Entdeckt, Im Rattenbau

Meine meist erwarteten Bücher in diesem Herbst

Vor Kurzem bin ich schwach geworden: ich habe in den Herbstvorschauen der Verlage gestöbert, obwohl das mir und meiner Bücherwunschliste so gar nicht gut tut. Ich bin auf unheimlich tolle Bücher gestoßen, die ich nun kaum noch erwarten kann.

Im Moment versuche ich mir daraus eine passende Liste an Büchern für den Herbst zusammenzustellen. Einige habe ich auch schon gelesen und ich kann euch sagen, dieser Herbst wird richtig gut! Sage und schreibe 30 Bücher habe ich herausgesucht, die ich euch heute im Schnelldurchlauf ans Herz legen will. Für ausführliche Klappentexte, Beschreibungen und ggf. Leseproben habe ich die Verlagsseite verlinkt.

Haftungsausschluss: für eventuelle finanzielle Folgen, wegen aus dieser Liste resultierender, exzessiver Buchkäufe übernehme ich keine Haftung. Ebenso für gesundheitliche Schäden vom „die Nächte durchlesen“.

Viel Spaß!

JUGEND UND FREUNDSCHAFT

Eigentlich ist für mich der Sommer die Zeit für diese Art von Geschichten: unverbrüchliche Freundschaften, Kindheit und Coming-of-Age in den verschiedensten Farben und Formen. Ich mag die Leichtigkeit, die in diesen Romanen oft mitschwingt, auch wenn manchmal gar nicht so leichte Themen behandelt haben. Weil diese Bücher mich irgendwie immer bewegen, habe ich auch aus dem aktuellen Herbstprogramm ein paar besondere Perlen ausgesucht.

„Von Nachteule an Sternhai“ von Holly Goldberg Sloan und Meg Wollitzer wartet hier schon auf meine Lektüre und „Die andere Hälfte der Augusta Hope“ möchte ich auch ganz dringend lesen. „Sommerverschwendung“ aus dem österreichischen Picus Verlag klingt nach in Buchdeckel gepressten Kindheitserinnerungen und „Poet X“ könnte ein richtig großes Ding werden.

“Die andere Hälfte der Augusta Hope” von Joanna Glen (Arche Verlag, erscheint am 23.08.2019) – erzählt von Augusta und Julia, Zwillingsschwestern, die ebenso unzertrennlich wie gegensätzlich sind. Als Augusta ihre Schwester verliert, muss sie sich erst völlig neu im Leben zurechtfinden. Eine Geschichte über Verlust und Lebensfreude.

“Wir, im Fenster” von Lene Albrecht (Aufbau Verlag, erscheint am 13.09.2019) – handelt von der Freundschaft zweier Mädchen im Berlin der Nachwendezeit. Laila und Lin sind unzertrennlich, bis etwas Unverzeihliches ihre Freundschaft in einem heißen Sommer in die Brüche gehen lässt. Ein Roman über Freundschaft und Verrat.

“Das letzte rote Jahr” von Susanne Gregor (Frankfurter Verlagsanstalt, erscheint am 30.08.2019) – eine Freundschaftsgeschichte in der Slowakei in den 1980er Jahren. Drei Mädchen leben im selben Haus, sind beste Freundinnen, haben aber trotzdem ganz unterschiedliche Hintergründe. Ob die politische Flucht nach Österreich oder die Flucht in die Literatur, die Mädchen gehen eigene Wege.

“An Nachteule von Sternhai” von Holly Goldberg Sloan (Hanser Literaturverlage, erscheint am 22.07.2019) – ist ein e-Mail-Roman in seiner schönsten Form. Zwei Mädchen, deren Väter gerade ein Paar geworden sind, kommen via e-Mail in Kontakt. Sie wollen AUF GAR KEINEN FALL Freundinnen werden, nähern sich über ihren Schriftwechsel doch irgendwie an.

“Sommerverschwendung” von Barbara Schwarcz (Picus Verlag, erscheint am 17.07.2019) – erzählt von einem Sommer, wie wir sie alle noch aus unserer Kindheit kennen: wenn irgendwie alles möglich scheint und der Tag nach warmen, staubigen Straßen und Sonne riecht. In dieser Kulisse erlebt ein siebenjähriges Mädchen auf einer Urlaubsreise nach Ungarn seinen ganz eigenen Aufbruch.

“Poet X” von Elizabeth Acevedo (Rowohlt Verlag, erscheint am 20.08.2019) – handelt von einem Mädchen, das ihre Worte für sich behält, sie für immer verschluckt zu haben scheint. Doch sie trägt ein Geheimnis: ihre Gedanken vertraut sie ihrem Notizbuch an, in Gedichten macht sie ihren Gedanken Luft. Und dann ist da auch noch ein Poetry Slam Club, der all diese Gedanken ans Licht bringen wird.

