig), das würde mir sicher Spaß machen.

„Vermisst“ von Christiane Dieckerhoff – den größten Anteil im Bereich Spannung haben Autorinnen bei den Regionalkrimis. Diese werden kaum beworben und wirken oft auch recht lieblos gestaltet. „Vermisst“ wirkt für mich da wie eine bessere Inszenierung dieses Konzepts. Es handelt sich um einen „Spreewaldkrimi“ in dem die Region auch wirklich eine Rolle spielt und der trotzdem auch ohne diese Folklore spannend klingt.

“Die Frau im grünen Regenmantel” von Laura Lippmann – mein zweiter Favorit in dieser Liste: ein bisschen “Fenster zum Hof” in modernem Anstrich. Es geht um eine schwangere Privatdetektivin, die vom Fenster aus ermittelt. Aber auch das Thema Mutterschaft wird im Krimi behandelt, ich bin gespannt wie die junge Ermittlerin die Fragen nach ihrer Zukunft beantworten wird. Und ob die Frau im grünen Regenmantel wirklich Opfer eines Verbrechens wurde.

“Das Netz“ von Lilja Sigurdardottir – das verspricht ein nervenaufreibender Thriller aus Island zu werden: es geht um eine schmutzige Scheidung, Drogen und den Finanzcrash. Irgendwie ist Island sowieso perfekt geeignet für diese Art von Geschichte, ein so kleines Land, den meisten von uns völlig Fremd und mit seiner wilden Natur doch ein Sehnsuchtsort.

„Angst in deinen Augen“ von Tess Gerritsen –  Tess Gerritsen studierte Medizin und arbeitete einige Jahre als Ärztin, ihren Romanen merkt man immer wieder an, dass sie vor Blut keine Angst hat. So sind bisher alle Krimis und Thriller die ich von ihr gelesen hab ziemlich nervenaufreibend, cool und eben perfektes Lesefutter für düstere Abende. In „Die Angst in deinen Augen“ geht es nun einmal nicht um einen irren Mörder, sondern um einen Attentäter, der eine Kirche sprengt gerade während da eine Hochzeit stattfinden soll.

„Phantomschmerzen“ von Susan Hill – mit Susan Hill hab ich noch mal so einen ganz klassischen Ermittlerkrimi herausgesucht. Die gemütliche schottische Landschaft im Kontrast zu (natürlich!) einem düsteren Kriminalfall und einem ermittler mit einem Sack voll eigener Probleme (ich hoffe nicht zu viel!). Irgendwie einer dieser Romane von dem man immer mal einen auf Vorrat zu Hause haben will. Denn Obwohl es für Inspector Serrailer jetzt irgendwie doch keine Erholung gibt, gibts die für uns beim Lesen garantiert.

„Mademoiselle Rosalie und der tote Chocolatier“ von Julie Lescault – erst habe ich über dieses Buch (das Cover!) wild mit den Augen gerollt, aber erstens mag ich klassische Whodunnits und zweitens mag ich Bücher von Autorinnen wegen ihrer niedlichen Vermarktung nicht direkt abschreiben. Wer sagt, dass sich hinter einem kitschigen Cover (ich erinnere an die Taschenbuchausgabe von „Die Schatten von Race Point“) keine guten Geschichten verstecken?

„Visitation Street“ von Ivy Pochard – ein Krimi der in Brookyln/New York spielt und mitten durch die wilde Mischung von Menschen in diesem Viertel führt, jetzt kommen wir definitiv weg vom Cozy Crime. „Visitation Street“ ist eher ein harter, rauer Thriller, der nicht nur von einem Verbrechen erzählt, sondern von Hoffnung und Widerstandskraft in einer harten Umgebung.

Das waren meine ersten 16 Titel zu #spannungistweiblich! Ich hoffe es hat euch gefallen. Ich würde diese Kurzvorstellungen gern weiterführen. Ich möchte noch Titel aus der Backlist, Geheimtipps und Reihen sammeln und verschiedene Aspekte weiblicher Spannungsliteratur vorstellen. Es haben nämlich so viele Titel noch nicht auf diese Liste geschafft und gute Spannungsliteratur sollte man doch immer zur Hand haben. Was meint ihr?!

11 Comments

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  1. 1
    Silvia

    Ich stehe total auf Candice Fox und Mo Hayder. Nicht zu vergessen Agatha Christie, die anscheinend ein Revival hat. Meine Tochter (18) hat sie von einer Freundin empfohlen bekommen.
    Mach doch eine Blogtour daraus!
    Viele Grüße
    Silvia

  2. 2
    Josia Jourdan

    Also was du auf jeden Fall noch zur Liste beifügen kannst ist Blue Blue Eyes Von Alice Gabathuler, welches im Februar mit einem grossen Relaunch Wieder zurückkommt.
    Ansonsten Melanie Raabe, Romy Fölck und Karen McManus.

