Im Rattenbau, In Aktion

Alex’ persönlicher Jahresrückblick 2015 & #BSBP 2015

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Hallo meine Lieben,

tatsächlich ist schon wieder ein Jahr im Rattenbau vergangen. Aus unserer kleinen Mittagessens-Idee ist ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden, die Liebe zu Büchern und die Begeisterung für den Blog ungebrochen. Ganz leicht war 2015 für uns als Bloggerinnen nicht, wir haben stressige Zeiten und einiges Auf und Ab durchlebt. Im ganzen Jahr waren es aber auch Bücher, die uns bzw. mich dabei begleitet haben und so möchte ich euch heute wieder meine Monatslieblinge in 2015 vorstellen. Zu den eigentlichen Rezensionen verlinke ich nur, heute möchte ich vielmehr kurz davon erzählen, wieso mir das jeweilige Buch auch im Rückblick sehr am Herzen liegt. Danach gibt’s wieder die Fragen von Katrin.

Ich wünsche euch und mir ein wunderbares (Lese)Jahr 2016.
Eure Alexandra!

Januar „Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann“ von Ece Temelkuran

Der Januar begann für mich fordernd. Mit “Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann” brauchte ich gleich mehrere Anläufe, bis mich das Buch völlig packen konnte (und ich es schließlich beendet habe). Dafür ist mir die interessante, eliptische Erzählfolge bis heute ganz direkt im Gedächtnis. Es ist außerdem ein Buch, das mir erstmals gezeigt hat, wie aktuelle politische und gesellschaftliche Themen in Büchern verarbeitet werden können. So habe ich die Themen und Konflikte rund um den arabischen Frühling durch dieses Buch viel “direkter” vor Augen.

Februar “Ich schreib dir jeden Tag” von Suzanne Hayes und Loretta Nyhan

Dieses Buch liegt mir ganz besonders am Herzen, weil es ein Geschenk von Susi (zu unserer Read Pack Weihnachtsfeier 2014) war und außerdem von Freundinnen geschrieben wurde. Ich mag Bücher in Briefform sowieso, Susi weiß das und schon deswegen war die Wahl einfach ideal, außerdem habe ich uns in diesem Buch ein ganz klein wenig wiedergefunden. Zwei Freundinnen, die gemeinsam ein Projekt aufbauen, und ja, ganz trivial, wir schreiben uns tatsächlich jeden Tag.

März “Das Sexleben siamesischer Zwillinge” von Irvine Welsh

Der März war für mich tatsächlich der Monat der Highlights: “Leichtes Opfer” von Roger Smith, “Revival” von Stephen King, “Nachruf auf den Mond” von Nathan Filer, “Funny Girl” von Anthony McCarten  und “Der blinde Mörder” von Margaret Atwood” haben mir den Monat versüßt. Ganz besonders herausgestochen ist trotzdem “Das Sexleben siamesischer Zwillinge” denn dieses Buch stand für mich unter dem Motto “trau dich!”. Ein Buch mit anderen Themen, krasserer Sprache und ganz extremen Charakteren, das mich wirklich nachhaltig beeindruckt hat.

April “Heute beginnt der Rest des Lebens” von Marie-Sabine Roger

Es ist kein Geheimnis, dass ich von Marie-Sabine Roger absolut begeistert bin. Auch im April hat mich ihre Neuerscheinung “Heute beginnt der Rest des Lebens” wieder sehr unterhalten und eben auch beeindruckt. Das Buch war in einer stressigen Phase ein Ruheanker und Motivationspunkt. Wie in den übrigen Büchern dieser Autorin habe ich auch hier in wenigen Seiten eine kleine Oase und Auszeit vom Alltag gefunden, viel Humor und kleine (positive) Lebensweisheiten ohne erhobenen Zeigefinger. Ein Buch zum immer wieder lesen!

Mai “Von Geist und Geistern” von Hilary Mantel

Ungefähr einmal im Jahr läuft mir eine richtig gute Biografie über den Weg. In diesem Jahr hat mich “Von Geist und Geistern” von Hilary Mantel besonders besonders beeindruckt. Diese Biografie ist nicht klassisch an den wichtigen Erlebnissen (Studium, Beruf, gähn…) sondern den Gefühlen und Gedanken der Autorin orientiert.
Vor allem die titelgebenden Geister waren es, die mich dabei völlig fasziniert haben. Häufig habe ich seitdem über die Geister der “anderen Alex, die ich möglicherweise geworden wäre” nachgedacht. Mal bestätigt es in Entscheidungen, mal hinterfragt man sich dadurch ganz anders. Ein durch und durch wertvolles Buch.