FAMILIENDRAMEN

Geschichten von Familien im Umbruch, mit besonderen Familienkonstellationen oder Herausforderungen habe ich hier zusammengetragen. “Upstate” erinnert mich sehr an “Stellt euch vor, ich bin fort” und ist in dieser Kategorie das von mir am meisten erwartete Buch. Alle Bücher drehen sich um die, teils widersprüchlichen, Gefühle innerhalb einer Familie, um Solidarität und Liebe ebenso wie Abneigung und Neid.

“Der größte Spaß, den wir je hatten” von Claire Lombardo (dtv Verlag, erscheint am 20.09.2019) – stellt die Frage, wie wir das überbordende Glück unserer eigenen Eltern aushalten können? Drei Geschwister sehen sich gescheitert, im Vergleich zu ihren alles überstrahlenden Eltern. Sie kämpfen gegen Alkohol, Einsamkeit und überhöhte Erwartungen.

“Sal” von Mick Kitson (Kiepenheuer & Witsch, erscheint am 22.08.2019) – Sal ist 13 und weiß wie man in der Natur zurecht kommt, das ist wichtig, denn genau da hin will sie ihre Schwester Peppa bringen. Bevor der Freund ihrer Mutter auch Peppa etwas antut, will ihre große Schwester das Mädchen in Sicherheit bringen. Ein Roman über die Liebe zwischen zwei Schwestern, Verantwortung und eben auch die Natur.

“Das Kinderhaus” von Alice Nelson (List Verlag, erscheint am 26.07.2019) – erzählt von einer selbst gewählten Familie. Es erzählt von einer Professorin aus New York, die einem inneren Drang folgend ein Kind bei sich aufnimmt, in dessen Geschichte sie ihre eigene wiedererkennt und dem sie eine Mutter sein will. Ein Buch über verlassene Kinder und den Versuch zu lieben.

“Der Platz im Leben” von Anna Quindlen (Penguin Verlag, erscheint am 21.10.2019) – handelt von einer Frau, in deren Leben nichts besser laufen könnte (die Zwillinge sind auf guten Colleges, mit ihrem Mann ist sie seit 25 Jahren verheiratet), bis ein brutaler Mord ihre Nachbarschaft erschüttert. Plötzlich wird die idyllische Nachbarschaft aus ihrem friedlichen Trott gerissen und völlig neue Konflikte tun sich auf.

“Upstate” von James Wood (Rowohlt Verlag, erscheint am 19.11.2019) – beschreibt eine Familie, die versucht mit der Depression einer der beiden erwachsenen Töchter umzugehen. Eine Familie, die schon vieles gemeinsam durchlebt hat, versucht auch hier füreinander da zu sein und so weit das möglich ist, sich gegenseitig Kraft zu geben. Vielleicht kann Glücklichsein gelernt werden?

BESONDERE LEBENSWELTEN

Die nächsten Titel werden außergewöhnlicher. Sie drehen sich um Lebenswelten in Afrika und Indien, um junge Frauen und Männer, die ihren Platz im Leben finden. Was heißt es zum Beispiel im gegenwärtigen Südafrika eine junge Frau zu sein? Wie erlebt man bei einem Umzug von Ghana nach London das eigene Erwachsenwerden? “Halt” von Michael Donkor ist in dieser Kategorie mein absoluter Favorit, dicht gefolgt von “Du musst verrückt sein, wenn du trotzdem glücklich bist” von Kopano Matlwa, beides sind moderne Geschichten mit afrikanischen Protagonistinnen auf die ich mich unheimlich freue.

“Die Inseln” von Amitav Ghosh (Blessing Verlag, erscheint am 14.10.2019) – ist ein spannender Mix: die Geschichte erzählt von einer bengalischen Sage um eine Schlangengöttin und zwei jungen Männern, deren Lebenswege in Kalkutta beginnen, sich aber auf spektakuläre Weise trennen. Der eine wird angesehener Dolmetscher, der andere ein Klimaflüchtling.

“Du musst verrückt sein, wenn du trotzdem glücklich bist” von Kopano Matlwa (btb Verlag, erscheint am 12.08.2019) – wird angepriesen als “die Adichie Südafrikas”. Das Buch handelt von einer jungen Frau, die als Assistenzärztin in Johannesburg arbeitet. Sie bekommt dort alles mit von Rassismus bis zu Religiosität und Tradition.

“Halt” von Michael Donkor (Edition Nautilus, erscheint am 02.09.2019) – Belinda lebt in Ghana unter schwierigen Verhältnissen, Amma in London privilegiert aber rebellisch. Belinda wird zu Amma nach London geschickt, sie soll genau der Einfluss sein, den Amma braucht. Eine Coming-of-Age Geschichte in verschiedenen Kulturen.

