Erzählung, Fiktion

Rezension: Der Distelfink von Donna Tartt

Auf wenige Bücher habe ich in letzter Zeit so gewartet und war so neugierig, vorfreudig und gespannt wie auf „Der Distelfink“ von Donna Tartt. Schon in der Verlagsvorschau habe ich mich in die Beschreibung des Buches verliebt. Häufig führen solch hohe Erwartungen und Hoffnungen zu herben Enttäuschungen, nicht so in diesem Fall: das Auf und Ab der Geschichte hat mich völlig gefangen genommen und ich habe die über tausend Seiten dieses Buches förmlich aufgesaugt.

„Der Distelfink“ von Donna Tartt
1024 Seiten
24,99 € (Hardcover) oder 19,99 € (Kindle Edition)

Viele Bücher beschäftigen sich mit der Macht des Schicksals. Mit dem „was wäre wenn“ und den Auswirkungen einzelner Ereignisse oder Entscheidungen auf das Leben eines Menschen. In „Der Distelfink“ scheint das Leben des Protagonisten, Theo Decker, durch eine ganze Reihe bösartiger oder glücklicher, in jedem Falle launischer, Eingriffe des Schicksals durcheinandergeworfen zu werden. Alles beginnt als Theo dreizehn Jahre alt ist, denn da ändert ein Tag sein ganzes Leben: er besucht mit seiner Mutter ein New Yorker Museum, nur kurz trennen sich die Beiden, als eine Bombe im Museum detoniert. Seine Mutter stirbt und Theo nimmt in den Wirren des Attentats das kleine Gemälde „Der Distelfink“ an sich. Von diesem Tag ausgehend begleiten wir Theo und das Gemälde auf einem aufregenden Lebensweg.
Eigentlich ist „Der Distelfink“ mal wieder ein Buch, über dessen Handlung ich am liebsten sehr viel mehr erzählen würde. Die vielen Wendungen, die Hochs und Tiefs in Theos Leben haben mich gefesselt und begeistert. Trotz des Umfangs des Buches wurde es nie langweilig, die Geschichte ist facettenreich, spannend und kurzweilig erzählt. Ich konnte nach dem Lesen kaum glauben, dass ich diesen „Wälzer“ in so kurzer Zeit verschlungen habe. Einige Wendungen waren so unvorhergesehen und überraschend, dass ich regelrecht geschockt war. Positiv natürlich. Und trotz dieser „Page Turner“-Qualitäten ist „Der Distelfink“ auch ein Buch, das viele detaillierte Beschreibungen und fast filmische Inszenierungen bietet. Eigentlich müsste man dieses Buch ganz genüsslich lesen um die verschiedenen Stimmungen der Szenen richtig auf sich wirken lassen zu können. Allein, der Drang immer weiter zu erfahren wie sich die verschiedenen Konflikte lösen lassen einem diese Ruhe manchmal nicht.
Auch die Charaktere sind außergewöhnlich stark beschrieben und waren mir ohne Ausnahme sympathisch. Besonders der Protagonist und die erzählende Stimme Theo ist mir sehr ans Herz gewachsen. Die Entwicklung Theos im Buch ist enorm. Der anfangs noch sehr kindliche Junge der in seinem Leben so viele Verluste durchlebt, aber auch Freundschaft und Liebe erlebt hat das Buch wirklich getragen. Keine der Figuren ist perfekt oder ein klassischer Held, aber alle tragischen Figuren haben eine gewisse Stärke trotz aller Probleme und alle starken Charaktere kämpfen mit ihren eigenen Schwächen.
„Der Distelfink“ ist ein Buch, dass unglaublich viele Themen behandelt: es dreht sich um Kunst und Drogen, Gewalt und Liebe. Das Buch ist sowohl Krimi als auch Liebesgeschichte, Wirtschaftsthriller und Familienroman. Ich freue mich unheimlich, dass ich dieses Buch für mich entdeckt habe. Ich kann nur begeisterte 5 von 5 Leseratten vergeben, weil es eines der außergewöhnlichsten, beeindruckendsten und mitreißendsten Bücher ist, dass ich seit Langem gelesen habe.

Mit Donna Tartt habe ich eine außerdem neue Autorin nach meinem Geschmack entdeckt, „Der kleine Freund“ und „Die geheime Geschichte“ stehen noch auf meiner Leseliste.
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7 Comments

  • Reply Die Leserin April 3, 2014 at 12:08 pm

    Hallo Alexandra!
    Noch so eine begeisterte Stimme zum Distelfink. Ich bin ja immer noch neugierig auf das Buch, konnte mich aber noch nicht durchringen, so einen Wälzer zu lesen. Mich schrecken die Seiten nämlich schon ab.
    Aber so langsam sollte ich wirklich zu diesem Buch greifen, denn noch nirgends habe ich gelesen, dass es gekürzt gehört *lach*.
    Vielen Dank für die Rezension, liebe Grüße, Iris

    • Reply Alexandra.Luchs April 6, 2014 at 7:30 am

      Nein! Gekürzt gehört dieses Buch wirklich nicht, es hat mich nie „Überwindung“ gekostet weiter zu lesen, wie es bei manchem zähen Buch schon war, die Länge des Buches hat einfach gepasst 🙂

      Viele Grüße, Alex

  • Reply Janine Brandstetter April 5, 2014 at 11:01 pm

    Ah, ich liebe dicke Wälzer und dieses Buch hat es vor kurzem auch auf meine Wunschliste ganz nach vorne geschafft. Jetzt, nach deiner Rezension, freue ich mich nur noch mehr darauf, es zu lesen. 😉

    Alles Liebe ♥, Janine

    • Reply Alexandra.Luchs April 6, 2014 at 7:35 am

      Seit ich Blogge habe ich viele (für meine sonstige Gewohnheit) eher schmale Bücher gelesen und keine wirklichen Wälzer mehr zur Hand genommen, obwohl ich sie eigentlich so liebe 🙂
      Es war gut zum Distelfink gegriffen zu haben, viele meiner liebsten Bücher sind echte Wälzer und er passt gut in diese Reihe (tolle Bücher über 1.000 Seiten z.B. „Der Anschlag“ von Stephen King oder „1Q84“ von Haruki Murakami 🙂 )

      Kannst du mir gute Wälzer empfehlen?

      LG Alex

  • Reply Olivia Plep September 11, 2014 at 5:48 am

    Die geheime Geschichte hat mich damals so begeistert…jetzt werde ich den Distelfink auch bald mal in Angriff nehmen. Für den vergangenen Sommer hatte ich für eine Lesung von ihr Karten, musste dann aber leider wegen Krankheit absagen….
    LG und einen schönen Tag noch
    Olivia

  • Reply Montagsfrage #42 von Libromanie Dezember 8, 2014 at 6:27 pm

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  • Reply Rezension: Die geheime Geschichte von Donna Tartt November 26, 2015 at 6:47 pm

    […] „Der Distelfink“ hat mich Donna Tartt absolut überzeugt und süchtig zurückgelassen. Eine so detailverliebte und trotzdem spannende Geschichte findet man selten. Auf über eintausend […]

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