Juni “Girl on the Train” von Paula Hawkins

Ich muss zugeben, im Juni hatte ich alles andere im Kopf als Bücher. Durch meinen Umzug habe ich in diesem Monat so wenig gelesen wie in keinem anderen zuvor. Da fehlte einerseits einfach die Energie, andererseits die Zeit. So richtig konzentriert habe ich mich dann auf die Lektüre auch nicht, aber “Girl on the Train” hat mich trotz allem gut unterhalten und trotz vollem Kopf gefesselt. Manchmal muss ein gutes Buch auch gar nicht mehr können.
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Juli “Blumen für Algernon” von Daniel Keyes

An den ersten Traum in der eigenen, neuen Wohnung kann ich mich nicht erinnern, an das erste Buch dagegen schon. “Blumen für Algernon” erreichte mich von Klett Cotta direkt am Umzugstag noch in der alten Wohnung, huschte  in meine Tasche und war dann erst mal aus dem Sinn. Als dann die Umzugshelfer verschwunden waren und Ruhe einkehrte, hab ich in der ersten Pause dieses Buch zur Hand genommen. Die Geschichte hat mich dann völlig fasziniert, berührt und nach fast zwei Wochen ohne Buch (ja, wir hatten wirklich viel Streß!) total für sich eingenommen. So war in all dem Trubel dies meine kleine Ruheinsel, bevor die Kisten ausgepackt und weiter Möbel aufgebaut wurden.

August “Greenwash, Inc.” von Karl Wolfgang Flender

Ähnlich wie “Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann” habe ich mich mit “Greenwash, Inc.” einem eigentlich ernsten Thema sehr unterhaltsam und spannend nähern können. Spannend ist dieses Buch schon deshalb gewesen, weil Susi und ich es aus zwei völlig verschiedenen Perspektiven betrachten. Ich bin eher der “Normalo” und Susi ein kleiner “Öko”. Ihre Rezension steht noch aus, ich für meinen Teil glaube aber, die Darstellungen in diesem Roman sind für beide Sichten geeignet interpretierbar.

September “Finderlohn” von Stephen King

In 2015 habe ich einige Bücher von Stephen King gelesen, vom neu erschienenen “Revival” im März, bis zum Klassiker “Dolores” im Sommer. Besonders beeindruckt hat mich allerdings “Finderlohn”, die Fortsetzung von “Mr. Mercedes” beschäftigt sich mit dem Lesen und Schreiben, den Auswirkungen von Literatur auf die Realität und Büchern, die ein Anker sein können. In vielen Büchern merkt man, dass Stephen King seine eigenen Probleme und Erfahrungen in seinen Romanen verarbeitet, in “Finderlohn” hat er dabei auch einige meiner Gedanken genau getroffen. Nicht ohne Grund ist er mein Lieblingsautor und 2016 wird für mich ein King-Jahr, jeden Montag erscheint nämlich eine neue Kurzgeschichte des King!

Oktober “Gute Töchter” von Joyce Maynard

Der Oktober und “Gute Töchter” von Joyce Maynard steht für mich wieder einmal für das, was das bloggen für mich so toll macht: neue Bücher und Verlage entdecken, mehr probieren und echte Schätze finden. Dieses Buch aus dem frisch nach Deutschland gekommenen HarperCollins Verlag hat mich absolut begeistert und war mein Highlight im Oktober, ein unscheinbares und stilles Buch, dem ich wohl in meiner Zeit vor dem Blog nicht über den Weg gelaufen wäre. Dafür steht unser Rattenbau und deswegen mache ich all das hier so gern!

November “Die Geschichte des Regens” von Niall Williams

So wie für mich im November erstmals im Jahr etwas Ruhe einkehrte, kam mit “Die Geschichte des Regens” auch ein absolut ruhiges, wundervoll inspirierendes Buch in mein Bücherregal. Eine Geschichte die wunderbar dahinfließt und  mich getragen hat.  Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe mich in dieser schönen, phantasievollen Geschichte absolut wiedergefunden. Ein Lesetipp, der graue Tage gleich weniger grau erscheinen lässt und perfekte Lektüre für alle Freunde von Irland bzw. irischer Literatur.