“Der Goldene Pavillon” von Yukio Mishima (Kein & Aber, erscheint am 12.11.2019) – 1950 brennt der berühmte Goldene Pavillon in Kyoto, in Brand gesteckt von einem jungen Mönch des Tempels. Der Autor Yukio Mishima besucht den Mönch im Gefängnis, aus Gesprächen mit ihm entsteht dieses Buch. Es erzählt wie der junge Mönch von einem stotternden, unsicheren Jungen zu einem verzweifelten Mann wurde, der nur noch einen Weg sah.

“Die Wunder von Little No Horse” von Louise Erdrich (Aufbau Verlag, erscheint am 08.11.2019) – ist wieder Erzählung über die amerikanischen Ureinwohner. Vater Damien Modeste hat seinen Stamm mehr als ein halbes Jahrhundert geführt, nun geht sein Leben zu Ende und er muss um das große Geheimnis seines Lebens bangen: Damien Modeste ist eine Frau, die sich gezwungen sah sich selbst zu verleugnen, um ihrem Glauben und Stamm dienen zu können.

“Tausend Väter” von Nhung Dam (Ullstein Verlag, erscheint am 30.08.2019) – die elfjährige Nhung kommt mit ihrer Familie als Bootsflüchtlinge in die Niederlande. Doch schnell verlässt der Vater die Familie und Nhung ist mit ihrer Mutter allein in diesem fremden, eiskalten Land. Das Mädchen versucht sich eine Kindheit in der Düsternis zu erhalten und taucht mit ihrer Phantasie in märchenhafte Abenteuer ab.

GESCHICHTE

Klassische historische Romane lese ich nicht mehr, aber immer wieder finde ich Bücher, die gute Geschichten an tatsächlichen historischen Geschehnissen festmachen oder auch, wie in „Ich bin Circe“, uralte Erzählungen neu aufbereiten.

Diese drei Bücher haben mich besonders begeistert, weil sie – jedes auf seine Art – die Geschichte von starken Frauen erzählt. In schwierigen Situationen, als Heldinnen ihrer Zeit.

“Ich bin Circe” von Madeline Miller (Eisele Verlag, erscheint am 30.08.2019) – erzählt eine über zweitausend Jahre alte Geschichte neu. Die Geschichte der Circe, Tochter von Sonnengott Helios und Nymphe Perse. Eine rebellische, starke Figur der griechischen Mythologie wird hier aus einer feministischen Perspektive porträtiert. Die Geschichte musste dafür nicht abgeändert, sondern nur neu zusammengefasst werden.

“Die Zeit des Lichts” von Whitney Scharer (Klett Cotta, erscheint am 26.10.2019) – spielt im Paris der 1930er Jahre, in der Pariser Bohème. Mitten drin die Fotografin und Reporterin Lee Miller, die sich weigerte in jemandes Schatten zu stehen und mit ihren Fotos weltberühmt wurde. Scharer erzählt in diesem schillernden Roman das Leben einer mindestens so schillernden Persönlichkeit.

“Das Glück der kalten Jahre” von Martyna Bunda (Suhrkamp, erscheint am 29.09.2019) – ist ein Roman über die Zerwürfnisse, Trennungen und Hoffnungen einer Mutter und ihrer Töchter im zweiten Weltkrieg in Polen. Die Frauen erleben in den kalten Kriegsjahren das Schrecklichste, aber auch eine große Solidarität und Liebe füreinander.

WAS FÜRS HERZ

Wenn es dann im Herbst langsam dunkler und kühler wird, brauche ich auch ab und an wieder mal Bücher fürs Herz. Es darf gern auch ein wenig kitschig werden, hauptsache es gibt Themen zum Nachdenken und gute Unterhaltung. Das kann ganz unkompliziert sein, wie in der Fabel „Fuchs 8“ oder dem Wohlfühl-Grusel-Roman „Das Geheimnis von Shadowbrook“, aber auch etwas härter wie in „Niemandskinder“.

Wer hätte es gedacht? Aber natürlich ist diese etwas schwere Kost mein absoluter Favorit in dieser Kategorie. Ich finde die Verbindung aus Liebesgeschichte und Terror, Gegenwart und Vergangenheit extrem verlockend.

“Die verlorenen Blumen der Alice Hart” von Holly Ringland (Limes Verlag, erscheint am 22.07.2019) – duftet und strahlt. Ein Roman über eine Farm auf der Frauen, die einen schweren Schicksalsschlag verkraften mussten zusammenkommen können, um sich zu erholen und ein Mädchen, das mitten in dieser Gemeinschaft ein neues Zuhause findet.

