Erzählung, Fiktion, Humor

Rezension: Die Biene und der Kurt von Robert Seethaler

Lange hat „Die Biene und der Kurt“ von Robert Seethaler mehr oder minder unentdeckt in meinem Bücherregal geschlummert. Auf der verzweifelten Suche nach neuem Lesefutter ist es mir jetzt in die Hände gefallen. Ich habe es „nur kurz anlesen“ wollen und konnte nicht mehr aufhören.

„Die Biene und der Kurt“ von Robert Seethaler
Goldmann Verlag
320 Seiten
(meine Taschenbuchversion ist leider schon etwas in die Jahre gekommen, neu gibt’s das Buch als Hardcover vom kein & aber Verlag für 18,90 €)

Die Geschichte ist einfach erzählt: Biene Kravcek ist klein, dick und hat eine Brille mit 17 Dioptrien. Zu allem Überfluss lebt sie in einem katholischen Mädcheninternat.  Dort sind die Tage stinklangweilig und Biene wird von den anderen Mädchen geärgert und gequält. Eines Tages hat sie genug vom Mädcheninternat und macht sich aus dem Staub. Auf ihrem Weg trifft sie Kurt Heartbreakin‘ Dvorcak, einen alternden Unterhaltungssänger mit einem ziemlich starken Alkoholproblem. Kurt ist mit seinem Heartbreakin Mobil unterwegs und tingelt durch kleine Orte um als „King of Schlager and Rock’n’Roll“ ganz groß heraus zu kommen, bisher ohne rechten Erfolg. Biene schließt sich ihm an und es beginnt eine abenteuerliche Reise durch die deutsche Provinz. Auf der Suche nach dem großen Ruhm und der großen Liebe erleben Biene und Kurt einige Abenteuer und werden ein ziemlich starkes Team.
Der Schreibstil von Robert Seethaler ist herrlich komisch und besonders seine witzigen Beschreibungen von Orten und Personen haben es mir angetan. Schon alleine die Einführung in die Geschichte mit der Vorstellung von Biene und dem Mädcheninternat hat mich immer wieder herzhaft lachen lassen. Die Sätze wimmeln nur so von skurrilen zusammengesetzten Substantiven („Mädcheninternatleiterinnenbüro“ oder „Bienebauch“ fand ich besonders witzig) und geben dem Buch so eine ganz eigene Sprachmelodie.
Obwohl die Geschichte zu Beginn einfach nur komisch und albern wirkt hat sie doch auch einige wirklich rührende und tragische Momente. Am Schluss hat mich das Buch sprachlos zurück gelassen, denn ich hätte nie geahnt wohin sich dieses kleine Roadmovie entwickeln wird, so viel Gefühl hätte ich dieser kleinen Geschichte irgendwie nicht zugetraut. Robert Seethaler hat es geschafft, dass alle Charaktere, so absurd sie auch zuerst wirken mögen, wirklich und wahr erscheinen. Man muss einfach mit Biene und Kurt mitfühlen. Die beiden Außenseiter haben so viel Herz und versprühen in aller Tragik noch so viel Leben und Liebe.

Unterm Strich bekommt „Die Biene und der Kurt“ von mir 5 von 5 Leseratten. Es ist ein kleines Buch das mich mit viel Humor und Gefühl begeistern konnte. Der einzige Kritikpunkt ist für mich, dass die Geschichte viel zu schnell vorbei war und ich die Reise von „Kurt Heartbreakin‘ Dvorcak and his Honey Bee“ nicht länger begleiten durfte.

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1 Comment

  • Reply Montagsfrage #86 von Buchfresserchen Mai 9, 2016 at 4:21 pm

    […] zu verfassen. Meine erste Rezension, die nicht zuerst auf vorablesen erschien, ist die zu „Die Biene und der Kurt“. Sie ist bis heute einer der meistgelesenen Beiträge auf dem Blog (warum auch […]

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