Erzählung, Fiktion, Wahre Begebenheit, Zeitgeschichte

Rezension: Wer ist B. Traven? von Torsten Seifert

“Wer ist B. Traven?” von Torsten Seifert hat mich wirklich überrascht und absolut begeistert. Es ist ein Buch, dass ich Lesern jeder Altersstufe und verschiedenster Interessen ans Herz legen möchte. Es erinnert an klassische Krimis (wie zum Beispiel von Ross Macdonald), entführt uns in die dunkelsten Ecken Mexikos und dreht sich um einige reale Mysterien rund um einen ganz besonderen Autor.

Bevor ich dieses Buch in den Händen hielt, hatte ich noch nie von B. Traven gehört, mit jeder Seite jedoch bin auch ich mehr und mehr diesem Sog verfallen und wollte unbedingt wissen, wer dieser rätselhafte Autor war. Im Roman wird der Journalist Leon 1947 auf die Spur von B. Traven gesetzt. Er soll herausfinden, wer der Mann hinter dem Pseudonym ist und damit das größte literarische Rätsel dieser Zeit lösen. Leon begibt sich nach Zentralmexiko, wo gerade die Verfilmung zu “Der Schatz der Sierra Madre” gedreht wird, und versucht dem Geheimnis dort auf die Schliche zu kommen.

Sprachlich könnte dieser Roman gut aus der Zeit B. Travens sein, zeichnet sich aber durch einen ganz eigenen, feinen Humor in der Beschreibung von Situationen und Menschen aus. Diese Mischung machte für mich genau den Reiz aus zwischen einer besonderen, eher klassischen Sprache und dem schnelleren, modernen Tempo, das einen Roman “gut lesbar” macht. Vor allem wie immer wieder Klischees dargestellt und (keine Sorge!) später wieder über Bord gekippt werden, hat mich begeistert.

Leon hielt Mexiko für eine Art Niemandsland, das abwechselnd von Revolutionen, Vulkanausbrüchen, Banditen und ausgedehnten Siestas ruiniert wurde.

Ganz besonders angetan haben es mir aber die Figuren des Romans: wir spielen Schach mit Humphrey Bogart, treffen Urgesteine der Journalistenszene und viele andere ziemlich seltsame Gestalten. Mit jedem neuen Charakter eröffnet sich eine neue Welt und die Figuren werden in wenigen Sätzen so toll portraitiert, dass man sie direkt vor Augen hat. Auch Leon, als Hauptfigur, macht da keine Ausnahme: er ist ein mäßig erfolgreicher und mäßig ambitionierter Reporter, wird aber als äußerst charmant und integer dargestellt. Eine Figur, der man gern folgt wenn er sich verliebt und mit ihm auch mal im Dschungel festsitzt.

Immer wieder werden auch Auszüge aus den Romanen B. Travens eingeschoben und Hintergründe zu ihrer Handlung und Entstehung erläutert. Das empfinde ich als besonders gelungen, weil es den Bezug zur real existierenden Person Traven zeigt und den Leser so noch tiefer in dessen Welt mitnimmt.

Insgesamt ist “Wer ist B. Traven?” ein perfekter Roman für gemütliche Leseabende, kann guten Gewissens verschenkt (irgendetwas ist bestimmt für jeden dabei) und immer wieder zur Hand genommen werden.

“Wer ist B. Traven?” von Torsten Seifert, erschienen im Tropen Verlag, 268 Seiten, 20,00 € (Hardcover)

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