“Das Geheimnis von Shadowbrook” von Susan Fletcher (Insel Verlag, erscheint am 28.10.2019) – eigentlich soll die junge Botanikerin Clara Waterfield in Gloucestershire ein Gewächshaus mit exotischen Pflanzen aufbauen. Doch im dazugehörigen Anwesen scheinen unheimliche Dinge vorzugehen, denen Clara unerschrocken auf den Grund gehen will.

“Fuchs 8” von George Saunders (Luchterhand, erscheint am 28.10.2019) – ist eine Fabel über das Anderssein. Von einem Fuchs, der die Sprache der Menschen lernte, weil er gut zuhören konnte und dadurch das Schicksal der Füchse ändern will. Er will seine Familie retten und geht ausgerechnet zu den Menschen.

“Niemandskinder” von Christoph W. Bauer (Haymon Verlag, erscheint am 16.07.2019) – erzählt von einem jungen Mann, der in Paris auf der Suche nach seiner vergangenen Liebe ist, als die Terroranschläge 2015 die Stadt erschüttern. Wohin er kommt sieht er sowohl die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit als auch die Düsternis der Gegenwart.

ÄLTER WERDEN

Ich freue mich schon auf einen melancholischen Herbst. Von meinen 30 gewählten Titeln haben einige (auch aus den anderen Kategorien) mit dem Älter werden und Abschied zu tun. Manchmal geht es um’s „richtig Erwachsen werden“ wie in „nix passiert“ von Kathrin Weßling, manchmal um den Abschied am Lebensabend, wie in „Herbst“ von Ali Smith.

Mein absoluter Favorit aus dieser Kategorie war „Radio Activity“, welches ich mittlerweile schon gelesen habe. Karin Kalisas erster Roman “Sungs Laden” war ein Feelgood-Buch über kulturelle Unterschiede und (wichtiger noch!) Gemeinsamkeiten. Ihren neuen Roman wird es nun deutlich aufregender, es geht um Trauer und Moral. Meine Rezension dazu folgt bald. Und vielleicht schaffe ich ja noch ein Buch aus dieser Kategorie zu lesen?

“Keiths Probleme im Jenseits” von Linus Reichlin (Galiani Berlin, erscheint am 22.08.2019) – erzählt eine wirklich abgedrehte Geschichte. Von Keith Richards (gerade gestorben), Fred (Wahrscheinlichkeitsexperte und gerade ziemlich verzweifelt) und seinem Freund Ben (gemeinsam gestrandet auf einer einsamen Insel). So eine Art Lost mit paranormalen und stochastischen Einschüben.

“Wie ein Maultier, das der Sonne Eis bringt” von Sarah Lapido Manyika (Hanser Literaturverlage, erscheint am 22.07.2019) – handelt vom Älterwerden, aber nicht mit seinen vielen Krankheiten, sondern mit der besonderen Freude und dem besonderen Genuss am Leben, den eine schillernde ältere Dame daraus zieht. Essen, Freunde, Bücher, Sex – eine Geschichte über die wichtigsten Freuden des Alltags.

“Herbst” von Ali Smith (Luchterhand, erscheint am 21.10.2019) – ist der Beginn eines Jahreszeiten-Quartetts. Das Buch erzählt von Daniel, der im Herbst 2016 einhundert Jahre alt wird, von seiner Vergangenheit und der Zukunft Großbritanniens.

“Radio Activity” von Karin Kalisa (C.H. Beck, erscheint am 18.07.2019) – eine junge Frau kehrt in die Heimatstadt ihrer Mutter zurück, um diese beim Sterben zu begleiten. Aber dabei bleibt es nicht. Nora möchte ein Unrecht ungeschehen machen, welches ihrer Mutter vor langer Zeit wiederfuhr. Ein Buch über Gerechtigkeit und Abschied.

“Nix passiert” von Kathrin Weßling (Ullstein Verlag, erscheint am 29.11.2019) – handelt von einem jungen Mann, der mit achtzehn so schnell wie möglich die öde Provinz verlässt, mit dreißig dann zurück möchte in die Heimat. Es handelt vom Weggehen und Zurückkommen, was wesentlich schwerer ist, und der Suche nach der eigenen Identität.

“Das Licht ist hier viel heller” von Mareike Fallwickl (Frankfurter Verlagsanstalt, erscheint am 30.08.2019) – Maximilan Wenger, gescheiterter Bestsellerautor und Ehemann, steht im Mittelpunkt dieser Geschichte über Liebe und Familie. Er liest Briefe, die eigentlich an seinen Vormieter adressiert sind, ihn aber ihn inspirieren und sein Leben auf eine neue Bahn werfen.

Das war der Schnelldurchlauf durch meine heißest ersehnten, dringendst erwarteten Bücher aus diesem Herbst. Hast du da (oder anderswo) vielleicht auch schon Bücher entdeckt, auf die du dich richtig freust?

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