Drama, Fiktion

Rezension: Mutters letzte Worte von Esther Gerritsen

Es gibt Themen, mit denen möchte man sich nicht beschäftigen. Dazu gehört auch der Tod der eigenen Eltern. Funktioniert dann aber ein Buch, das sich genau darum dreht? Es funktioniert, kleine Schwachstellen gibt es trotzdem.

„Mutters letzte Worte“ von Esther Gerritsen
208 Seiten
18,99 € (Hardcover) oder 14,99 € (Kindle Edition)

Elisabeth und ihre Tochter Coco haben nicht im klassischen Sinne ein schlechtes, aber auch kein enges Verhältnis. Die Treffen sind sporadisch und geplant, viel „unnötigen“ Kontakt haben die beiden sonst nicht. Sie treffen sich zufällig in der Stadt, als Elisabeth ihrer Tochter offenbart, dass sie krank ist. Totkrank. Plötzlich ist sie mit diesem Wissen nicht mehr allein, erhält ungewohntes Mitgefühl von der eigenen Tochter, muss sich aber auch mit ihren eigenen Gefühlen neu auseinandersetzen.

Ich habe dieses Buch entdeckt, als ich eigentlich auf der Suche nach spannenden Titeln in der Herbstvorschau war. Ein kurzer Blick in die Leseprobe hat gereicht um mich zu fesseln. Die Situation beginnt unvermittelt und ist so packend beschrieben, dass man genauso daran festhängen bleibt, wie Mutter und Tochter auf der Straße aneinander hängenbleiben.
Trotz des schweren Themas ist auch von Anfang an ein gewisser Humor zu spüren, das Buch lädt ein statt abzuweisen und macht es dem Leser leicht, sich auch auf so ein Terrain zu wagen, das man sonst eher meiden würde. Für mich eine besondere Qualität des Buches und der Schlüssel dazu, diese Geschichte frei entdecken zu wollen.
Die Geschichte ist nicht im eigentlichen Sinne spannend, aber psychologisch interessant. Besonders der Kontrast in Elisabeths Verhalten, die mit ihrem Friseur ganz frei sprechen kann und im Umgang mit ihrer Tochter so gehemmt wirkt, war für mich interessant. Die einfache Gleichung „nicht mehr allein = glücklich“ geht für die kranke Frau nicht auf, bloße Anwesenheit zaubert eben keine Nähe. So erlebt man mit Mutter und Tochter den schweren Weg, die letzte Zeit gemeinsam zu verbringen und sich dabei noch ein kleines Stück näher zu kommen.
Störend und unnötig habe ich die Nebenhandlung um Coco empfunden. Natürlich muss auch die Tochter einen Weg finden, mit dem Sterben der Mutter umzugehen. Aber die Verhaltensweisen Cocos waren im Buch schwer nachvollziehbar beschrieben, wirkten übersprunghaft und passten nicht zu ihrem sonstigen Charakter. Vor allem die Eskapaden in den Kneipen wirkten etwas eingeschoben in die eigentliche Handlung, zusammenhanglos zum Rest.
Obwohl die Handlung für mich einige störende Punkte aufweist, hebt der wunderschöne Schreibstil diesen Eindruck doch nochmal an, so komme ich auf 4 von 5 recht zufriedenen Leseratten.

Das Buch in einem Tweet: Eine Geschichte um das Sterben der eigenen Eltern, trotzdem nicht überdramatisch sondern sympathisch. Ein schweres Thema leicht behandelt.
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