Rezension: Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens


Eine Rezension zu “Der Gesang der Flusskrebse” zu verfassen, fällt mir unheimlich schwer. Weil dann natürlich jede*r erst mal wissen will

“Was ist das denn eigentlich für ein Buch?”

Tja, und das ist wirklich schwer zu beschreiben. Dieses Buch bietet nämlich unheimlich viel: es enthält einen Kriminalfall, eine Menge Drama, eine berührende Liebesgeschichte und gleichzeitig eine poetische Liebeserklärung an die Natur. Auf welchen Aspekt sollte ich mich konzentrieren? Ich habe geweint und mit Kya in all der Grausamkeit und Einsamkeit ihres Lebens gelitten. Ich habe die Beschreibungen der wunderschönen Umgebung bestaunt und die Szenerie beinahe vor mir gesehen. Als ich für die Buchfotos an einem kleinen Fluss unterwegs war, fühlte es sich an als wäre ich mit Kya schon einmal da gewesen. Ich habe mit diesem Buch eine unglaublich intensive, herrliche Lesezeit verbracht.

Irgendwo habe ich gelesen, dass Kya, die Heldin des Romans, ein weiblicher Huckleberry Finn wäre. Das trifft den Punkt zumindest dahingehend sehr gut, dass Kya eine Hauptfigur ist, die unglaublich starke Emotionen weckt. Ich habe sie so geliebt.
Und auch das Setting der Geschichte erinnert ein wenig an Romane wie Huckleberry Finn. “Der Gesang der Flußkrebse” spielt in einer Marschlandschaft in der Nähe einer kleinen amerikanischen Stadt. Kya Clark, die Hauptfigur des Romans, lebt mit ihrer Familie in der Marsch. Sie gehören zur weißen Unterschicht und haben kaum Kontakt zu den Menschen in der Stadt. Als Kyas Mutter, verzweifelt vom Saufen und den Demütigungen ihres Mannes, die Familie verlässt, beginnt diese Familie, das einzige was Kya kennt, sich aufzulösen. Völlig auf sich gestellt, wächst das Mädchen heran und muss sich ihren Platz im Leben im wahrsten Sinne des Wortes hart erkämpfen.

Die Kapitel des Romans springen zwischen Kyas Kindheit und einem wichtigen Ereignis später in der Stadt, als Kya bereits eine junge Erwachsene ist, hin und her. Zunächst scheinen diese beiden Zeitabschnitte, bis auf ihren Handlungsort, nicht verbunden. Doch später nähern sich die Zeitebenen immer mehr an und man erkennt die feinen Verbindungen der Geschichten. Dieser erzählerische Trick ist natürlich nicht wirklich neu, er ist hier aber besonders schön gelungen.

Eigentlich möchte ich bei allem in diesem Roman nur sagen „es ist soooo schön gelungen“. Schon sprachlich hat mich diese Geschichte völlig überzeugt. Alles ist ganz fein und klar beschrieben, die Autorin hat ein wunderbares Auge fürs Detail bewiesen. Für mich ein ganz besonderer Genuss.
Trotzdem darf das natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Geschichte ihre rauen Ecken und Kanten hat. Wie ich schon angedeutet habe, erlebt Kya viel Einsamkeit und Grausamkeit, das hat mir beim Lesen im Herz weh getan.

Ich möchte dieses Buch allen Leser*innen ans Herz legen die spannende, mitreißende oder romantische Geschichten lieben oder ein Herz für die Natur haben. Also mal ehrlich?! Eigentlich möchte ich dieses Buch ALLEN Leser*innen ans Herz legen!

 

„Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens, übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, erschienen im Hanser Literaturverlag, 457 Seiten

 

Weitere Rezensionen:

  • du hast das Buch auch vorgestellt, gib mir doch bitte Bescheid, dann verlinke ich dich gerne noch hier

1 comment

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  1. 1
    Konstanze

    Das klingt wirklich nach einem bewegenden Buch und hoffentlich nach einer Geschichte, in der die Schattenseiten im Leben durch die schönen Dinge ausgeglichen werden. Da die Bibliothek den Titel im Bestand hat, schaue ich mal, ob ich den Roman demnächst ausleihe – es wird eh wieder Zeit, dass ich mal wieder intensiv ein Buch lese. ;)

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