Erzählung, Fiktion

Rezension: Im Hause Longbourn von Jo Baker

Es ist ja schon fast ein Skandal: ich habe „Stolz und Vorurteil“ nie gelesen. So, jetzt ist es raus. Eigentlich mag ich diese Epoche und liebe es, Klassiker für mich neu zu entdecken. Zu Jane Austen hat es mich trotzdem noch nicht hingezogen. Umso verwunderlicher, dass ich „Im Hause Longbourn“ so gern lesen wollte.

im_hause_longbourn„Im Hause Longbourn“ von Jo Baker
Knaus Verlag
448 Seiten
19,99 € (Hardcover)

Die Geschichte der Töchter der Familie Bennet und ihrer Suche nach geeigneten Ehemännern, beziehungsweise der großen Liebe, kennt wohl jeder (außer mir). Millionen lieben den Romanklassiker „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen oder die Verfilmung mit Keira Knightley. Die Begeisterung für die herrschaftliche Liebesgeschichte ist groß, die Faszination für die Bälle und Empfänge verständlich. Wer bei dieser Geschichte keine Rolle spielt sind die Dienstboten und Mägde der feinen Herrschaften. „Im Hause Longbourn“ erzählt nun genau davon:
Das Haushälter-Ehepaar Mr. Und Mrs. Hill, die Dienstmädchen Sarah und Polly und später der Hausdiener James sind die Hauptakteure dieser Geschichte. Alles Figuren, die so gar nicht oder nur ganz am Rande eine Rolle in „Stolz und Vorurteil“ spielen durften. So sieht die Autorin diesen Roman auch nicht als Neuerzählung des berühmten Klassikers, es ist eher eine Ergänzung, eine Beschreibung der Geschehnisse Hinter den Kulissen. Ich habe anfangs gezweifelt, ob es mir gelingen wird, diese Geschichte zu genießen, wo ich doch „Stolz und Vorurteil“ nicht kenne. Da Jo Baker mit „Im Hause Longbourn“ aber eine ganz eigene Geschichte erzählt, die einen eigenen Spannungsbogen und ganz anderen Fokus hat, konnte ich die Geschichte sehr gut genießen.
Meine Hoffnung allerdings, so ganz nebenbei den großen Klassiker auch gleich noch mit kennen zu lernen, hat sich eben durch diesen Umstand nicht erfüllt. Mit dieser falschen Erwartung, sollte man das Buch also nicht zur Hand nehmen. Was allerdings sehr gut klappt: „Im Hause Longbourn“ macht Lust auf mehr und verleitet dazu „Stolz und Vorurteil“ doch noch zu lesen. Wer also ein bisschen Respekt vor dem Klassiker selbst hat, kann vielleicht mit dieser Geschichte einen sanfteren Einstieg schaffen. Da das Buch schon sprachlich deutlich moderner daherkommt, ist es für einen Einstieg in das Thema wunderbar geeignet.
Für mich persönlich hatte „Im Hause Longbourn“ unabhängig davon einen ganz klaren Wohlfühl-Faktor. Ein Buch das durch einen angenehmen, detaillierten Schreibstil besticht und eine tolle Atmosphäre transportiert. Die Beschreibungen von Sarahs harten Arbeitstagen, aber auch den kleinen Freuden im Dienstbotenleben haben sich einfach echt angefühlt. Die Geschichte bietet gerade genug Liebe und Spannung, um ganz für sich selbst zu überzeugen.
Eine stärkere Verbindung zum großen Klassiker hätte mir dann aber trotzdem noch besser gefallen. So ist „Im Hause Longbourn“ einfach ein schön zu lesender, unaufgeregter historischer Roman. Ob er für Fans von Jane Austen die hohen Erwartungen zu erfüllen vermag, würde ich fast bezweifeln.

Unterm Strich ist „Im Hause Longbourn“ schön zu lesen, aber recht unspektakulär. Ein Wohlfühlbuch, dem aber mit dem Bezug zu Jane Austen vielleichte in bisschen zu viel aufgelastet wurde. Insgesamt 3,5 von 5 Leseratten.


Das Buch in einem Tweet: „Im Hause Longbourn“ ist ein Wohlfühlbuch mit Atmosphäre, dem noch das gewisse Etwas fehlt um richtig zu überzeugen. Gut für kalte Tage!

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