Dezember “180 Grad Meer” von Sarah Kuttner

Der Dezember war für mich mit Abstand der schwierigste Monat in diesem Jahr. Bis zu den Weihnachtsfeiertagen war ich etwas rat- und rastlos und von einigen Problemen ziemlich überrollt. Dann kamen erst wunderschöne Weihnachtstage mit unseren Familien und dann “180 Grad Meer” von Sarah Kuttner. Dieses Buch hat mich so bewegt und durchgeschüttelt, wie der Anblick eines stürmischen grauen Meeres. Jetzt ist zwar noch nicht alles wieder gut, aber der Kopf etwas freier und die Akkus wieder aufgeladen. Gute Voraussetzungen für 2016!
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Übrigens, falls euch interessiert wieviele Bücher ich in diesem Jahr gelesen beziehungsweise rezensiert habe… tja! Ich weiß es nicht, ich habe nicht gezählt und möchte das auch gar nicht. Für 2016 wünsche ich mir lediglich wieder etwas mehr Abwechslung und Ausflüge in ungewöhnliche Genres, sonst darf und soll bitte alles so bleiben, wie es ist!
Nun zum Abschluss zu den Fragen der Blogparade von Katrin zum Jahresabschluss, bei der 7. Parade bin ich nun zum zweiten Mal dabei, wenn sie fragt…

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

In diesem Jahr wirklich positiv überrascht hat mich “Angriff der unsinkbaren Gummienten” von Christopher Brookmyre. Ich hatte das Buch bereits in 2014 begonnen und dann gut bei einem Viertel liegen lassen, ich kam in das Thema nicht rein und bin absolut nicht warm geworden mit dieser Geschichte. Das war beim 2. Anlauf ganz ganz ganz anders, umso überraschter war ich! Eigentlich hätte ich das Buch beinahe aussortiert und bin nun sehr froh, es doch gelesen zu haben. Das Buch ist eine tolle Mischung aus Kriminalroman und humoristischem Roman, voll von Hokus Pokus und interessanten Enthüllungen. Die Wahrheit über Wahrsager!

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Wirklich enttäuscht hat mich in diesem Jahr “Die alltägliche Physik des Unglücks” von Marisha Pessl. Letztes Jahr im Dezember habe ich mit “Die amerikanische Nacht” dieser Autorin ein echtes Highlight entdeckt und wollte unbedingt “mehr davon”. Wie so oft, können hohe Erwartungen nur zu großen Enttäuschungen führen, so heftig wie bei “Die alltägliche Physik des Unglücks” habe aber auch ich das selten erlebt. Die Geschichte war langatmig und belanglos, die Zusammenhänge wirr und die gekünstelten Charaktere und ihre seltsame Sprache nur anstrengend,  nicht unterhaltsam. Alles in allem leider eine völlige Enttäuschung und das einzige abgebrochene Buch 2015. Schade!

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Obwohl er schon einige Bücher geschrieben hat, bin ich erst durch “Leichtes Opfer” auf Roger Smith gestoßen. Dieser harte aber sehr kluge, bewegende und so gar nicht effekthaschende Thriller hat mich lange bewegt. Ich fand sowohl das Setting in Südafrika, als auch die Randthemen von sozialer Ungerechtigkeit und Gangs sehr ungewöhnlich und spannend. Für mich steht fest, dass ich unbedingt mehr Bücher dieses Autors lesen möchte.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Eigentlich sind Cover für mich zweitrangig. Zwar genieße ich schön gestaltete Bücher und Buchcover, aber wirklich ausschlaggebend für den Kauf sind sie für mich nicht. Da “Böse Absichten” von Keigo Higashino für mich aber auch inhaltlich absolut überzeugend war und in meinem Regal eine echte Schönheit ist, kann ich es ohne schlechtes Gewissen als Highlight nennen. Die wunderschön rot-weiße Gestaltung passt sowohl zur leisen Krimispannung als auch zur Nationalität des Autors, einfach gelungen!

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2015 lesen und warum?

Okay, okay, okay. Es ist natürlich völliger Quatsch nur ein einziges Buch hier zu zeigen. Es sind jetzt schon (bevor ich alle Verlagsvorschauen durchstöbert habe) deutlich mehr und ich könnte eine ganze Liste davon erstellen, aber besonders freue ich mich auf “Lady Orakel” von Margaret Atwood. Und da der Berlin Verlag eine Werksausgabe aller Margaret Atwood Bücher in diesem tollen Design plant, werde ich wohl noch mehr Bücher dieser wunderbaren Autorin kaufen und lesen. In dieser Hinsicht verspricht 2016 ein tolles Jahr zu werden.

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1 Comment

  • Reply BuchSaiten | [Blogparade] Zum Jahresende 2015 – Abschlussposting Januar 10, 2016 at 6:09 pm

    […] Alexandra vom Read Pack lettersalad Pimisbuecher Zeilenleben Leni Behninger Philip (Book Walk) Melissa Verena […]

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