Wahre Begebenheit, Zeitgeschichte

Rezension: Der Fall Scholl von Anja Reich

„Der Fall Scholl: Das tödliche Ende einer Ehe“ zog im Rahmen des 9. LeseExperiments bei mir ein, heute möchte ich euch endlich davon erzählen. Ich hatte den Titel zwar vorher schon einmal gehört und wusste, dass es sich um eine wahre Begebenheit dreht, hatte sonst aber keine Ahnung was mich erwartet. Aber genau darum geht’s ja in unseren Experimenten.

csm_9783864930232_cover_b2a92278fe„Der Fall Scholl: Das tödliche Ende einer Ehe“ von Anja Reich
Ullstein extra Verlag
208 Seiten
14,99 € (broschierte Ausgabe)

Heinrich Scholl war viele Jahre der Bürgermeister von Ludwigsfelde, Vorzeigebürger und Visionär. Er führte die Region nach der Wende zum wirtschaftlichen Aufschwung und gehörte zum gesellschaftlichen Zentrum der Stadt. Ein scheinbar nahezu perfektes Leben. Bis Heinrich Scholls Ehefrau im Wald erdrosselt aufgefunden wird und der Tatverdacht sehr schnell auf ihren Mann fällt. In einem spektakulären Indizienprozess wird Heinrich Scholl dann tatsächlich verurteilt.
In Ihrem Buch schreibt sich Anja Reich auf die Fahne, die Hintergründe des Falls und die Abläufe während des Prozesses näher zu beleuchten. Bei Beschreibungen wahrer Begebenheiten erwartet man sich als Leser dabei vermutlich gleichermaßen Sensation und sachliche Authentizität. Anfangs arbeitet die Autorin auch sehr detailliert und spannend geschrieben die Lebens- und Liebesgeschichte des Ehepaars Scholl heraus. Schnell wird dabei klar, dass die Beziehung des Paares eher eine Vernunft- denn eine Liebesehe darstellt. Die Schilderung der Lebensgeschichten von Heinrich Scholl und seiner Frau stellen eine gute Basis dar, um sich später in den Fall um das „tödliche Ende einer Ehe“ hineindenken zu können.
Leider haben die detaillierten Beschreibungen beziehungsweise Aufklärungen zum Gerichtsprozess im Fall Scholl dann auf sich warten lassen. Der angenehme Schreibstil hat es mir zwar leicht gemacht, mich auf die Handlung einzulassen, auf echte Fakten habe ich aber vergeblich gewartet. Eher wirkte es auf mich, als wäre die Berichterstattung der Medien noch einmal erzählerisch aufbereitet worden. Zusätzliche Informationen oder Deutungen sucht man vergebens.
Unterm Strich war das Buch für mich eher mäßig. Die Lebensgeschichte des Ehepaares hat mich bewegt und bedrückt, die Intention des Buches blieb mir aber bis zum Ende unklar. Für Leser, die dem Thema näher stehen, wird die Geschichte nicht viel Neues bieten. Für Leser wie mich, die es eher aus dem kriminalistischen Interesse heraus lesen, scheint es ebenfalls zu oberflächlich. Da dieses Buch mich also weder inhaltlich noch sprachlich sonderlich fesseln konnte und in meinen Augen die versprochenen Schilderungen fehlten, kann ich es nur mit 2 von 5 Leseratten bewerten.

2Ratten

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