    Danke für den tollen Beitrag!

    Herzlich

    Josia

  3. 4
    Kerstin von KeJasWortrausch

    Hallo Alexandra, viele tolle Vorschläge hast du da zusammen gesucht und ich werde mir die ein oder andere mal näher anschauen.
    In Sachen Spannung kann ich Fred *Frédérique‘ Vargas empfehlen. Die komplette Reihe um den französischen Ermittler Adamsberg ist großartig. Oder Louise Penny, deren spannende Geschichten in Quebeck spielen haben mich auch sehr gut unterhalten. Von den deutschsprachigen empfehle ich Nienke Jos oder Alex Beer. Alles wunderbare Autorinnen.
    Liebe Grüße
    Kerstin

  4. 5
    Jessica Bradley

    Carla Berling ist noch eine tolle deutsche Krimiautorin. Mit Mordkapelle hat sie den 3? 4? (ich weiß es gerade nicht aus dem Kopf) Teil ihrer „Ira Reihe“ geschrieben. Zuerst als SP nun, da so erfolgreich, erscheinen die Bücher bei Heyne.

  5. 6
    Janna | KeJasWortrausch

    Uuuhhh Alex (jetzt nenn ich dich immer wieder so und habe nie gefragt: Alex okay oder lieber Alexandra?) zurück zum Text: ich bin schwer begeistert von deinem Beitrag! Und JA LEIDER braucht es überhaupt solch einen Beitrag, um Büchern von Frauen, gerade bei diesem Genre (oder Horror) in den Fokus zu rücken.
    Und ich habe da ein paar tolle Titel entdeckt, die ich mir mal genauer ansehen werde, wie z.B. „Ein Toter weniger“. Ich durchstöbere ja kaum bis nie Verlagsvorschauen, da ist dein Beitrag natürlich doppelt wundervoll für mich (= (Ja, so eine Bloggerin bin ich, keine Vorschauen *lach). Wenn nun auch das ein oder andere #SPbuch zukünftig vorkommt, feier ich das alles noch mehr ;-*
    Nun überlege ich direkt, solch einen Beitrag im Verlauf des Jahres auch mal zu verfassen.

    Mukkelige Grüße meine Feine!

    • 7
      Alexandra

      Hi meine Liebe (Alex oder Alexandra ist beides übrigens völlig okay!),

      an euch und die #SPBuch Aktion habe ich dabei auch gedacht und deswegen gehofft dass es bald noch viel mehr Beiträge zu Krimis, Thriller, Horror und Dystopien von Frauen gibt. Einfach um Platz zu schaffen für Autorinnen in einem Bereich, der (so hab ich den Eindruck) total männlich dominiert wird, obwohl es unfassbar viele und unfassbar gute Autorinnen gibt.

      Viele liebe Grüße,
      Alex

      • 8
        Janna | KeJasWortrausch

        Bin gerade inmitten meines Beitrags, geht diesen oder nächsten Monat online *-* Krimi, Thriller, Horror, Sci-Fi, aber auch der ein oder andere Roman und natüüürlich #SPbuch. Finde deine Aktion wundervoll!

        Bist du eigentlich in Leipzig?

        Pommes-Schwestern-Grüße!

  6. 9
    Ute

    Tolle Aktion! Habe direkt auch was gebloggt dazu, allerdings auch mit älteren Titeln bzw. laufenden Reihen.
    In deiner Vorschauliste interessieren mich vor allem der Umweltkrimi aufgrund der aktuellen Thematik, und dass es von Tess Gerritsen was Neues gibt, freut mich als alter Fan von „The Surgeon“ natürlich!
    Beste Grüße und danke für den Anstoß!

  7. 11
    Elea Brandt

    Tolle Idee! <3

    Melanie Raabe ist ja schon genannt worden, ansonsten mag ich auch Gilian Flynn ("Gone Girl" oder "Cry Baby") und Paula Hawkins ("Into the water", "Girl on the train"). Alle schreiben eher Spannungsromane als klassische Thriller, gerade deswegen mag ich ihre Bücher aber so gerne, weil sie sehr ruhig sind, einen starken Fokus auf Psychologie und Figurenzeichnung legen und zusätzlich zu der eigentlichen Handlung viel über die Gesellschaft, Geschlechterrollen und Ähnliches erzählen.

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